Radevormwald: Dürrehilfe ist für Bürokraten

Landwirte in Radevormwald sind enttäuscht: Dürrehilfe kommt nur bei wenigen an

Landwirte in Radevormwald beklagen die hohen bürokratischen Hürden bei der Beantragung der Mittel. Viele Betroffene resignieren: Im ganzen Oberbergischen Kreis sind bislang nur rund 20 Anträge gestellt worden.

Der Sommer war lang und trocken, auch der Herbst hält bisher nicht das, was er sonst an Niederschlägen verspricht. Probleme gibt es da nicht nur bei der Spritversorgung, sondern auch bei den Landwirten: Insbesondere Grünlandbetriebe haben in Radevormwald nicht genug Futter für die Tiere.

Die Dürrehilfe von Bund und Ländern soll bundesweit finanzielle Hilfen von bis zu 340 Millionen Euro bereitstellen, doch die Hürden für die Beantragung sind für viele Bauern zu hoch.

Knapp 150 Tiere hat Landwirt Dirk Hasenack in Ümminghausen. Auf 73 Hektar Grünland gibt es in diesem Jahr nicht genug Futter für das Rindvieh: „Wir müssen Mais dazu kaufen, sonst würden wir nicht über den Winter kommen“, sagt Hasenack. Er ist einer von etwa 40 Landwirten in Radevormwald, die einen Grünlandbetrieb haben. Im Normalfall macht der Landwirt vier Schnitte im Jahr, alle sechs Wochen wird das Gras geschnitten. Anfang Mai gab es den ersten Schnitt, der zweite im Juni war schon „ganz schlecht“, so dass ein nächster auf Anfang Juli vorgezogen wurde. „Es war schon alles trocken“, sagt der Landwirt. Ein vierter Schnitt bleibt in diesem Jahr aus, somit fehlt das Grün von einem kompletten Schnitt.

Landwirtschaftsbetriebe, die Schäden in einer Höhe von mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung aus der Bodenproduktion und eine Bedürftigkeit für die Hilfe nachweisen können, können Anträge für die Dürrehilfe bei der Landwirtschaftskammer einreichen. Doch das Problem ist, dass man den Ertrag aus Grünland nicht so gut wiegen kann, wie den aus Getreide, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Oberberg. „In der Politik geht man davon aus, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Und dann macht man da ein solches Monster draus, das nicht zu schaffen ist“, sagt Helmut Dresbach. Viele Bauern kämen nicht mit dieser Bürokratie zurecht, weswegen bisher auch nur 18 Anträge an der Kreisstelle Oberberg gestellt wurden.

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Außerdem sei die Dürrehilfe praktisch nur für Landwirte, die sonst ihren Hof schließen müssten, sagt Hasenack. „So schön wie das Konzept der Dürrehilfe klingt, ist es eigentlich gar nicht“, sagt der Landwirt. Er könne vermutlich gar keine Dürrehilfe in Anspruch nehmen, da man hierfür auch gar kein Privatvermögen haben dürfe. Die Hürden seien einfach zu hoch. „Im Bergischen Land wären wir wohl besser mit dem Anbau von Mais zurechtgekommen“, sagt Hasenack. Doch ein sogenannter „Grünlandumbruch“ ist gar nicht so einfach: Für den Anbau von Mais braucht man Acker, dafür muss ein anderer Landwirt in Radevormwald seinen Acker nicht mehr wollen, schließlich muss der Umbruch noch von der Landwirtschaftskammer genehmigt werden.

Seinen Acker loswerden will Holger Gesenberg wohl eher nicht: er baut Mais an und der bringt sein Vieh in diesem Jahr durch den Winter. „Der Mais ist durchschnittlich gewachsen, wenn nicht sogar besser“, sagt Gesenberg. Außerdem hat er noch Gras übrig. Während der vierte und letzte Schnitt im vergangenen Jahr noch bis heute vorhält, wird der diesjährige letzte Schnitt etwa zwei Monate reichen. „Aber nicht jeder Betrieb in Radevormwald hat Mais“, sagt Gesenberg.

Gesenberg glaube aber nicht, dass die Oberbergischen Betriebe es schaffen werden, eine Förderung zu bekommen. Dresbach hofft, dass zumindest einige, die einen Antrag gestellt haben, auch Hilfe bekommen. „Aber ich sage immer: Ist die Dürre gut geraten, schickt man uns die Bürokraten“, sagt Helmut Dresbach.

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