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Radevormwald: Die vier Museen der Stadt hatten eingeladen

Kultur in Radevormwald : Nacht der Museen feiert gelungenes Comeback

Die Nacht der Museen feierte am Samstag ein gelungenes Comeback: Mehrere Hundert Besucher pilgerten über den Abend verteilt von einem Ausstellungsort zum nächsten. Nach der Hochphase der Pandemie eine echte Wohltat für Museumsteams und Gäste.

Die Hoffnung, dass die nunmehr dritte Auflag der Museumsnacht in Radevormwald nach Lockdowns und Schließungen, Umzug und Sperrungen, zahlreiche Besucher in ihre Räumlichkeiten locken würde, hegten alle Museumsbetreiber im Vorfeld der Nacht. Für einige sollte es ein Neubeginn sein, für andere eine langersehnte Rückkehr.

Mit entsprechender Vorfreude hatte das Team im Wülfing-Museum seine Ausstellungsräume präpariert und überall kleine Windlichter verteilt, die eine ungewohnte Atmosphäre schafften. „Alle vier Museen haben sich auf das Thema Licht geeinigt“, verriet Karola Johnen. „Um diesbezüglich mit dem Asiatischen Museum mithalten zu können, haben wir 50 kleine Lichter aufgestellt und drei Feuerstellen angeschafft“, sagte die zweite Vorsitzende mit einem Augenzwinkern. Durch die Nacht der Museen erhoffte sie sich einen Aufschwung bei den Besucherzahlen, denn durch Corona, Krieg in der Ukraine und Inflation sei ein deutlicher Rückgang zu spüren: „Wir merken schon, dass es weniger ist. Und jetzt mit der Baustelle vor der Tür müssen wir schauen, ob die Leute zu uns finden.“

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Kurz nach 19 Uhr, als der frisch gebackene Flammkuchen noch im Ofen garte, schauten sich die ersten interessierten Besucher neugierig um. „Es ist üblich, dass die Besucher dieser Nacht bei uns beginnen, dann über das Heimat- und Zweiradmuseum schließlich im Asiatischen Museum den Abend ausklingen lassen“, berichtete Johnen. Viele Gäste schienen auch in diesem Jahr diese Route zu wählen.

 Die Vorsitzende des Heimatmuseums Ursula Mahler am alten Ofen mit Waffeleisen.
Die Vorsitzende des Heimatmuseums Ursula Mahler am alten Ofen mit Waffeleisen. Foto: Cristina Segovia-Buendía

Klug aber war, wer frühzeitig zum Asiatischen Museum fuhr, denn die hübsch beleuchtete Außenanlage war schon früh am Abend absoluter Anziehungspunkt der Besucher. Mehrere Hundert Gäste saßen hier gemütlich unter freiem Himmel, genossen das Ambiente und die Darbietungen, die eine chinesische Tanzgruppe vorführte. Ins Museum selbst kamen an diesem Abend auch gut 100 Besucher, die einen Eintritt von fünf Euro bezahlten.

 Helmut Weber und Karola Johnen vom Wülfing-Museum präsentieren den selbstgemachten Flammkuchen.
Helmut Weber und Karola Johnen vom Wülfing-Museum präsentieren den selbstgemachten Flammkuchen. Foto: Cristina Segovia-Buendía

In den Museen begegnete man immer wieder Menschen, die man kurz zuvor an anderer Stelle schon gesehen hatte: Im Heimatmuseum etwa liefen sich Besucher fast schon schmunzelnd über den Weg. „Wir haben bereits die 100 Besucher geknackt“, freute sich die ehrenamtliche Museumsmitarbeiterin Ulrike Kunze, die am Eingang zum Heimatmuseum die Besucher begrüßte und sie einlud, sich ins Gästebuch einzutragen. „Besonders gefreut hat mich, dass diesmal auch viele Jugendliche, Zehn- bis 14-Jährige, gekommen sind.“ Das bestätigte auch Vereinsvorsitzende Ulrike Mahler. Zahlreiche Besucher, hatte sie erfahren, waren zum ersten Mal im Heimatmuseum. „Eigentlich ein Unding“, sagte Mahler mit einem ironischen Schulterzucken. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Menschen sich nun mehr für ihre Heimat und die Geschichte ihrer Stadt interessieren.“ Neugierig schauten sich auch Tanja (38) und ihre Mutter Krimhild (65) in den Ausstellungsräumen um. Das Heimatmuseum sei ihnen durchaus bekannt, doch nach der langen Zeit empfanden sie es dennoch spannend, wieder in den vertrauten Räumen möglicherweise auch das ein oder andere Neue zu entdecken. „Ich komme gerne“, urteilte Krimhild. Für Tanja war die Nacht der Museen eine gute Gelegenheit, die Vorzüge der Heimat etwas besser kennenzulernen. „Das Asiatische Museum beispielsweise kannte ich vorher noch nicht. Das habe ich heute zum ersten Mal besucht.“ Nach dem Heimatmuseum würden Mutter und Tochter wohl auch noch im Zweiradmuseum vorbeischauen.

 Dieter Kasper mit dem einem besonderen Stück: ein Bismarck-Kinderrad von 1937.
Dieter Kasper mit dem einem besonderen Stück: ein Bismarck-Kinderrad von 1937. Foto: Cristina Segovia-Buendía

Mit Lichter und Plakaten versuchte in dieser Nacht das IG Bismarck Museum am neuen Standort in der Leimholer Straße auf sich aufmerksam zu machen: „Wir haben befürchtet, dass uns viele nicht finden oder möglicherweise uns am alten Ort in der Schlossmacher Straße aufsuchen“, sagte Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Sommer. Für den Verein war es die erste offizielle Veranstaltung in den neuen Räumen. Denn regulär ist das Museum noch nicht geöffnet. Doch die Sorge war offenkundig unberechtigt, denn auch das Zweiradmuseum freute sich über regen Zuspruch. Weit über 100 Gäste interessierten sich für die zahlreichen Zweiräder und Nähmaschinen. Das Museumsteam führte die Besucher durch die Besonderheiten der Produktpalette des ehemaligen Radevormwalder Unternehmens. „Ein besonderes Ausstellungsstück ist ein Kinderrad aus den 1930er-Jahren, das wir zufällig an der Decke einer Scheue, eines österreichischen Museums entdeckt haben“, verriet IG-Mitglied Dieter Kasper. Ein metallisches Kinderrad mit Holzbalken und einem mehr als außergewöhnlichen Antrieb, ähnlich einer Draisine.

Rudi (60) und Maria (54) aus Wermelskirchen waren erstmalig bei der Nacht der Museen in Radevormwald dabei und gänzlich begeistert: „Im Asiatischen Museum gab es leider keine Führung. Das hat mir im Zweiradmuseum besser gefallen“, urteilte Maria. Dass sie bei der nächsten Museumsnacht erneut vorbeischauen, war für das Paar schon zu diesem Zeitpunkt beschlossen: „Aber wir kommen sicherlich auch zwischendurch nochmal.“