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Radevormwald: Das Rathaus ist in der Hand des Dreigestirns der RKG

Rathaussturm in Radevormwald : Bürgermeister „Josef“ gibt den Schlüssel ab

Der Sturm aufs Rathaus war wieder einmal erfolgreich. Jetzt ist Radevormwald in der Hand des Dreigestirns der RKG.

Der „Blaue Salon“ des Rathauses stand am Donnerstagvormittag Kopf. Die Mitarbeiter der Verwaltung stimmten sich auf Weiberfastnacht ein und warteten auf die Machtübernahme durch das Radevormwalder Dreigestirn, das dieses Jahr wieder unter weiblicher Führung ist.

Prinz Martina Bisterfeld, Bauer Patricia Ebbinghaus, genannt Trixi, und Jungfrau Simone Enneper wurden erwartet, aber die Jungfrau des Trios war nur für besonders aufmerksame Jecken zu entdecken. Über Nacht hat sie sich in eine kleine Puppe verwandelt, die von dem Hofstaat in das Rathaus getragen wurde. Zum Karnevalszug am Samstag soll Simone Enneper aber wieder in voller Lebensgröße zurück sein und das Dreigestirn der Ersten Großen Radevormwalder Karnevalsgesellschaft „Rot-Weiß“ (RKG) unterstützen.

Auf Händen getragen: Adjudant Michael Steinacker mit einer Miniatur von Jungfrau Simone Enneper. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

„Heute stürmen wir das Rathaus. Ich und der Bauer werden uns darum kümmern, dass der Bürgermeister den Rathausschlüssel abgibt, das ist ja normalerweise Aufgabe der Jungfrau“, sagte Prinz Martina. Um 11.13 Uhr, mit zwei Minuten Verspätung, marschierten die Tollitäten und ihre Garden ins Rathaus ein. Bürgermeister Johannes Mans, dem bereits die gestreifte Krawatte gestutzt wurde, fand es ganz angenehm, für einen Tag die Macht über das Rathaus abzugeben. „Das ist doch auch mal schön“, sagte er. „Ihr könnt das Haus beherrschen, und ich werde nicht um den Schlüssel kämpfen. Ich weiß ja, dass ich ihn wiederkriege.“ Diesen Moment nutzte Bauer Trixi und riss den Schlüssel, in der anderen Hand den Dreschflegel, an sich. Widerstand zwecklos.

Die reibungslose Machtübernahme ließ Prinz Martina für einen kurzen Moment verwirrt zurück. „Josef bekommt den Sessionsorden überreicht“, rief sie durch das Rathaus. Gemeint war Bürgermeister Johannes Mans. Er und die restlichen Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus und einigten sich mit Johannes „Josef“ „Jo“ Mans auf den neuen Namen der Session. Die Garden der RKG tanzten durch den „Blauen Salon“ und heizten die Verwaltung zum Feiern an. Unterstützt wurden die Vertreter der RKG durch die Karnevalsgesellschaft „Rua Kapaaf“. Präsident Dirk Finger nutzte die Chance, um auch seine festlichen Sessionsorden unters Volk zu bringen, der dieses Jahr den Dörfern der Stadt gewidmet ist. Rua Kapaaf unterstützte die RKG am Donnerstag nicht nur an der Hohenfuhrstraße, sondern auch beim Besuch der Schulen in Radevormwald.

Glänzen konnte Dirk Finger außerdem beim Spiel des Vormittages, das den „Herren der Schöpfung“ Geschick abverlangte. Ins Rennen stiegen neben Dirk Finger noch Johannes „Josef“ „Jo“ Mans und ein Mitglied des RKG-Hofstaates ein. Sie mussten, so schnell es ging, Sektgläser zusammenbauen, eine Sektflasche öffnen, den Inhalt in die Gläser umfüllen und an die weiblichen Gäste verteilen. Dem Bürgermeister kullerte die rote Clownsnase durch den Salon und das erste volle Sektglas direkt hinterher, während Dirk Finger die Ruhe bewahrte. Er versorgte zahlreiche „Altweiber“ mit Sekt und sicherte sich damit den Sieg. Die Reste des Sekts tranken die Männer direkt aus der Flasche.

Eine halbe Stunde nach der Machtübernahme durch Bauer Trixi war die Stimmung im Rathaus gelöst. Es wurde geschunkelt und getanzt. Die Mitarbeiter der Verwaltung schienen mit dem Dreigestirn als Leiter des Rathauses zufrieden zu sein.