Radevormwald: Christian Klicki wird neuer Beigeordneter

Stadtrat in Radevormwald hat gewählt : Christian Klicki wird neuer Beigeordneter

Der Christdemokrat aus Wermelskirchen erreichte eine klare Mehrheit in der Ratssitzung am Dienstag. Christian Klicki setzte sich gegen seinen Mitbewerber Camillo Garzen durch.

Etwas nervös sei er schon gewesen, bekannte Christian Klicki, als alles vorbei war und er die Hände der Gratulanten schüttelte. Denn bis der CDU-Mann aus Wermelskirchener und sein Mitbewerber Camillo Garzen sich vor dem Rat präsentieren konnten, mussten sie vor geschlossenen Türen erst einmal eine ganze Weile geduldig warten. In der Radevormwalder Ratspolitik kann es kompliziert zugehen, und so war es auch am Dienstagabend bei der Wahl des neuen Beigeordneten.

Wenn es nach der SPD und einigen der kleineren Fraktionen gegangen wäre, dann hätte die Wahl an diesem Tag gar nicht stattgefunden. Dietmar Stark, Fraktionsvorsitzender der SPD, beantragte eine Verschiebung des Tagesordnungspunktes. „Wir haben eine neue Situation“, erklärte er und meinte die Tatsache, dass am Montag einer der drei Bewerber abgesprungen war, so dass noch zwei Kandidaten übrig waren. Die Sozialdemokraten sähen sich nicht in der Lage abzustimmen, weil sich damit „wesentliche Veränderungen“ ergeben hätten.

Zwei Mal mussten die Ratsmitglieder im Verlauf der Sitzung zur geheimen Wahl antreten. Foto: Stefan Gilsbach

Deutlicher wurde Rolf Ebbinghaus, Fraktionschef der Alternativen Liste (AL). Bei den beiden Kandidaten sehe man „keine ausreichende Qualifikation“. Armin Barg, Ratsmitglied der UWG, äußerte ebenfalls Zweifel: „Eine gewisse Bedenkzeit halte ich für angemessen.“ Allerdings betonte Barg, dass es in seiner Fraktion dazu unterschiedliche Meinungen gebe. Für eine Verschiebung der Wahl sprachen sich auch die Grünen aus. Elisabeth Pech-Büttner, die Fraktionschefin, befürchtete, dass „das Amt des Kämmerers beschädigt“ würde.

Camillo Garzen bei seiner Präsentation. Derzeit ist er als Beigeordneter in der Gemeinde Welver bei Soest tätig. Foto: Stefan Gilsbach

Dietmar Busch, Fraktionsvorsitzender der CDU, hielt dem entgegen: „Mit einer Vertagung kommen wir nicht weiter.“ Ihm sprang Annette Pizzato für die FDP bei. „Heute kommen sie mit so einem Statement“, adressierte sie Dietmar Stark. Bislang habe sich die SPD über niemanden der Kandidaten mokiert. Thomas Lorenz (RUA) sah es ebenso. „So lange bestimmte Kandidaten noch dabei waren, gab es keine Probleme“, erklärte er und kritisierte die „Schachzüge“, mit denen jetzt die Wahl eines ungeliebten Kandidaten verhindert werden könnte. Das sei „parteipolitisches Gehacke“, erklärte Lorenz und deutete damit an, dass der abgesprungene Kandidat offenbar der Favorit der Sozialdemokraten gewesen war. Rolf Ebbinghaus griff schließlich offen die Christdemokraten an und warf ihnen vor, beim Bewerber „nur auf das Parteibuch zu schauen“, was in den Reihen der CDU-Fraktion empörte Reaktionen auslöste.

Schließlich wurde in geheimer Wahl darüber abgestimmt, ob die Wahl zum Beigeordneten in der laufenden Sitzung stattfinden sollte oder nicht. 22 Stimmen votierten für die Wahl, 18 Ratsmitglieder waren dagegen. Damit konnten die beiden Bewerber sich erstmals öffentlich vorstellen – tatsächlich hatte sich eine ganze Reihe interessierter Zuhörer im Saal des Bürgerhauses eingefunden.

Beide Kandidaten erläuterten, wie aus ihrer Sicht die derzeitigen finanziellen Defizite der Stadt Radevormwald abgebaut werden können. Im Vergleich zu seinem spröde wirkenden Mitbewerber war Klickis Präsentation souveräner und auch optisch professioneller. Zudem zeigte er sich über die Rader Verhältnisse gut informiert und warb unverhohlen um die Sympathie der Ratsmitglieder mit dem Satz: „Radevormwald ist eine wundervolle Stadt“. Klicki ging auch auf die Tatsache ein, dass er mit einem CDU-Parteibuch und mit Rückenwind der größten Fraktion im Rat für das Amt angetreten war. „Ich werde im Fall einer Wahl das Amt parteipolitisch unabhängig ausüben“, versprach er.

Gleich bei der ersten Abstimmung, die ebenfalls geheim verlief, erreichte Christian Klicki die notwendige Mehrheit. 22 Ratsmitglieder stimmten für ihn, 16 Stimmen gab es für Camillo Garzen, dem Beobachter im Vorfeld keine große Chance eingeräumt hatten. Ihm bleibt nun im kommenden Jahr die Chance, in der Gemeinde Welver Bürgermeister zu werden – dort ist der gebürtige Rheinländer derzeit als Beigeordneter beschäftigt.

Nach der Wahl zeigte sich der junge Christdemokrat erfreut, dass die Mehrheit ihm trotz seiner jungen Jahre – er ist 27 Jahre alt – das Vertrauen ausgesprochen hatte. „Ich weiß, dass an den Fähigkeiten von Personen in diesem Alter gern gezweifelt wird“, sagt er. Dieses Vorurteil zu zerstreuen, dazu wird er nun Gelegenheit haben.