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Radevormwald: Coronakrise schweißte Wupper-Gemeinden zusammen

Kirchen in Radevormwald : Corona lässt Gemeinden zusammenwachsen

Das erste Jahr der neuen Evangelischen Kirchgemeinde Remlingrade/Dahlerau war für alle Beteiligten bislang sehr herausfordernd. Doch die schwierige Situation hat auch das Gemeinschaftsgefühl aktiviert – was verschiedene Aktionen zeigten.

Als mit dem Neujahrstag die neue Evangelische Kirchengemeinde Remlingrade/Dahlerau ins Leben trat, da rechneten die Gemeindemitglieder sicher nicht damit, dass das erste gemeinsame Jahr der einst getrennten Kirchsprengel unter dem Schatten einer Pandemie stehen und das normale Gemeindeleben stark beeinträchtigt werden würde. Wie auch in anderen Kirchengemeinden mussten die Verantwortlichen reagieren, als das Coronavirus sich im März 2020 in der Region stark ausbreitete.

„Eine Erkrankung unter unseren Gemeindemitgliedern haben wir bislang nicht gehabt“, erklärt Pfarrer Ernst Albrecht Keller. Dennoch stellte die Pandemie die Gläubigen vor Herausforderungen. Vieles musste abgesagt oder verschoben werden, das eigentlich zum Gemeindeleben traditionell dazu gehört: die Goldkonfirmation, die eigentlichen Konfirmationen, die Schulgottesdienste. „Immerhin werden nun die Schul-Einführungsgottesdienste stattfinden“, kündigt Pfarrer Keller an. Allerdings nicht in einem der Gotteshäuser, sondern in der Schule selbst. Das allerdings ist in Kellers Augen kein Manko: „Ich bin ohnehin dafür, dass die Kirche auch nach draußen geht.“

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Präsenzgottesdienste finden zwar inzwischen wieder statt, bislang allerdings nur in der evangelischen Kirche in Dahlerau, was bei manchen Gläubigen in Remlingrade für eine gewisse Verstimmung sorgte, wie der Pastor einräumt. „In der Presbyteriumssitzung in dieser Woche werden wir über diese Gottesdienste erneut sprechen. Sie sollen nun auch wieder in der Dorfkirche in Remlingrade stattfinden, im wechselnden Turnus.“

Ansonsten jedoch, so resümiert der Geistliche, sei die Corona-Krise für das Zusammenwachsen der Gemeinde vielleicht sogar eher förderlich gewesen. „Es hat die Menschen zusammengeschweißt“, berichtet Albrecht Keller. Und es gab Aktionen, mit denen beispielsweise den Senioren, die in der Hochphase der Pandemie sehr isoliert waren, das Gefühl gegeben wurde, nicht vergessen zu sein. „Der Posaunenchor hat fast jeden Sonntag der Senioren-WG in Remlingrade ein Ständchen gebracht“, erzählt Pastor Keller. Auch für die Einwohner des Seniorenheims Haus Thiele gab es dies.

Und dann war da die Sache mit den Wäscheleinen. An beiden Kirchen der fusionierten Gemeinde wurde jeweils eine Wäscheleine gespannt, daran hängen Programme mit Andacht, Gebeten und Liedern. Jeder darf sich ein Programm für Zuhause mitnehmen. „Das ist so gut angekommen, dass viele gesagt haben, wir sollten das weiter anbieten“, schaut Ernst Albrecht Keller zurück.

Natürlich gebe es beim Prozess des Zusammenwachsens immer gewisse emotionale Empfindlichkeiten, besonders bei älteren Menschen, die ein ganzes Leben mit „ihrer“ Gemeinde verwachsen sind. Hier und da musste die Gemeindeleitung auf solche Gefühle Rücksicht nehmen. „Aber das ist ganz normal, das finden Sie so in allen Gemeinden, die sich zu einer neuen größeren Gemeinde zusammengeschlossen haben“, versichert der Pfarrer.