Radevormwald: Bewährungsstrafe für Brandstiftung

Amtsgericht : Bewährungsstrafe für Brandstiftung

Mehrere Menschen hätten durch einen Wohnhausbrand an der Kaiserstraße im September sterben können. Der 24-jährige Brandstifter bereute seine Tat zutiefst. Anstifter war dessen Drogendealer.

Im September 2018 wurde ein Ladenlokal an der Kaiserstraße mutwillig in Brand gesetzt. Die Hauseigentümerin, die direkt über dem Laden wohnt, wurde vom Einschlagen der Panzerglastür wach und konnte das Feuer löschen. Sie zog sich dabei Verbrennungen zu. Ihrem beherzten Eingreifen ist es vermutlich zu verdanken, dass in dieser Nacht kein größerer Schaden entstanden ist und keine weiteren Personen verletzt wurden. Der Feuerleger wurde nun vor dem Schöffengericht am Wipperfürther Amtsgericht der Prozess gemacht. Seit Februar sitzt der 24-jährige gebürtige Wipperfürther, der zuletzt in Hückeswagen und Radevormwald gewohnt hatte, in Untersuchungshaft. Die Tat räumte er sofort ein.

Erst während der Verhandlung erfuhr die Hauseigentümerin den Grund für die Brandstiftung. „Mein Dealer hat mir zehn Gramm Kokain dafür versprochen, wenn ich den Laden anzünde“, gestand der Angeklagte mit gesenktem Kopf. Gegen 1.15 Uhr habe er mit einem Hammer ein Loch in die Eingangstür geschlagen. Durch dieses Loch kippte er eine mit Benzin gefüllte Wasserflasche aus und warf einen brennenden Grillanzünder hinterher. Den nassen Handschuh ließ er am Tatort zurück, wodurch die Polizei den Täter später ermitteln konnte. „Für zehn Gramm Kokain im Wert von 500 Euro ist die Tat unverhältnismäßig. Wenn dabei jemand gestorben wäre, säßen Sie jetzt vor dem Schwurgericht“, sagte der Richter.

Der 24-Jährige bereute seine Tat offensichtlich sehr und beteuerte mehrmals, dass er niemanden habe verletzten wollen und über die Konsequenzen nicht nachgedacht habe. Dennoch lehnte er zunächst ab, weitere Angaben zu seinem Auftraggeber zu machen. Zu groß sei die Angst vor Vergeltung, begründete sein Verteidiger.

Bei der Hauseigentümerin, die als Zeugin geladen war, entschuldigte sich der 24-Jährige persönlich. „Sie stecken ein ganzes Haus an für Drogen? Da habe ich kein Verständnis für“, sagte die 76-Jährige, die sich beim Löschen Verbrennungen an der Hand und im Gesicht durch eine Stichflamme zugezogen hatte. Am schlimmsten sei jedoch das Trauma, dass sie durch diesen Vorfall erlitten habe. „Ich kann seitdem nicht mehr durchschlafen und muss sehen, wie ich mit meinem Leben fertig werde“, sagte die Zeugin. Die bewegende Zeugenaussage veranlasste den Brandstifter dazu, doch noch Angaben zu machen, die zur Überführung des Anstifters beitragen könnten. Diese waren jedoch nur sehr vage.

Die Staatsanwältin verurteilte die Tat aufs Schärfste und forderte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Das Schöffengericht urteilte wesentlich milder. Aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit durch den damaligen Drogenkonsum, das Geständnis, die Reue und der geringen Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung – der Angeklagte ist seit sechs Monaten drogenfrei – verurteilte das Gericht den 24-Jährigen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Er durfte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen, wo ihn seine Verwandten und Freunde erleichtert in Empfang nahmen.

Eingerechnet in das Urteil ist eine Strafe für Geldwäscherei, für die der Angeklagte sein Konto zur Verfügung gestellt hatte. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Dem Verurteilten wird ein Bewährungshelfer zu Seite gestellt. Er muss zudem 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, die Suchtberatung in Hückeswagen aufsuchen und sechs unangekündigte Drogen-Screenings ablegen. Die dreimonatige Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet.

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