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Radevormwald: Bürger bekämpfen neues Baugebiet

Die Anwohner fühlen sich von der Stadt getäuscht : Bürger stellen sich gegen neues Baugebiet

Anwohner der Ortschaft Karthausen wehren sich gegen die Pläne für ein großes Baugebiet in der Nachbarschaft. Bis zu 500 Grundstücke sollen dort entstehen. Die Bürger fühlen sich von der Verwaltung getäuscht.

Wo jetzt noch Felder und Weiden in der Sommersonne liegen, soll in einen Jahren eine große Siedlung stehen. Bei Karthausen, einem Gehöft nahe dem westlichen Ortsausgaben von Radevormwald, ist auf einer Fläche von 14,5 Hektar nicht weniger als ein neuer Stadtteil geplant.

Vorhaben in dieser Größe rufen meist Kritiker auf den Plan. Das ist in Rade nicht anders. Bereits bei der Vorstellung im jüngsten Fachausschuss zeigten sich Mitglieder der Fraktionen von Grünen, Alternativer Liste und UWG verstört von der Größe der geplanten Bebauung. Dagegen sind die Christdemokraten Befürworter der neuen Siedlung. Sie sehen darin unter anderem eine Perspektive für die Ansiedlung junger Familien, die in Rade sonst keine attraktiven Baugebiet finden können. Dass auch die Kreisverwaltung diesen Weg unterstützt, hatte Landrat Jochen Hagt (CDU) jüngst bei seinem Besuch in Radevormwald klar gemacht. Bei der offenen Fraktionssitzung der Christdemokraten im Wülfing-Museum betonte er, wie wichtig es für Radevormwald sei, neue Baugebiete zu entwickeln. Ansonsten würden jene, die sich für Grundstücke interessierten, anderswo ihr Glück versuchen.

Unter den Anwohnern Karthausens formiert sich  nun allerdings  Widerstand. Deren Sprecher ist Thomas Schaab, der bereits in der jüngsten Ratssitzung seine Kritik an den Plänen geäußert hatte. „Wir haben viel Geld in unser Grundstück investiert“, erzählt er. „Und als die Rede von einem neuen Baugebiet war, wollten wir natürlich wissen, was da auf uns zukommt.“

Bei der Verwaltung habe man ihn beruhigt. „Maximal 50 bis 60 Häuser sollten dort entstehen“, erinnert er sich. „Darauf haben wir uns verlassen.“ Laut dem neuen Stand der Dinge ist die Rede von 250 bis 500 Baugrundstücken. Schaab und andere Anlieger fühlen sich von der Verwaltung an der Nase herumgeführt. Er hat den Eindruck, dass die Verwaltung eine „Salami“-Taktik eingesetzt hat, um die Bürger zu ruhigzustellen. So habe ihm Elisabeth Böhmer vom Bauverwaltungsamt gesagt, es sei vieles über die Zukunft des Projektes noch unklar. Erst nach und nach hätten die ganzen Ausmaße der Pläne sich enthüllt. „Und jetzt soll daraus das größte Bauprojekt werden, das Radevormwald je gesehen hat“, sagt Schaab verärgert.

Er und andere Bürger, die das Vorhaben kritisch sehen, haben in der Politik Unterstützer in Nils Paas von der SPD-Fraktion und Werner Nowara von der UWG. Letzterer hatte bereits bei der Vorstellung der Pläne nachgefragt, ob man das Ausmaß des künftigen Straßenverkehrs berücksichtigt habe. Denn die L 81 ist dort, wo die Einfahrten zu dem neuen Baugebiet entstehen sollen, recht schmal.

Elisabeth Böhmer vom Bauverwaltungsamt hatte bei der Vorstellung der Entwürfe Ende Juni betont, dass  es sich erst um die „allerersten Ideen“ handle. Außerdem soll die Fläche nicht gleich komplett, sondern nach und nach bebaut werden.

Dies ist allerdings, was Thomas Schaab und seine Mitstreiter befürchten: Dass das Vorhaben so lange heruntergespielt wird, bis endgültig Tatsachen geschaffen wurden. Im September soll es eine Bürgerversammlung zu dem geplanten Baugebiet geben. Schaab und seine Mitstreiter werden sich zweifellos darauf vorbereiten.