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Radevormwald: Bürgermeister spricht über die Bewältigung der Corona-Krise

Interview mit Bürgermeister Johannes Mans : „Unser aller Leben hat sich verändert“

Radevormwalds Bürgermeister spricht über die Bewältigung der Krise und welche Bedeutung Solidarität in diesen Wochen hat.

Herr Mans, die Corona-Krise hat mit 30 Infizierten nun auch Radevormwald erreicht. Wie erleben Sie die Stimmung in der Stadt?

Johannes Mans Zum Teil bedrückend, an einigen Stellen aber auch mit Hoffnung. Besonders froh stimmen mich die zahlreichen Hilfsangebote für Bedürftige, besonders auch im privaten Bereich. Es ist eine Kombination aus Bedrückung, Unsicherheit, Hoffnung und solidarischem Handeln.

Was sind derzeit die wichtigsten Maßnahmen, bei denen die Verwaltung aktiv werden muss?

Mans Die Federführung bei den gesundheitlichen Maßnahmen hat das Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises. Wir haben zahlreiche Aufgaben. Dazu gehört, dass wir Erlasse und Verfügungen umsetzen und bekanntgeben müssen. Eine große Aufgabe bestand und besteht darin, die Regeln der Kontaktsperre zu kontrollieren und die Regeln dem Einzelhandel mitzuteilen. Auch haben wir den Einzug der Kita-Beiträge gestoppt und uns um die Sicherstellung der Notgruppen in Kindergärten und Schulen gekümmert. Das Ordnungsamt organisiert im Zweischichtbetrieb den Einsatz der Ordnungskräfte. Da sind auch Mitarbeiter aus anderen Ämtern beteiligt.

Seit der Verhängung des Kontaktverbotes gelten strenge Bestimmungen, Ordnungswidrigkeiten werden mit hohen Bußgeldern geahndet. Musste auch in Radevormwald schon zu solchen Maßnahmen gegriffen werden?

Mans Ja, in der ersten Zeit haben wir versucht, die Bürger durch eine persönliche Ansprache zu sensibilisieren. Bei wiederholten Zuwiderhandlungen werden entsprechende Sanktionen verhängt. In Verbindung mit der Polizei gibt es bisher 13 Ordnungswidrigkeits- und zwei Strafanzeigen.

Wenden Sich Bürger mit Sorgen und Anliegen an die Stadt und welche sind das?

Mans Bürger kommen mit den unterschiedlichsten Themen zu uns und teilen uns auch ihre Sorgen mit. Wir haben schon früh einige Hotlines geschaltet und bieten auch besonders durch die Mitarbeiter des Sozialamtes die Koordination ehrenamtlicher Hilfe an.

Viele Menschen regen sich über Hamsterkäufe auf, besonders bei Hygieneartikeln wie Toilettenpapier. Kann die Verwaltung bei diesem Thema überhaupt Einfluss auch die Supermärkte nehmen oder ist die Frage der Rationierung allein Sache der Unternehmen?

Mans Das ist in erster Linie Sache der Unternehmen. Viele in Radevormwald tätige Einzelhändler haben die Regeln in ihren Schaufenstern oder Eingängen angezeigt und kontrollieren dies auch.

Viele Veranstaltungen und Feste mussten bereits abgesagt werden. Befürchten Sie, dass Radevormwald ein Jahr ohne Feiern und ohne gesellige Anlässe erleben muss?

Mans Das muss man erst einmal abwarten. Die Lage ist so dynamisch, dass das noch keiner weiß. Wir hoffen aber, dass es mit dem öffentlichen Leben in einiger Zeit weitergehen kann.

Sie stehen regelmäßig mit dem Landrat der Oberbergischen Kreises und den Stadtoberhäuptern der anderen Kommunen im Kontakt. Klappt die Zusammenarbeit auf Kreisebene gut, und tauschen Sie sich auch mit der Verwaltung in Remscheid aus?

Mans Es besteht ein sehr intensiver Austausch zwischen unserer Verwaltung und den einzelnen Ämtern des Kreises, auch zwischen den Mitarbeitern des Krisenstabes von Radevormwald und dem des Kreises um Landrat Jochen Hagt und Kreisdirektor Klaus Grootens. Bei Bedarf habe ich auch einen engen Kontakt zu Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz.

Radevormwald hat in den vergangenen Jahren viele Projekte auf den Weg gebracht, etwa das Integrierte Handlungskonzept, auch über einen Neubau der Schule Lindenbaum wird diskutiert. Ist zu befürchten, dass diese Vorhaben nun durch die Corona-Krise beeinträchtigt werden?

Mans Nein. Wir haben für einige Projekte die vorzeitige Mittelfreigabe beantragt und die ist uns auch zugesichert worden. Wir haben vor einigen Tagen sogar die Information bekommen, dass wir für die beiden Integrierten Handlungsprojekte Innenstadt und Wupper für 2020 mehr als zwei Millionen Euro erhalten werden, zum Beispiel für das Schwimmbecken im „life-ness“. Wir haben auch in schwierigen Zeiten die Hoffnung, dass wir alles umsetzen können, vielleicht mit ein wenig zeitlicher Verzögerung. Ich sehe keine unmittelbaren Gefahren für unsere Projekte.

Bund und Land wollen mit Finanzpaketen die Folgen für die Kommunen mildern. Glauben Sie, dass es gelingen wird, Städte und Gemeinden finanziell stabil zu halten?

Mans Ja, das ist unser Glaube, dass wir uns auf die Unterstützung von Bund und Land verlassen können. So ist eine Aufteilung der Kosten für die nichteingezogenen Kita- und OGS-Beiträge angekündigt.

Was würden Sie den Bürgern in diesen Tagen besonders mit auf den Weg geben?

Mans In einer unvorstellbaren Geschwindigkeit hat sich unser aller Leben verändert. Vor wenigen Wochen haben wir uns noch über Kleinigkeiten ereifert, auf hohem Niveau gejammert und uns in unserer Lebensplanung auf Inhalte bezogen, die möglicherweise heute unwichtig geworden sind. Wir müssen beim Schutz der besonders gefährdeten Menschen helfen und allen denen danken, die sich in diesen Tagen beruflich oder ehrenamtlich einsetzen, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Gegenseitige Unterstützung, Solidarität und Verlässlichkeit sollten von jedem Einzelnen wahrgenommen und nachvollziehbar erlebt werden. Wir sollten gemeinsam mit Mut und Engagement mithelfen, die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krise anzugehen.

Stefan Gilsbach stellte die Fragen.