Radevormwald: Auf den Spuren der Biber an der Wupper

Exkursion bei Radevormwald : Auf den Spuren der Wupper-Biber

Nach 130 Jahren sind die großen Nager zurück in der Wupper. Elmar Weber weiß, wo sie sich aufhalten. Er leitete nun eine Exkursion zum Fluss.

Es ist 130 Jahre her, dass Biber in der Wupper gelebt haben, doch seit einem Jahr sind sie dabei sich ihr vergangenes Gebiet zurückzuerobern. Von Wilhelmstal in Radevormwald bis zum Beyenburger Stausee in Wuppertal sind mehrere Biber gesichtet worden, die sich in den ruhigen Bereichen der Wupper ihr Revier gesucht haben. Die größten Nagetiere des Kontinents leben wieder im Bergischen.  

Naturliebhaber und Wupper-Pate Elmar Weber ist derjenige, der sich in Radevormwald und Wuppertal am meisten mit den Wupper-Bibern auseinandersetzt. Eigentlich ist er Rechtsanwalt, aber seine Begeisterung für Natur und Biber zieht ihn immer wieder vom Schreibtisch in die Natur. „Als ich Angeln war, habe ich einen Biber ganz nah gesehen. Sobald er mich bemerkte, ist er sofort untergetaucht und hat mit seinem gewaltigen Schwanz auf die Wasseroberfläche geschlagen. Da stand ich stramm. Biber sind riesige Tiere“, sagt Elmar Weber. Dieses Erlebnis mit einem 30 Kilo-Koloss erzählte er im Anschluss vielen Naturschützern und Experten. Damals stieß er noch auf ungläubiges Kopfschütteln. „In der Wupper gibt es keine Biber, wurde mir gesagt. Jetzt haben wir dafür allerdings unzählige Beweise. Ein Dokumentarfilmer hat die Tiere bereits mit einer Nachtsichtkamera aufgezeichnet.“

Ein Jahr später ist Elmar Weber nicht mehr der einzige, der Biber in der Wupper gesichtet hat. Zwar werden Biber immer wieder mit Bisams oder Nutrias verwechselt, aber sie sind tatsächlich zurück im Bergischen Land. „Einen schwimmenden Biber erkennt man daran, dass nur sein Kopf aus dem Wasser guckt. Bei anderen Nagern sieht man auch Teile des Rückens. An Land ist der Biber ganz klar an dem wuchtigen Schwanz zu erkennen“, sagt Elmar Weber.  

Seine Führung, die er in Kooperation mit der Biologischen Station Oberberg und der VHS Oberberg am Freitagnachmittag veranstaltete, war schnell ausgebucht. „Das Interesse an den Bibern ist groß“, sagt Christoph Weitkemper von der Biologischen Station. Er begleitete den Rundgang durch die Natur, auf dem Elmar Weber die Spuren aufzeigte, die von den Bibern hinterlassen werden. Gebannt hörten ihm die Naturliebhaber zu.

„Wer aufmerksam am Ufer der Wupper entlang geht, erkennt abgenagte Bäume und Äste. Überall erkennt man die Fraßspuren der Biber“, sagt er. Einige Meter vom Wanderparkplatz in Beyenburg entfernt, erkennt man die ersten Weiden, die von Bibern abgenagt wurden. Aber auch große Bäume, wie Buchen scheuen die Nager nicht. Mit ihren gewaltigen Zähnen, die nachwachsen, fällen sie ganze Bäume. Die Teilnehmer der Biber-Wanderung sicherten sich kleine Hölzer, die von den Bibern abgenagt und liegen gelassen wurden, als Andenken.

Die Biber, die vermutlich aus Gewässern in Leverkusen vertrieben wurden, werden die neuen Maskottchen des Wupperverlaufs. „Biber bleiben zwei Jahre in ihrem Familienverbund leben. Wenn sie geschlechtsreif werden, müssen sie das Revier ihrer Eltern verlassen, werden von ihnen vertrieben und wandern. In der Wupper scheinen einige von ihnen ihr eigenes Revier gefunden zu haben. Sie haben ganz Wuppertal durchschwommen, um hier anzukommen“, sagt Elmar Weber. Die Wupper sei tief genug für die Biber. „Dämme werden sie deswegen nicht bauen, auch Burgen wird man hier wahrscheinlich nicht entdecken“, sagt Elmar Weber. Er vermutet, dass die Wupper-Biber sich ihren Bau unter den Felswänden einrichten, die an einigen Stellen bis ans Ufer der Wupper reichen. „Die Felswände sind genau richtig für die Biber. Dort haben sie ihre Ruhe und können sich verstecken.“

Weil sich Biber-Männchen äußerlich nicht von Weibchen unterscheiden, ist sich Elmar Weber nicht sicher, ob es schon bald Biber-Nachwuchs in der Wupper geben wird. „Wir hoffen natürlich, dass die Biber hier auch Lebenspartner finden“, sagt er. Biber gehören zu den monogamen Tieren, die lebenslange Beziehungen eingehen. Nur, wenn ihr Partner stirbt, gehen sie eine neue, einer Ehe ähnliche Beziehung ein.

Biber finden an der Wupper gute Lebensbedingungen. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Wer in der Dämmerung am Wupper-Ufer spazieren geht, kann also jetzt wieder mit etwas Glück einen Biber bei der Arbeit beobachten.