Radevormwald: Als vor 50 Jahren eine Explosion die Stadt aufschreckte

Unglück in Radevormwald : Vor 50 Jahren: Explosion in der Adventszeit

Lutz Aldermann erinnert sich daran, wie er am 10. Dezember 1969 als Schüler in der alten Realschule an der Hermannstraße saß und plötzlich einen lauten Knall einer Explosion hörte.

Dieser Knall, so erfuhr er später, entstand während der Abrissarbeiten auf dem Gelände der Firma Rocholl in der Innenstadt. Eine große Druckgasflasche explodierte. Während die Kinder in der Schule saßen, recherchierte der Lokalredakteur Hans Aldermann die genauen Unfallumstände und ließ die Rader Bevölkerung einen Tag später an den Hintergrundinformationen teilhaben.

„Stahlflasche schoss nach Explosion wie eine Granate davon“ lautete die Überschrift in der Bergischen Morgenpost. Eine Stunde nach dem ohrenbetäubenden Knall und großer Sorge des Leiter des Ordnungsamtes Horst Jütte wusste man, dass eine Sauerstoff-Flasche explodiert war. Durch den immensen Luftdruck waren im Umkreis der Unfallstelle fast alle Fensterscheiben zersprungen. Die Stahlflasche wurde 240 Meter weiter, auf der Krankenhausstraße, gefunden.

Das größte Wunder dieser Explosion war, dass niemand verletzt wurde, denn zum Zeitpunkt der Explosion, circa 8.30 Uhr, befanden sich acht Mitarbeiter der Stadt, des Bauhofes und der Feuerwehr auf dem Gelände.

Die Abbrucharbeiten der Firma Rocholl liefen bereits einige Tage und das Verbrennen von Holz, das durch das Ordnungsamt gestoppt werden musste, hatte zu weiteren Problemen geführt. In den Trümmern der Firma war „ein Schwelbrand zu lodernden Flammen entfacht“, ist in der alten Zeitungsausgabe zu lesen. Die Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr waren schon bereit das Feuer zu löschen, als sechs Meter vor ihnen die Explosion ausgelöst wurde. Die Stahlflasche hatte sich durch das entstandene Feuer stark erhitzt. Der dadurch entstandene Überdruck brachte die Flasche zur Explosion. Die meisten der Männer, die sich auf dem Abrissgrundstück befanden, haben in einen Kellerloch Schutz gefunden, einer der Brandmeister war mit voller Wucht gegen eine Hauswand geschleudert worden. Dass keiner dieser Männer umgekommen ist, wurde in Radevormwald als wahres Wunder wahrgenommen.

Der Leiter der Stadtwerke, Karl Inacker, berichtete später, er hätte die Stahlflasche durch sein Bürofenster Richtung Krankenhausstraße fliegen sehen. Dort blieb sie zehn Meter neben dem Gasometer liegen. Am späten Nachmittag des Unfalls wurde zudem bekannt, dass auch Schaufensterscheiben an der Kaiserstraße zersprungen waren.

Zuständig für das Abbruchgelände war damals eine Treufinanz-Gesellschaft, die mehrfach mit der Stadt aneinandergeraten ist.

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