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Radevormwald: Besuch aus Chateaubriant mit neuen Ideen

Städtepartnerschaft in Radevormwald : Partner aus Frankreich bringen neue Ideen

Zur nachgeholten Feier des 40. Geburtstag der Städtepartnerschaft reiste eine Delegation aus Châteaubriant an. Am Anfang stand ein Empfang im Rathaus.

Sie haben groß aufgetischt. In schmucken Körbchen liegen Wein und Gewürze, große Schokotaler und Frühstücksbrettchen mit dem Logo der Stadt bereit. Im Flur knallen die Korken, im Blauen Salon warten die Häppchen. Erni Huckenbeck herzt eine Besucherin aus Châteaubriant, die gerade den Raum betreten hat. Als sie sich nach zwei kurzen Wangenküssen zurückziehen will, lacht die Französin. „Trois“, sagt die Dame und setzt gut gelaunt zu einem dritten Wangenkuss an. Die Stimmung ist gut, hier treffen alte Freunde und neue Gesichter aufeinander.

„Es ist schon lange her, dass wir Vertreter aus unserer französischen Partnerstadt hier begrüßen durften“, erinnert dann Bürgermeister Johannes Mans. Corona habe es nicht erlaubt, die Partnerschaft so zu pflegen, wie man es sich gewünscht habe. „Aber heute treffen wir uns im Zeichen der Freundschaft und des Zusammenhalts“, sagt er. Es sei Zeit, alte Freundschaften aufleben zu lassen und neue Kontakte zu knüpfen. Fünf offizielle Delegierte der Stadt Châteaubriant sind an diesem Freitag angereist, dazu fünf französische Gäste des Erwachsenenaustauschs und zwei Fußballer. Bis auf die Offiziellen habe alle einen Schlafplatz in einer Gastfamilie gefunden.

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Der Bürgermeister der französischen Partnerstadt, Alain Hunault, gehört dieses Mal nicht zu Delegation. Durch Jacqueline Bombray lässt er aber Grüße ausrichten und erinnert an 40 Jahre Austausch. Der runde Geburtstag wird wegen der Corona-Pandemie ein Jahr später als eigentlich geplant gefeiert. Bereits 1981 unterzeichneten die beiden Städte die Charta, die die Partnerschaft begründete. Von französischer Seite sei die Beziehungspflege oft leichter gefallen, erinnert Jacqueline Bombray – vor allem wegen Monique Bigot, die als Deutschlehrerin vor ihrem Tod die Beziehungen prägte. „Wir wünschen uns nun eine gute Entwicklung für diese Partnerschaft“, lässt Hunault ausrichten. Es gebe gemeinsame Herausforderungen wie die Umweltproblematik und wirtschaftliche Fragen, die es zu bewältigen gebe. „Hoffentlich haben wir die Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen“, liest Jacqueline Bombray aus dem Grußwort des Bürgermeisters.

Erni Huckenbeck, Vorsitzende des Städtepartnerschaftskomitees, weiß um den Wunsch französischer Unternehmen, den Kontakt nah Radevormwald zu stärken – spätestens seit im vergangenen Jahr eine Delegation aus Rade eine Messe der französischen Partner besuchte. „Bei uns ist die Wirtschaft etwas zurückhaltender“, sagt Erni Huckenbeck. Sie hoffe, über die neue Wirtschaftsförderin Kontakte herstellen zu können.

„In 40 Jahren hat sich die Welt eben verändert“, sagt Erni Huckenbeck am Rande der Feststunde. Früher sei die Partnerschaft wichtig gewesen, um nach dem Zweiten Weltkrieg die Beziehung verfeindeter Völker neu zu begründen. „Es gab viele Vereine und Gruppen, die Feuerwehr und Chöre, die in diese Partnerschaft eingebunden waren“, erinnert die Komitee-Vorsitzende. Es habe Zeiten gegeben, in denen auch die Schüler sehr aktiv die Partnerschaft mitgestaltet hätten. „Vieles ist leider eingeschlafen“, räumt Erni Huckenbeck ein. Die Partnerschaft sei längst nicht mehr so lebendig wie früher. „Und trotzdem ist es wichtig, dass wir mit unseren europäischen Nachbarn im Gespräch bleiben“, sagt sie. Dazu sollen nun auch der Besuch der Delegation und das Festwochenende dienen. Die Fußballer haben sich bereits für das nächste Jahr zu einem großen Turnier in Frankreich verabredet: Rund 30 Sportler des SC 08 Radevormwald könnten sich dann auf den Weg nach Châteaubriant machen. „Und wir wünschen uns, dass auch wieder mehr Jugendliche mitziehen“, sagt Erni Huckenbeck mit Blick auf die Schulen.

Bis Sonntag wurde nun erstmal gemeinsam gefeiert – beim Weinfest und beim Familienfest rund um das Rokoko-Gartenhaus in der Parkanlage. „Wir hoffen dann auf besseres Wetter“, sagte Johannes Mans, als er am Freitag die schmucken Geschenkkörbe überreicht hat, „aber sonst müssen wir halt mit der Sonne in unseren Herzen auskommen.“