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Radevormwald: Dompropst Guido Assmann erzählt von seiner Aufgabe

Geistlicher aus Radevormwald : „Lerne den Dom jeden Tag neu kennen“

Monsignore Guido Assmann war auf Einladung der Kolpingfamilie zu Gast in seiner Heimatstadt Radevormwald. In einem Vortrag berichtete er über seine Tätigkeit als Dompropst zu Köln. Die Zuhörer kamen ins Staunen.

Es ist eine Veranstaltung der Rader Kolpingfamilie, die eigentlich schon vor bald drei Jahren hätte stattfinden sollen. In dieser Zeit ist aber nicht nur die Corona-Pandemie durchs Land und die Welt gezogen, auch Monsignore Guido Assmann, ein echter „Rader Jung“, hat in der Zwischenzeit seine neue Stelle als Dompropst am Hohen Dom zu Köln angetreten. Und jetzt endlich, am Dienstagabend, ist er nach der Abendmesse ins Caritashaus gekommen, um auf Einladung der Kolpingfamilie einen Vortrag zu halten – zu einem Thema, das sich vor allem mit seiner neuen Tätigkeit beschäftigt. „Ich erzähle jetzt einfach aus meiner Arbeit im Dom, die ich vor eindreiviertel Jahren angetreten habe“, sagt er zu Beginn seines unterhaltsamen Vortrags.

Er habe die große Kirche in einer seltsamen Zeit neu kennengelernt. „Er war teilweise völlig leer, nur ganz vereinzelt sind Menschen erschienen“, sagt Assmann. Aber langsam würde sich die Zahl der Besucher wieder erhöhen – auch dank des Neun-Euro-Tickets. „Ich lerne den Dom jeden Tag ein klein wenig auf neue Weise kennen. Etwa gehört der Dom niemandem als sich selbst. Und die Kirche steht als Körperschaft des öffentlichen Rechts auf 27 einzelnen Grundstücken“, sagt der Dompropst.

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Im Dom würden viele Angestellte und Mitarbeitende arbeiten, auch er selbst etwa habe mit Eintritt in seine neue Position innerhalb des Domkapitels seine bisherige Anstellung im Erzbistum Köln abgeben müssen.

Die rund 30 Besucherinnen und Besucher haben im Verlauf des rund einstündigen Vortrags einen interessanten Einblick in das Innenleben des Kölner Doms bekommen. Übrigens wird der Erzbischof durch die Mitglieder des Domkapitels gewählt („Das ist eine weltweit nahezu einmalige Vorgehensweise, denn normalerweise ernennt der Papst den Bischof einfach so“).

Der Dompropst habe also, so recht schnell der Eindruck, nicht nur mit dem Gebäude zu tun. „Auch wenn das natürlich der schönste Teil meiner Arbeit ist“, sagt Assmann, der inzwischen auch zum Generalvikar des Erzbistums ernannt wurde. Letztlich gehe es darum, den Dom als Kirche zu erhalten, auf handwerkliche Weise. „Aber wenn es das Domkapitel nicht gäbe, wenn es letztlich keine Einnahmen mehr gäbe, könnte man den Dom nicht mehr erhalten.“ In einem rund fünfminütigen, interessanten Film gibt Assmann einen eindrucksvollen Einblick in die handwerklichen Arbeiten an dem auch schon 774 Jahre alten Wahrzeichen Kölns. Peter Füssenich, der 19. Dombaumeister, ist dort ebenso zu sehen wie zahlreiche Mitarbeitende und viele Luftaufnahmen.

Und auch wenn der Dom schon runde 780 Jahre auf dem Buckel habe, mache die moderne Technik beim Unterhalt und den Erhaltungsarbeiten nicht halt. „Zwar hat man keine hundertprozentige Gewissheit, dass bei Stürmen oder Unwettern nichts passiert. Aber wir setzen auch Drohnen ein, um die baulichen Zustände in luftiger Höhe zu überprüfen. In den vergangenen Jahren ist tatsächlich nichts passiert“, sagt Assmann.

Hightech kommt bei den zum Teil riesigen Hängegerüsten zum Einsatz, die bis zu 30 Tonnen wiegen würden. „Ein 172-Tonnen-Kran hat das Gerüst dann abgenommen -– wäre der Kran auf dem Roncalli-Platz gestellt worden, wäre er ruckzuck in der Tiefgarage gelandet, weil er so schwer ist.“

Auch weitere Tatsachen sorgen für Staunen. Etwa, dass es in der Dombauhütte – eine solche habe lange nicht jede große Kathedrale – das einzige noch brennende Schmiedefeuer in der Domstadt gebe. „Viele Sachen kann man eben nicht beim Baumarkt kaufen, sondern muss sie selber schmieden“, sagt Assmann. Oder dass die Identifikation der Handwerkerinnen und Handwerker mit ihrer Arbeit auch deswegen so groß sei, weil sie ihre Steine bis zur Abgabe an den Dombaumeister ausschließlich selbst bearbeiteten. „Mittlerweile ist es gar nicht mehr so leicht, geeignetes Material zu bekommen“, sagt Assmann. Daher arbeite man seit einige Jahren mit einem Steinbruch in Tschechien zusammen. Auch die Arbeit mit dem 3D-Drucker gehöre mittlerweile dazu. „Aber keine Maschine kann die Arbeit eines Menschen ersetzen, der sich jahrelang mit der entsprechenden Technik beschäftigt hat“, versichert der Dompropst.

Die Besucher erleben einen hochinteressanten Einblick, der mitunter für echte Verblüffung sorgt. Etwa bei der Frage nach dem Budget. „Der Dom kostet pro Tag 33.000 Euro - oder 12,7 Millionen Euro im Jahr“, sagt Assmann. Die größte Einnahmequelle für das Domkapitel seien die Eintrittsgelder für die Turmbesteigung. Über  generelle Eintrittsgelder – wie in anderen großen Kathedralen üblich – wolle man aber nicht nachdenken.