Radevormwald: Die Kraft der Kräuter erleben

Auf dem Land in Radevormwald-Borbeck: Eine Kräuterschule im Freien erleben

Im Bergischen Kräuterstübchen im Radevormwalder Stadtteil Borbeck lernten die Teilnehmerinnen der Kräuterschule von Anke Höller viel Interessantes über die wohlschmeckenden Gewächse auf freier Flur.

Die Abendschule zeigte sich einmal so ganz anders. Sitzplätze auf der großen Terrasse unter freiem Himmel. Abendsonne, Vögelgezwitscher und ganz viel Ruhe. In freier Natur Heilwissen und Mythen zu erleben, war das Vorhaben. Zwölf Teilnehmer konnte Anke Höller in ihrer Natur- und Heilpflanzenschule in Borbeck an diesem lauen Sommerabend begrüßen. Die „Kräuterfrau“ hatte zu ihrem „Juli - Kräuterabend“ den Spitzwegerich mitgebracht. In seiner ganzen Pflanzenpracht, als Blattwerk, in getrockener Form, als Blütenstand, in Tinktur-Proben und als gepressten Saft.

Schon die Vielfältigkeit der Heilpflanzennutzung versprach einen spannenden wie auch lehrreicher Abend zu werden. Für den Einstieg hatte Anke Höller einen kleinen Erfahrungsaustausch gewählt. Jeder der Teilnehmer hatte schon von der schleimlösenden Wirkung des Spitzwegerichs gehört oder aber von dessen antibakterielle Kraft. Eine kleine Pflanzenkunde wurde angeschlossen und auch die Verwendung der unterschiedlichen Pflanzenteile erkundet. Alle Darreichungsformen wie Öl, Shampoo, Tee und Frischpflanzensaft nannte die Kräuterfrau. Mit erkennbarer Freude vermittelte sie ihren Kursteilnehmern die Heilpflanze, die in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten ist.“Als Kräuterfrau ist es mein Bestreben, das alte Kräuterwissen zu bewahren und weiterzugeben“, so Anke Höller.

Die Teilnehmerin Heidi Wiesemann war zum ersten Mal in der Runde. „Ich möchte mir hier Wissen über Kräuter aneignen, mit dem ich meiner Familie gesundheitlich unterstützen kann“, sagte sie. Ein ähnliches Ziel hat auch Carmen Lange. „Ich weiß über den Spitzwegerich nicht viel. Nur dass er gut zu einem Hustensaft zubereitet werden kann“, erzählte sie. Dazu gäbe es in ihrer österreichischen Heimat ein Rezept, das Blätter und Zucker geschichtet im Glas über Wochen im Boden vergraben werde. Der so entstandene Saft sei gegen Husten. Anke Höller hörte sehr interessiert zu, nickte und wußte gleich, dass es sich hier um einen „Erdkammersirup“ handeln muss. Bevor die Teilnehmer an dem langen Tisch die verschiedenen Pflanzenteile des Spitzwegerich gingen, unternahmen sie noch einen kleinen Sparziergang durch den angrenzenden Kräutergarten. Dann wurde eine Tinktur aus der Heilpflanze gemacht die bei Insektenstichen zum Einsatz kommt. Anke Höller wies die Teilnehmer in den Herstellung von Spitzwegerich-Hustenbonbon ein, gab Teerezepte und überraschte mit der Möglichkeit, einen Spitzwegerichsalat zu kreieren.

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Zum Abschluss des Kräuterkurs reichte die Kräuterfrau selbstgebackenes Brot mit Wegerichsamen. Die Teilnehmerinnen ließen es sich gut schmecken. „Jeder Kräuterabend hat eine andere Heilpflanze als Thema“, so Anke Höller. Von Mai bis November bietet sie die „Abendschule“ teils im Freien und teils in ihrem „Bergischen Kräuterstübchen“. Im September nimmt Anke Höller die Nachtkerze unter die Lupe. „Die hilft bei verschiedenen Hautproblemen sehr gut“, verriet die Expertin. Im Oktober ist die Kapuzinerkresse an der Reihe, gefolgt von der Zwiebel im November.

„Es macht mir große Freude, interessierten Menschen uraltes Fachwissen über Kräuter vermitteln zu können“, so die ehemalige Kommunikationstrainerin, die für ihre eigene Heilpflanzenschule 2016 den Beruf wechselte.