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Radevormwald: AL-Fraktion will sich von Felix Staratschek trennen

Politik in Radevormwald : Wegen Verschwörungstheorien: Felix Staratschek soll die AL-Fraktion verlassen

In der kommenden Ratssitzung, kündigen Petra und Rolf Ebbinghaus an, werde man den bisherigen sachkundigen Bürger abberufen. Grund ist dessen Nähe zur „Querdenker“-Bewegung.

Die Fraktion der Alternativen Liste (AL) im Radevormwalder Rat kündigt an, ihren sachkundigen Bürger Felix Staratschek in der kommenden Ratssitzung abzuberufen. Der Grund seien die wiederholten Äußerungen Staratscheks zur Corona-Pandemie.

Auf seinem persönlichen Blog viertuerme.blogspot.com dokumentiert Staratschek seit Monaten Nähe zur „Querdenker“-Bewegung, an deren Kundgebungen er laut eigener Aussage mehrfach teilgenommen hat.

Die Maskenpflicht im öffentlichen Raum bezeichnet Staratschek als „menschenverachtend“. Als Mittel zum Schutz der Bevölkerung vor dem Corona-Virus empfiehlt er „Vitalstoffe“ wie Vitamin D. Das AL-Mitglied ruft zudem zudem zur Unterstützung von Petitionen gegen das neue Infektionsschutzgesetz und die von dem ehemaligen SPD-Mitglied und Mediziner Wolfgang Wodarg mitinitierte Petition zum Aussetzen von Impfstudien auf.

Für die bisherigen politischen Weggefährten geht dies zu weit. „Die Fraktion ist der Auffassung, dass die Pandemie keinen Anlass für Verschwörungstheorien oder haltlosen Behauptungen bietet, wie zum Beispiel die Aussage, Vitaminkuren könnten die Pandemie eindämmen“, erklärte die beiden Ratsmitglieder Petra und Rolf Ebbinghaus in einer Pressemitteilung. „Dies ist eine völlig haltlose Verharmlosung der augenblicklichen Situation. Die seriösen medizinischen Fakten zeigen ein anderes Bild: volle Intensivstationen, schwer erkrankte Menschen und viele Infizierte in allen Altersgruppen. Auch wenn wir nicht der Auffassung sind, dass alles staatliche Handeln schlüssig durchdacht ist, viele Beschlüsse mit einem viel zu niedrigen Planungshorizont gefasst wurden und noch werden, können wir jetzt nur mit Disziplin und gegenseitiger Rücksichtnahme durch die Krise kommen.“

Die AL-Fraktion sieht ihr bisheriges Mitglied auf einem Irrweg: „Leider hat sich im Internet eine große Fehlinformationsblase entwickelt, die sich aus ganz unterschiedlichen Quellen speist, aber häufig nur den Eigennutz im Blick hat. Das beginnt mit der AfD und endet nicht mit der so genannten Querdenkerbewegung, die von ihren Gründern zur Gelddruckmaschine genutzt wird. Wir bedauern sehr, dass sich Felix Staratschek in dieser Blase aus Falschinformationen und Halbwahrheiten total verfangen hat. Wir müssen uns deshalb ausdrücklich von seinen Meinungsäußerungen distanzieren“, schreibt das Ehepaar Ebbinghaus. Man könne nicht länger tolerieren, „dass diese Meinungen immer wieder aufs Neue mit der Politik der unabhängigen Wählergemeinschaft der Alternativen Liste in Verbindung gebracht“ würden.

Staratschek reagiert mit dem Vorwurf, die AL-Fraktion habe sich ihrerseits in Falschinformationen der nicht objektiv berichtenden Medien verfangen und beuge sich „einem verlogenen Druck“. Er sehe den Vorgang jedoch, „nicht mit Groll, sondern als Realist“. Die „mit Corona erzeugte Panik“ gebe Menschen, die sich von dieser Panik anstecken ließen, „kaum eine Chance anders zu handeln“. Staratschek betont erneut, dass vor allem in den Altenheimen „die Menschen durch zu wenig Sonnenlicht, altersbedingte Reduktion der Eigensynthese und Neben- und Wechselwirkungen mit den zahlreichen Medikamenten ein enormes Defizit an Vitalstoffen“ aufwiesen, so dass Infektionswellen „da voll einbrechen können“.

Felix Staratschek ist bislang sachkundiger Bürger der Alternativen Liste im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Verkehr. In den vergangenen Jahren hatte er sich in dem Gremium vor allem mit dem Thema des Öffentlichen Personennahverkehrs beschäftigt.