1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: Digitales Osterfest in vielen Gemeinden

Ostern in Radevormwald : Digitales Osterfest in vielen Gemeinden

So ein Osterfest haben die katholischen, evangelischen und freien-evangelischen Kirchengemeinden in Rade noch nicht erlebt. Von Gründonnerstag bis Ostermontag gibt es keine öffentlichen Feiern, aber viele kreative Alternativen.

Das wird kein gewöhnliches Osterfest. Kontaktverbot, keine öffentlichen Feiern in Kirchengemeinden – „alles neu, alles anders“, sagt Pfarrer Philipp Müller von der Lutherischen Kirchengemeinde mit Blick auf die Zeit von Gründonnerstag bis Ostermontag. Es sei ein Schock gewesen, zu erfahren, Ostern nicht feiern zu können, doch dann sei schnell der Entschluss gereift, andere Wege zu gehen und verstärkt digitale Medien zu nutzen. „Mittlerweile sind wir immer besser geworden“, sagt er nach vier Wochen Erfahrung mit Streaming-Gottesdiensten, Passionsandachten im virtuellen Raum oder WhatsApp-Treffen mit den Konfirmanden. Zu einer Passionsandacht schaltete sich ein Pastor aus den USA ein, den Müller beim Kirchentag kennengelernt hatte. Ein Gemeindeglied nahm aus dem Krankenhaus an der Andacht teil „und konnte so Kraft für sich tanken“, berichtet Müller von wertvollen Erfahrungen pünktlich zum Osterfest und mitten in der Corona-Krise.

Die Reaktionen der knapp 6000-Glieder starken Gemeinde seien positiv. „Wir verspüren sogar schon den Druck, dass wir das digitale Angebot auch nach der Krise weiterführen sollen“, sagt er. Menschen aus dem Altenheim nehmen Anteil, Kranke zu Hause ebenso, eine ältere Frau berichtete Müller, dass sie so nach langer Zeit die Kirche mal wieder habe sehen können. Wer zu Hause keine technischen Möglichkeiten hat, die Übertragungen zu verfolgen, für den verschickt die Gemeinde die Predigten – und Müller hat zwei i-Pads gespendet bekommen, auf die er die Gottesdienste aufspielt und nach Hause liefert. „Ich bin davon überzeugt, dass von alldem auch nach der Krise etwas hängen bleibt“, sagt der Pfarrer. Die Nachfrage sei groß, die Resonanz auch. Mehr als 1000 Aufrufe verzeichnet der Geistliche bei einem Streaming-Gottesdienst, sonst kommen im Schnitt zusammen 100 Gläubige zu den beiden Gottesdiensten in die Lutherkirche und im Paul-Gerhardt-Haus. Auch das Leitungsgremium der Kirchengemeinde treffe sich mittlerweile per Videokonferenz. Das spare Zeit und sei weniger umständlich, könne aber die persönliche Begegnung nicht ersetzen. Auch die Arbeit mit den 40 Konfirmanden gestaltet Müller mittlerweile digital und feiert Whats-App-Gottesdienste mit dem Nachwuchs. „Man muss sich trauen, mal was Neues zu wagen“, findet er. Die digitale Arbeit sei allerdings sehr aufwendig und erfordere jede Menge ehrenamtlichen Einsatz von Freiwilligen. „Montag haben wir bis 23.30 Uhr den Ostergottesdienst geprobt und durchchoreografiert“, berichtet Müller.

Die reformierte Gemeinde stellt sich auch den digitalen Herausforderungen. Pfarrer Dieter Jeschke hat den Ostergottesdienst bereits aufgezeichnet – mit Unterstützung eines professionellen Kameramanns. Außerdem veröffentlicht er an Gründonnerstag und Karfreitag Clips zum Thema „Der Herr ist mein Hirte“, unter anderem mit einem Panflötenspiel. Da Jeschke glaubt, dass wir in der Krise einen langen Atem brauchen, will er sich weitere kreative Ideen für die Zeit nach Ostern überlegen. Und wer weniger digital unterwegs ist, für den hat Jeschke die Telefon-Seelsorge ausgeweitet, um auch etwas gegen die Einsamkeit vieler Menschen zu unternehmen.

Auch die Martini-Gemeinde ist digital unterwegs, stellt Impulse über YouTube zur Verfügung und veröffentlicht auch die Predigten der beiden Pastöre auf der Homepage.

Gänzlich auf digitale Angebote verzichtet die katholische Kirchengemeinde St. Marien und Josef. „Die Katholische Kirche ist eine Weltkirche. Wir verweisen auf die Feiern im Kölner Dom und in Rom“, sagt Pfarrer Marc D. Klein. Ihm sei das gedankliche Zusammensein mit den Gläubigen wichtig, wenn er die Feiern in der Kirche über die Ostertage im kleinsten inneren Kreis zelebriere. Der Verzicht auf die öffentlichen Feiern sei schmerzlich, aber notwendig. Die Anzahl der Fernsehgottesdienste sei deutlich erhöht worden, da wolle man sich nicht noch zusätzlich diesem Wettbewerb stellen. Wichtig sei es, sich zu sammeln, sich mit der Kirche zu verbinden und zu Hause Andacht zu gestalten. Dass weder Gründonnerstag, noch Karfreitag oder in der Osternacht öffentliche Feiern stattfinden, sieht er als „fast absurd“ an. Das sei schon unvorstellbar. So etwas habe es noch nie gegeben und sei völlig beispiellos. „Ich kann das nur traurig beobachten“, sagt Klein.

Die katholische Pfarrkirche ist jeden Tag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ab Karsamstag stehen kleine Osterkerzen in der Kirche zum Mitnehmen bereit, Beichtgelegenheit ist Gründonnerstag ab 17 Uhr.

Ostersonntag 12. April, 9.30 bis 9.45 Uhr, Osterläuten aller Kirchenglocken, konfessionsübergreifend.