Radevormwald: Bürgermeister Mans äußert sich zum Thema Wohnen

Wohnen in Radevormwald : Mans verfolgt „Politik der Nadelstiche“

Bei der Wohnpolitik sieht Bürgermeister Johannes Mans gute Ansätze beim Vorstoß der SPD. Sie will die Ghettobildung mit „armen“ und „reichen“ Vierteln verhindern. Herausforderung sind dabei die Immobilien von Problemvermietern.

Das Thema Wohnen könnte im kommenden Kommunalwahlkampf in Radevormwald wichtig werden. Die SPD hatte sich bereits mit einem Pressegespräch in der vergangenen Woche in Stellung gebracht. Wie der Fraktionsvorsitzende Dietmar Stark erklärte, wollen die Sozialdemokraten verhindern, dass in Radevormwald „arme“ und „reiche“ Viertel entstehen. Daher müsse man auch die Planung für das Neubaugebiet Karthausen überdenken und nicht Häuschen-Parzelle neben Häuschen-Parzelle setzen.

Im Gespräch mit der BM stimmt Bürgermeister Johannes Mans diesen Ausführungen im Prinzip zu. Im Blick hat die Verwaltung dabei auch die sogenannten „Problem-Immobilien“. Dazu zählen die Wohnblöcke, die von der Firma Altro Mondo verwaltet werden. Auch in den Wupperorten, im Bereich Auf der Brede, gibt es Gebäude und Grünanlagen mit großen Wohngebäuden, die nicht im guten Zustand sind.

Bürgermeister Johannes Mans will keine Abschottung sozialer Schichten in der Stadt. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Was Altro Mondo und ähnliche Unternehmen angeht, hat das NRW-Bauministerium unter der Leitung von Ina Scharrenbach (CDU) eine Arbeitsgruppe mit den Vertretern betroffener Kommunen ins Leben gerufen. Bürgermeister Mans verweist darauf, dass auch die Radevormwalder Verwaltung in Kontakt mit dieser Gruppe ist. Überlegt wird unter anderem, wie man die Problemvermietern, die oft juristisch wegen verschachtelter Firmenverhältnisse schwer fassbar sind, dazu bringen kann, ihren Verpflichtungen besser nachzugehen. So gibt es immer wieder Klagen in der Rader Südstadt um die Vermüllung von Flächen rund um die Gebäude, um die sich offensichtlich niemand kümmert.

„Bewährt hat sich eine Politik der Nadelstiche“, berichtet Johannes Mans. „Indem wir beispielsweise bestimmte Leistungen kürzen.“ Während die fraglichen Unternehmen bei Beschwerden eher desinteressiert agierten, seien sie bei finanziellen Einbußen eher bereit, mit der Verwaltung zu reden. Die Stadt, die einen Teil der Wohnungen angemietet hat, könne so einen Hebel finden, meint Mans.

Die SPD-Fraktion hat darauf hingewiesen, dass in absehbarer Zeit etwa 100 Sozialwohnungen in Radevormwald wegfallen werden – genauer gesagt, die Wohneinheiten verlieren ihre Bindung. Der Bürgermeister räumt ein, dass dies ein Problem werden könnte. Das Argument, die Wohnungen in Rade seien teilweise preiswert genug, ohne eine Sozialbindung zu benötigen, hält er nicht für stichhaltig. „Es kommt darauf an, in welcher Umgebung man leben möchte“, sagt er. Es könne nicht sein, dass sich beispielsweise ältere Menschen mit kleinen Renten gezwungen sähen, in einer heruntergekommenen Wohnumgebung zu leben.

Vor diesem Hintergrund kann der Bürgermeister in den Vorschlägen der SPD zu Karthausen durchaus konstruktive Ansätze sehen. „Sicher ist, dass wir mit diesem Baugebiet verantwortungsvoll umgehen wollen“, versichert er. „Wir brauchen Planer mit Fantasie, um eine gute Durchmischung zu erreichen.“ Wenn jemand ein kleineres Budget habe, müsse man das nicht gleich dem Haus ansehen. Mit einer effektiven Nutzung des Gebietes wolle die Verwaltung auch dem Vorwurf des „Flächenfraßes“ begegnen, den die Gegner der Bebauung vorgebracht hatten.

Das neue Baugebiet in Karthausen sei für die Stadt eine gewaltige Chance. „Ich werde von Kollegen aus anderen Kommunen oft darauf angesprochen“, sagt Mans. „Viele würden sich ein ähnliches Gebiet wünschen, das sie entwickeln können.“

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