Radevormwald: Betriebe engagieren sich, freie Ausbildungsplätze zu besetzen

IHK Köln : Firmen wollen Ausbildungsplätze besetzen

Studienabbrecher als neue Zielgruppe: Eine aktuelle Umfrage der IHK Köln zeigt, dass Unternehmen versuchen auf neuen Wegen Auszubildende zu bekommen.

Nach wie vor haben Unternehmen Schwierigkeiten, alle offenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Allerdings können auch neue Zielgruppen wie Studienabbrecher stärker für eine duale Ausbildung gewonnen werden. Das zeigt eine aktuelle Ausbildungsumfrage der IHK Köln. Deutschlandweit wie auch im IHK-Bezirk Köln gilt: „Trotz der demografischen Entwicklung und der Studienneigung vieler junger Menschen ist der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen gestoppt“, sagt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. 2018 konnten die Betriebe mehr Ausbildungsverträge schließen, obwohl die Schülerzahlen weiter rückläufig waren: Im IHK-Bezirk Köln entschieden sich 8615 junge Menschen für eine Ausbildung in mehr als 160 Ausbildungsberufen im Handel, in der Industrie und in der Dienstleistungsbranche – ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Auch 2019 bewegen wir uns auf einem ähnlich positiven Niveau“, sagt Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln. „Die Anstrengungen vieler Unternehmen und der IHK-Organisation tragen erste Früchte.“

Während viele Unternehmen noch vor einigen Jahren bei Azubis auswählen konnten, sind es heute oft die Azubis, die sich das passende Unternehmen aussuchen: Etwa ein Viertel der Unternehmen meldeten, dass im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden konnten. Als häufigsten Grund gaben die Unternehmen an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben. Den Bewerbern mangelte es den Unternehmen zufolge oftmals an Motivation und Leistungsbereitschaft. Aber auch bei schulischen Grundkenntnissen, wie Mathematik oder Rechtschreibung, stellten die Betriebe häufig Defizite fest. Nur etwa fünf Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Bewerber ohne jede Einschränkung geeignet waren. Positiv: Die Teamfähigkeit der jungen Bewerber wurde als sehr gut bewertet.

Damit die Ausbildung erfolgreich verläuft, nutzen die Unternehmen oftmals bereits von Beginn der Ausbildung an unterschiedlichste Unterstützungsmöglichkeiten. „Angebote für ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur und Nachhilfe wie betriebsinterner Unterricht gehören für die meisten Unternehmen zum Standard“, sagt Meier.

Um künftig mehr Bewerbungen zu bekommen, haben die Betriebe bereits eigene Strategien entwickelt: Der Ausbau von Praktikumsprogrammen sowie ein erweitertes Ausbildungsmarketing für die Generation Z sind für die meisten Unternehmen heutzutage bereits selbstverständlich. Gleichzeitig weiten die Betriebe die Akquise auf neue Bewerbergruppen aus, etwa Studienabbrecher – oder Hochschulabsolventen.

Um diese Unternehmen zu unterstützen, hat die IHK Köln das „Young-Professional“-Programm entwickelt: Dabei absolvieren junge Fachkräfte mit Bachelor-Abschluss eine zeitlich um die Hälfte reduzierte Ausbildung im Betrieb, bei gleichzeitig doppelter Ausbildungsvergütung für die Dauer des Vertrages. Ziel ist es, die Nachwuchskräfte schneller und betriebsspezifischer als Fachkräfte in die Unternehmen zu integrieren.

Mehr von RP ONLINE