Radevormwalder wegen Betrugs vor Gericht „Bis zur Unkenntlichkeit vorbestraft“, sagt der Richter

Radevormwald · Der 41-Jährige hatte einen gebrauchten BMW nicht vollständig bezahlt. Drei Jahre später gab es am Amtsgericht die Quittung. Das Besondere an diesem Fall: Der Rader hat bereits 18 Einträge wegen früheren Delikten.

 Im Mittelpunkt des Betrugsfalls, der nun vor Gericht kam, steht ein 3er-BMW.

Im Mittelpunkt des Betrugsfalls, der nun vor Gericht kam, steht ein 3er-BMW.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Dieses Fazit war an Deutlichkeit kaum zu übertreffen. Der Richter am Wipperfürther Amtsgericht sagte in seiner Urteilsbegründung zu dem verurteilten 41-jährigen Mann aus Radevormwald: „Wir wären heute nicht noch einmal hier, wenn Sie nicht bis zur Unkenntlichkeit vorbestraft wären.“ Stolze 18 Eintragungen wies der Auszug aus dem Bundeszentralregister demnach auf, immer wieder ging es darin um Betrugsfälle, aber auch um Beleidigung, Unfallflucht und Fahren ohne Führerschein.

Konkret ging es in dieser Verhandlung erneut um einen Betrug. Im Mittelpunkt stand ein 3er BMW, der im Februar 2021 von einem 43-jährigen Zeugen, einem ehemaligen Bekannten des Angeklagten, an diesen verkauft werden sollte. „Der ausgehandelte Preis lag bei 5200 Euro, der Angeklagte hat 3000 Euro bezahlt, die restlichen 2200 Euro blieb er dem Verkäufer allerdings schuldig“, sagte die Staatsanwältin.

Zwischenzeitlich waren  fast drei Jahre vergangen – und der Grund, warum das Verfahren vor dem Amtsgericht landete, war die Tatsache, dass bis heute die 2200 Euro nicht abschließend bezahlt wurden. 700 Euro waren noch offen, auch wenn der Angeklagte bis zuletzt angab, dass diese schon bezahlt worden seien. Am Ende kam jedoch heraus, dass der Geldbetrag erst am Tag der eigentlichen Verhandlung angewiesen wurde und somit noch gar nicht beim Geschädigten hatte ankommen können.

Der Wagen, um den es ging, sei in tadellosem Zustand gewesen, wie der Zeuge betonte. „Wir haben uns nach einer Probefahrt auf den Kaufpreis geeinigt. Der Angeklagte wollte den Wagen mit Geld seiner Mutter bezahlen, da diese krank sei und er sie immer wieder zum Arzt fahren müsste. Dafür brauchte er ein zuverlässiges Auto“, sagte er.

Er habe das Auto auf dem Hof des Angeklagten abgestellt, Papiere und Schlüssel aber noch mitgenommen. „Am nächsten Tag wollten wir uns zur Übergabe von Geld und Papieren sowie Schlüssel treffen“, sagte der Zeuge. Dann sei es zur Aushändigung der 3000 Euro gekommen, da der Angeklagte aktuell nicht mehr bei sich habe. „Er wirkte vertrauenswürdig, und so habe ich mich darauf eingelassen“, sagte der 43-Jährige.

Dann sei er aber immer weiter vertröstet worden, bis er schließlich einige Monate später vom Angeklagten wieder kontaktiert worden sei, weil das Auto einen Schaden aufweisen würde, der dem Verkäufer zur Last gelegt werde. „Er hat mir dann gesagt, dass er die restlichen 2200 Euro nicht mehr zahlen würde, weil dadurch der Schaden behoben werde. Dann hat er mir mit dem Anwalt gedroht und wollte nicht mehr mit mir sprechen. Daraufhin habe ich meinerseits einen Anwalt eingeschaltet“, sagte der Zeuge.

Das wiederum wollte der Angeklagte nicht auf sich sitzen lassen. „Das stimmt nicht. Ich habe doch auch als Käufer eine Gewährleistungspflicht.“ Da grätschte indes der Richter dazwischen. „Nein, das ist falsch. Das steht so auch im Kaufvertrag.“ Der Zeuge sagte weiter: „Ich habe ihm sogar Ratenzahlung angeboten, da kam aber keine Reaktion. Erst über meinen Anwalt habe ich dann irgendwann immerhin 1500 Euro bekommen. Ich habe echt alle Türen offen gehalten.“

In dieser ganzen Gemengelage forderte die Staatsanwältin vor allem wegen des umfangreichen Vorstrafenregisters eine Bewährungsstrafe von drei Monaten. Der Richter bezog noch eine weitere Geldstrafe aus dem Vorjahr mit ein, so dass er auf fünf Monate Haft auf Bewährung kam, zu denen als Auflage die 700 Euro noch ausstehendes Geld kamen.

„Sie haben eine ‚gebundene Ausgabe des Bundeszentralregisters‘ im Gepäck, die läuft Ihnen natürlich nach“, sagte der Richter noch, gestand dem Angeklagten indes zu, dass es „bis auf die Straftaten ja bei Ihnen ganz gut läuft“.

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