Radevormwalder ist der Geschädigte Betrug mit Wärmepumpen kommt vor Gericht

Radevormwald · Eine 32-Jährige und ihr 36-jähriger Ex-Partner sollen zehn Wärmepumpen im Wert von rund 39.000 Euro am eigentlichen Geschäftsinhaber vorbei verkauft haben. Der 57-jährige Radevormwalder hatte dies erst bemerkt, als ein Kunde eine Rechnung forderte.

 Bei dem Betrug mit Wärmepumpen sollen die Täter nahezu 40.000 Euro erbeutet haben. Die Beweisaufnahme ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Bei dem Betrug mit Wärmepumpen sollen die Täter nahezu 40.000 Euro erbeutet haben. Die Beweisaufnahme ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Foto: Ingo Blazejweski/Ingo Blazejewski

Eine nicht unerhebliche kriminelle Energie, Geldsorgen und die entsprechenden technischen Fähigkeiten – alles das sind die Zutaten für einen Fall, der nun vor dem Schöffengericht in Wipperfürth verhandelt wurde. In diesem Fall war ein Paar angeklagt, das sich allerdings zwischen Tat und Verhandlung getrennt hatte.

Eine 32-jährige Wermelskirchenerin und ihr vier Jahre älterer ehemaliger Lebensgefährte aus Odenthal mussten sich wegen zehnfachen Betrugs und Veruntreuung verantworten. Der Angeklagte, ein Informatiker von Beruf, sollte sich im Sommer 2021 alleinigen Zugang zum Online-Warensystem seines Bekannten aus Radevormwald verschafft haben, für den er unentgeltlich den Online-Shop programmiert hatte, nur um dann dort insgesamt zehn Wärmepumpen einzukaufen und weiterzuverkaufen, ohne dass der eigentliche Geschäftsinhaber davon etwas mitbekommen hatte. Dabei war ein Schaden in Höhe von rund 39.000 Euro entstanden.

Grundsätzlich wurde der Tatvorwurf vom Angeklagten eingeräumt. Aber wie so oft, steckte hier eine deutlich umfangreichere Geschichte dahinter. Der Angeklagte habe den Geschädigten im Rahmen eines Tauchkurses kennengelernt, man habe sich sympathisch gefunden und gemeinsam begonnen, den Online-Shop aufzuziehen.

Da der 36-Jährige zu diesem Zeitpunkt Sozialhilfe bezog, kümmerte er sich zunächst unentgeltlich um den Shop, und als dann eine Notlage entstand, in deren Rahmen er dringend Geld für eine Autoreparatur benötigte, sei die Idee aufgekommen, sich zum einen den alleinigen Zugang zum Online-Shop zu sichern und zum anderen die Wärmepumpen zu bestellen und weiterzuverkaufen. „Meine damalige Lebensgefährtin hat die Sachen bei Ebay eingestellt, ich habe eventuelle Rückfragen beantwortet“, sagte der Angeklagte und wies seiner Ex-Partnerin somit eine Mitschuld zu.

Davon wollte die 32-Jährige jedoch nichts wissen. „Ich habe nie einen Ebay-Account gehabt, ich war nur ab und zu mit meinem Partner beim Großhändler, aber davon, dass hier etwas Kriminelles gelaufen ist, habe ich nichts mitbekommen“, sagte sie. Ob ihr denn nie aufgefallen sei, dass da plötzlich Geld gewesen sei, wollte der Richter wissen. „Nein, da war kein Geld. Ich wusste nicht, was er hinter meinem Rücken gemacht hat“, sagte die Frau. Sie fing dann an zu erzählen, dass ihr Ex-Partner das Jugendamt wegen der gemeinsamen Tochter gerufen habe und dass es eine insgesamt unschöne Beziehung gewesen sei.

Der Geschädigte, ein 57-jähriger Ruheständler, der sein Geschäft seit 2007 betrieb – der Online-Shop war 2020 dazugekommen – berichtete dann im Zeugenstand, wie er von der ganzen Geschichte erfahren habe. „Ein Kunde hat mich angerufen und wollte eine Rechnung für vier Wärmepumpen, die er bestellt hatte. Davon wusste ich nichts, ich habe dann mit dem Angeklagten gesprochen, der sofort zugegeben hatte, ‚Mist gebaut zu haben‘“, sagte er. Ihm selbst sei in diesem Zeitraum ein größerer Schaden entstanden, da er die Hälfte seines Geschäfts verkaufen und zudem seine Schwester um finanzielle Unterstützung habe bitten müssen.

Bemerkenswert war, dass der Angeklagte sich bei dem 57-Jährigen entschuldigte. „Ich hoffe, dass ich das irgendwann wieder gutmachen kann“, sagte er. Die Entschuldigung nahm der Geschädigte an.

Nun sind die beiden Anklagten keine unbeschriebenen Blätter für die Behörden. Bei der 32-Jährigen standen 14 Eintragungen im Bundeszentralregister, beim 36-Jährigen waren es neun, beide hatten auch bereits einige Zeit hinter Gittern verbracht.

Außenstehende berichteten, dass die Beziehung der Beiden nicht eben friedlich verlaufen war. Ein Zeuge berichtete, wie seiner Wahrnehmung nach der Angeklagte von seiner damaligen Partnerin „massiv unter Druck gesetzt“ worden sei, so dass er sich große Sorgen um ihn und seinen psychischen Zustand gemacht habe. Nach der Trennung – um die Frage des Sorgerechts für die gemeinsame Tochter kümmerte sich das Familiengericht – seien beider Leben in ruhigeren Bahnen gekommen.

Ein Urteil gab es in dieser ersten Verhandlung nicht, wie das Schöffengericht nach kurzer Unterbrechung mitteilte. „Wir müssen hier weitere Ermittlungen anstellen – es geht darum, ob irgendwie nachgehalten werden kann, ob die Angeklagte tatsächlich den Ebay-Account genutzt hat oder eben nicht“, sagte der Richter. Auch die Frage nach der Reparatur des Autos müsse geklärt werden. Wann diese Ermittlungen indes abgeschlossen seien, könne noch nicht gesagt werden.

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