Industriegeschichte in Radevormwald Eine Tour auf den Spuren von Friedrich Engels

Radevormwald · Wuppertrail, Wülfingmuseum und Geschichtskreis Beyenburg haben sich zum 200. Geburtstag etwas Besonderes einfallen lassen. Eine Tour mit Fahrraddraisinen führt die die Teilnehmer zurück in die Zeit der bergischen Textilindustrie des 19. Jahrhunderts – die Welt, in der Friedrich Engels aufwuchs.

 Eine Draisine des Wuppertrail am Bahnhof Dahlerau. In Zeiten der  Corona-Pandemie wird natürlich auf Hygieneregeln und Sicherheit besonders geachtet.

Eine Draisine des Wuppertrail am Bahnhof Dahlerau. In Zeiten der  Corona-Pandemie wird natürlich auf Hygieneregeln und Sicherheit besonders geachtet.

Foto: Dörner, Hans (hdo)

Ein berühmter Sohn des Bergischen Landes ist vor 200 Jahren geboren worden: Friedrich Engels, Nachkomme eines wohlhabenden Textilindustriellen aus Barmen, Weggefährte von Karl Marx und einer der Väter des Sozialismus. Einst war der Revolutionär aus dem Tal der Wupper ein Schrecken für brave Bürger, heute ist man stolz auf ihn und schätzt seinen Kampf für soziale Gerechtigkeit und für bessere Lebensbedingungen der Arbeiterklasse.

Nicht nur seine Vaterstadt Wuppertal feiert 2020 das „Engelsjahr“. Auch drei Vereine aus Radevormwald und Beyenburg haben sich nun zusammen getan, um anlässlich dieses Datums eine Reise in die Zeit der frühen Industrialisierung zu unternehmen. Denn die Welt, in der Friedrich Engels aufwuchs, war geprägt durch die Textilindustrie, die im Tal der Wupper einen großen Aufschwung erlebte. Mit dem Wülfingmuseum in Dahlerau besitzt Radevormwald ein wahres Schmuckstück dieser Industrietradition.

Ab dem 28. Juni bieten der Wuppertrail, der Museumsverein Johann Wülfing und Sohn und der Geschichtskreis Beyenburg historische Exkursionen mit der Draisine an. Der Titel lautet „Amt Beyenburg und eine Industrietextilstadt – wie zu Engels Zeiten“. Da die Eisenbahn damals das Fortbewegungsmittel der Stunde war, machen sich die Teilnehmer von Bahnhof in Beyenburg auf. Mit dem Fahrraddraisinen geht es dann entlang der Wupper flußaufwärts in Richtung Dahlerau.

Dort werden die Teilnehmer dann im Wülfingmuseum ganz authentisch in die regionale Industriegeschichte eintauchen. Das Unternehmen Johann Wülfing war mehr als eine Fabrik, es war eine „Textilstadt“. Es bildete sich „eine Ortschaft, in der es an vielem nicht fehlte. Es gab eine Post, einen Metzger, Wohnhäuser, kurzum eine vollständige Infrastruktur bildete sich damals um das Textilwerk heraus“, wie die drei Vereine in ihrer Einladung schreiben. Vieles davon ist heute noch vorhanden oder aber läßt sich erahnen. Der Zeit von Friedrich Engels kommt man hier ganz nahe. Der Rundgang endet schließlich im Bereich Grunewald, von dort geht es dann wieder mit der Draisine zurück nach Beyenburg. Dort wird dann das „Amt Beyenburg“ erkundet, das bedeutend älter ist als die Textilstadt Wülfing – die Gründung des hiesigen Klosters wurde bereits 1298 erwähnt.

Trotz der intensiven Industrialisierung im 19. Jahrhundert, die das Tal der Wupper zum „deutschen Manchester“ machte, hat sich Beyenburg sein ländlich-idyllisches Ambiente über die Jahre hinweg erhalten. Heute ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele der bergischen Region, nicht zuletzt wegen seiner außerordentlich schönen Lage auf einem Bergsporn, der von der Wupper umflossen wird. Das Wahrzeichen ist die Klosterkirche, die das Ortsbild dominiert.

Dabei gab es auch in Beyenburg Industrie, zum Beispiel Eisengarnfabriken, eine Spinnerei, auch eine Brennerei, sowie eine „Cameral-Bann-Mühle“. Textilprodukte wurden hier oft in Heimarbeit gefertigt. Beyenburg war auch eine Grenzstadt, lag an der Hansestraße von Köln nach Dortmund und war auch Sitz eines Rentamtes.

Übrigens: Wer mehr wissen möchte zu den Wuppertaler Veranstaltungen im Rahmen des Engelsjahrs findet Informatioenn unter www.wuppertal.de/microsite/engels2020/veranstaltungen/content/textilgeschichte-im-oberental-

der-wupper.php

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