Gemeindeleben in Radevormwald Bevollmächtigte übernehmen Leitung der reformierten Gemeinde

Radevormwald · Ein Bevollmächtigtenausschuss (BvA) wird zeitnah die Verantwortung für die reformierte Gemeinde übernehmen. Nach überraschenden Rücktritten wurde dem erst kürzlich zusammengestellten Presbyterium eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Was das jetzt für die Gemeinde bedeutet.

 Ein Bevollmächtigtenausschuss (BvA) soll nun installiert werden, um die Kirchengemeinde weiterführen zu können.

Ein Bevollmächtigtenausschuss (BvA) soll nun installiert werden, um die Kirchengemeinde weiterführen zu können.

Foto: Jürgen Moll

Zuerst verließ Pfarrer Dieter Jeschke die Gemeinde Ende vergangenen Jahres, dann stellte sich im vergangenen Monat die langjährige Presbyteriumsvorsitzende Gisela Busch nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung, und jetzt das: Bevollmächtigte sollen nun zeitweise die Leitung der Gemeinde übernehmen. Das verkündete Superintendentin Antje Menn am Sonntag überraschend bei der Gemeindeversammlung in der reformierten Kirche am Markt. Dieser Schritt sei nötig geworden, weil das erst im März neu zusammengestellte Presbyterium aufgrund überraschender Rücktritte nicht mehr beschlussfähig und damit arbeitsunfähig wurde.

Bereits im Vorfeld hatte sich nur die Mindestanzahl von sechs Kandidaten gefunden, um das Presbyterium zu stellen. Darum wurde in der Gemeinde schon keine Wahl mehr absolviert. Die bereitwilligen Gemeindemitglieder sollten schlichtweg am 10. März bei einem Gottesdienst offiziell in ihr Amt eingeführt werden. Von den sechs traten zu diesem Zeitpunkt dann allerdings zwei schon wieder überraschend zurück – aus gesundheitlichen Gründen. Einen weiteren Rücktritt musste das Gremium wenige Tage später dann hinnehmen. Von den ursprünglichen sechs blieben schlussendlich nur noch drei Ehrenamtler übrig. Zu wenig, um das Presbyterium aufrechtzuerhalten, zumal auch niemand der übrigen drei einen Vorstandsposten (Vorsitz, Stellvertretung und Finanzkirchmeister) übernehmen wollte. Somit blieb dem Kreissynodalvorstand (KSV) nur übrig, dem Presbyterium eine Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen und die darauffolgenden Schritte einzuleiten.

Um die Kirchengemeinde weiterführen zu können, soll nun ein Bevollmächtigtenausschuss (BvA) installiert werden, ein Gremium, dem nicht zwangsläufig Gemeindemitglieder angehören, sondern Glaubensbrüder und Schwestern aus anderen Gemeinden des Kirchenkreises, die gewillt sind, Verantwortung für die Radevormwalder Gemeinde zu übernehmen. So sollen neben den drei übrigen Presbytern der Gemeinde – Jürgen Richter, Anne Kormannshaus-Wibbels und Claudia Holzmann sowie Jugendpresbyter Leon Partenheimer – auch die neu zugezogene Protestantin Alma Harms, KSV-Mitglied und langjährige Presbyterin der Lüttringhausener Gemeinde, Astrid Bechem-Windgassen, sowie Christian Schoppe von der Lutherischen Gemeinde, zuständiger Finanzkirchmeister, und Mark Droste, stellvertretender Verwaltungsleiter im Kirchenkreis Lennep, den BvA stellen. Letzterer, so laufen derzeit zumindest die Sondierungsgespräche, könnte auch den Vorsitz des Gremiums übernehmen.

Offiziell geht der BvA allerdings erst an die Arbeit, wenn der Kreissynodalvorstand und letztlich auch die Landeskirche den Mitgliedern zustimmen. Davon ist allerdings auszugehen. Eine besser Alternative gibt es aktuell nämlich nicht.

Der Einsatz eines BvA, betonte Menn bei ihrer Ansprache, sie nichts Peinliches und ein gutes Konstrukt, um eine Gemeinde weiter voranzubringen. Vor allem aktuell, wo die reformierte Gemeinde, neben der Lutherischen Gemeinde und den Glaubensbrüdern und -schwestern aus Remlingrade/Dahlerau eine pfarramtliche Verbindung eingegangen sind und bis 2026 zu einer evangelischen Gemeinde fusionieren werden. Die Herausforderungen seien groß, erkannte Menn, die den Radevormwalder Gemeinden ihre Unterstützung auf diesem Weg zusagte.

Christian Schoppe fand bei seiner kurzen Vorstellung die deutlichsten Worte. Seit Ewigkeiten sei er schon in Kirchen aktiv und besonders im Finanzausschuss und als Finanzkirchmeister mit einem geschulten Auge dabei. „Durch die vielen Hüte, die ich in meinen unterschiedlichen Funktionen aufhabe, bin ich es gewohnt, durch den jeweiligen Hut zu denken und zu handeln.“ Sein Job, urteilte er selbst, sei eigentlich leicht. „Ich muss mich nur ums Geld kümmern.“ Allerdings, das verbarg er nicht, „bin ich als harter Kirchmeister bekannt.“ Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die bald fusionierte Gemeinde in ein finanziell sicheres Gerüst zu packen. „Das wird nicht ohne Opfer gehen.“ Der BvA müsse sich mit den Presbyteriumsmitgliedern der beiden anderen evangelischen Gemeinden in der Stadt Gedanken darüber machen, wie eine fusionierte Gemeinde aufgestellt wird, welche Gebäude erhalten werden, wie die Gottesdienste ablaufen werden, welche Aufgaben die Gemeinde erfüllen wird.

Bereits seit November 2022, erklärte Pfarrer Philipp Müller, befänden sich die drei noch eigenständigen Gemeinden in Verhandlungen. Seit Langem sei bekannt, dass der Pfarrstellenplan der Landeskirche für Radevormwald nach 2030 nur noch zwei Pfarrstellen vorsieht. Mit dem Weggang von Pfarrer Dieter Jeschke sei dieser Vorgang überraschend beschleunigt worden. Zu früh für die auf dem Weg befindlichen Gemeinden, sodass der Kirchenkreis den Gemeinden, neben Pfarrerin Manuela Melzer und Pfarrer Philipp Müller, eine dritte Pfarrstelle genehmigt hat. Doch schon jetzt sollen die künftig drei Pfarrer in allen Gemeinden tätig sein. Einziger Wermutstropfen sei derzeit allerdings, dass die bereits zweimal ausgeschriebene Stelle nach wie vor vakant sei. Eine dritte Ausschreibung soll zeitnah erfolgen, in der Hoffnung, dass die Pfarrstelle frühzeitig noch besetzt werden kann.

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