Radevormwald: Die eigenen Fähigkeiten entdecken

Lernferien in Radevormwald : Die eigenen Fähigkeiten entdecken

16 Schüler sind in dieser Woche in der Jugenbildungsstätte an der Telegrafenstraße zu den „LernFerien NRW“ zu Gast. Sie lernen neue Methoden und Tipps zum effizienteren Lernen kennen. Und, gar nicht so nebenbei, auch sich selbst.

Die allermeisten Schüler in Nordrhein-Westfalen freuen sich gerade über die Herbstferien. Auch wenn der gerade seinem Namen wettermäßig alle Ehre macht, ist es doch schön, so kurz nach den Sommerferien schon wieder nicht in die Schule zu müssen. Im Rahmen der „LernFerien NRW“, die von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) erstmals 2008 veranstaltet wurden, sind auch in diesem Jahr wieder 350 Schüler aus dem ganzen Land in verschiedenen Städten für eine Woche in Lerncamps. Und auch wenn keine Schüler aus Radevormwald teilnehmen, ist die hiesige Jugendbildungsstätte doch wieder ein beliebter Austragungsort.

Jan Rosser von Hildebrandt Coaching ist einer der Betreuer, die für die 16 Jugendlichen aus ganz NRW als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Wir sind hier mit Schülern der achten Klasse aus ganz unterschiedlichen Schulformen. Es ist eine enorm heterogene Gruppe, aber dennoch ist die Stimmung untereinander sehr gut“, sagt Rosser. Allen gemein ist den Schülern, dass sie versetzungsgefährdet sind – die Gründe dafür sind indes ganz unterschiedlich. „Manche haben Einschränkungen wie Legasthenie oder ADHS, andere wiederum haben Probleme im Elternhaus, etwa, weil sich die Eltern scheiden lassen. Und auch nicht alle sind freiwillig hier“, sagt Rosser.

Die Schüler würden von ihren Lehrern vorgeschlagen, oft auch auf Initiative der Eltern. „Manche haben aber auch selbst davon gehört und sind begeistert. Diesmal sind allerdings einige dabei, die eigentlich nicht wollten“, sagt Rosser. Allerdings habe man im Gespräch durchaus bereits zueinander gefunden. „Mittlerweile sind sie vom Konzept überzeugt“, sagt Rosser.

Im LernCamp, das noch bis zum Samstag dauert, geht es darum, Tipps und Techniken zu vermitteln, mit denen es sich leichter lernt. „Aber es geht auch darum, sich selbst kennenzulernen. Manche Jugendliche könnten problemlos mithalten, wenn sie die richtige Lernmethode anwenden würden“, erklärt Rosser. Auch Organisationsstrukturen, Zeitpläne und Zeitmanagement gehören zu den Einheiten, über die in dieser Woche gesprochen wird. „Wir therapieren die Jugendlichen nicht, und wir geben auch keine Nachhilfe, beides würde in diesem Rahmen nicht funktionieren“, sagt Rosser.

So gehe es vielmehr um Coaching der Jugendlichen, die so Dinge, die sie an sich nicht so gerne sehen, verändern könnten. „Wir verwenden dazu das sogenannte Zürcher Ressourcenmodell, das den Kampf zwischen Bewusstem und Unbewusstem auflösen will“, sagt Rosser. Dazwischen gibt es Freizeitaktivitäten wie Bogenschießen, eine Nachtwanderung oder Spieleabende.

Sophia aus Bonn und Anna aus Heiligenhaus sind voller Elan beim Bogenschießen, auch wenn es schon den ganzen Vormittag regnet. „Wir kannten uns vorher alle überhaupt nicht, aber das war egal. Wir haben uns in langen Gesprächen kennengelernt“, sagt die 14-jährige Sophia. „Dabei haben wir uns darüber unterhalten, weswegen wir hier sind“, ergänzt die 13-jährige Anna.

Das Mädchen habe sich die Woche ganz anders vorgestellt. „Ich dachte, es geht mehr um die Schule. Aber wir beschäftigen uns mit Dingen, die wir auch später im Leben brauchen können.“ Sophia sagt: „Es ging etwa darum, was man an sich verändern möchte, damit sich später auch etwas ändern kann. Das ist anstrengend, aber auch sehr interessant.“