Radevormwald: Behindern sich Bürgerbus und Quartierbus gegenseitig?

Mobilität in Radevormwald : Bürgerbus-Verein bekräftigt seine Kritik

Die Mitglieder des Bürgerbus-Vereins betrachten die Touren und die Preise des Quartierbusses als Fehlplanung. Sie wünschen sich von der Stadt konkrete Angaben, wie es weitergehen soll.

Es war der 5. April diesen Jahres, da lud der Bürgerbus-Verein zur Präsentation seines neuen Fahrzeugs ein. Am gleichen Tag hatten die Initiatoren des neuen Quartierbusses „Wupperaner“ die Presse zu einer Probefahrt eingeladen. Ein zufälliger Termin oder Zeichen dafür, dass Konkurrenz zwischen den beiden Busangeboten in den Wupperorten herrscht?

Letzteres hält Thomas Lorenz, Ratsmitglied der RUA-Fraktion (Radevormwalder Unabhängige Alternative) durchaus für denkbar. Im jüngsten Verkehrsausschuss beschwerte er sich über kleinliche „Eifersüchteleien“ der Mitglieder des Bürgerbus-Vereins gegenüber dem „Wupperaner“. „Diese Diskussion ist meiner Meinung nach nicht im Sinne des Bürgers“, meinte Lorenz und kritisierte den „Egoismus“ mancher Akteure.

Zuvor hatte Jochen Knorz, Leiter des Ordnungsamtes, eingeräumt, dass es von Seiten des Bürgerbus-Vereins Kritik an den Fahrplänen und Fahrpreisen des Quartierbusses gebe. Beklagt wird, dass der „Wupperaner“ ähnliche Strecken wie der Bürgerbus fährt, aber für einen geringeren Fahrpreis.

„Überschneidungen lassen sich schwer vermeiden“, erklärte Jochen Knorz. Dennoch sei das Angebot des „Wupperaners“ deutlich unterschieden von dem des Bürgerbusses. „Der Quartierbus fährt, wie der Name schon sagt, nur innerhalb des Quartiers“, erläuterte er. „Er fährt kurze Strecken mit vielen Haltestellen und bietet eine zeitnahe Hin- und Rückfahrt.“ Die Bürgerin den Wupperorten, die anfangs mit dem Bus gefremdelt hatten, nähmen das Angebot inzwischen vermehrt an, und auch mehr ehrenamtliche Fahrer würden sich melden. Der Quartierbus werde erst einmal bis zum März 2020 weitergeführt, erläuterte der Amtsleiter. Doch bereits für den November sei ein neuer Fahrplan vorgesehen, der Verbesserungen bringen soll.

Den Vorwurf, beim Bürgerbus-Verein sei man einfach nur neidisch, weist der Vorsitzende Eberhard Wolff zurück. Man habe das Wohl der Fahrgäste im Blick. „Die Rechtslage ist noch immer nicht klar“, erklärt Wolff. Die Verwaltung habe bislang auf die Bezirksregierung verwiesen.

Zur genannten Sitzung hatte der Verein einen Antrag gestellt, der jedoch aus Fristgründen nicht mehr behandelt werden konnte. „Als der Quartierbus seine Fahrtätigkeit aufnahm, wurde verkündet, dass die Bedingungen wie Fahrpreise und Fahrzeiten nur für drei Monate gelten und dann überprüft würden“, heißt es in dem Schreiben. „Die Zeit ist verstrichen, nichts Neues ist bisher gesagt worden. Daher sollte die Stadtverwaltung jetzt konkrete Angaben liefern, also auch über Nutzung des Busses.“

Der Bürgerbus-Verein habe bei seiner Fahrplangestaltung darauf achten müssen, dass es keine Überschneidungen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gibt. Der Quartierbus sollte eigentlich den gleichen Bedingungen unterliegen, dennoch sei der Fahrplan von der OVAG und der Bezirksregierung genehmigt worden. „An mehreren Tagen fahren Quartierbus und Bürgerbus auf einigen Linien fast zeitgleich. Das ist nicht nur für die Umwelt schädlich, sondern eine Benachteiligung des Bürgerbusses. Denn wer wird für 1,80 Euro fahren, wenn er die gleiche Leistung beim Quartierbus kostenlos bekommt?“, so die Vereinsmitglieder.

Mehr von RP ONLINE