Lutherische Kirchengemeinde Radevormwald Paul-Gerhardt-Chor blickt auf 65 Jahre zurück

Radevormwald · Der Paul-Gerhardt-Chor feiert in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag. Ein kleines Jubiläum für einen der noch wenigen verbliebenen Kirchenchöre der Stadt, der aktuell noch hoffnungsvoll in eine ungewisse Zukunft blickt.

 Am Sonntag gab es in der Lutherischen Kirche einen Gottesdienst zum Jubiläum des Paul-Gerhardt-Chores. Der Chor musizierte unter anderem eine Messe von Bruckner. Es predigte Pfarrerin Manuela Melzer.

Am Sonntag gab es in der Lutherischen Kirche einen Gottesdienst zum Jubiläum des Paul-Gerhardt-Chores. Der Chor musizierte unter anderem eine Messe von Bruckner. Es predigte Pfarrerin Manuela Melzer.

Foto: Jürgen Moll

Sie sind die Jukebox der Gottesdienste, bringen Musik in die Kirche. Ohne sie wäre es sonntags an der Burgstraße mit Abstand nicht so klangvoll. Die Rede ist vom Paul-Gerhardt-Chor, der Kirchenchor der lutherischen Gemeinde. Seit 65 Jahren schon sorgen die Mitglieder für den Wohlklang in den alten Gemäuern des Gotteshauses. Ein großer Mehrwert für die Gemeinde, was vergangenen Sonntag mit einem kleinen Jubiläumsgottesdienst zelebriert wurde.

Gegründet wurde der Chor am 26. Juni 1959 in Herbeck, eine knappe Woche, nachdem der damalige Bundespräsident Theodor Heuss das Schloss Bellevue in West-Berlin als zweiten Amtssitz einweihte und nur zwei Tage, bevor Eintracht Frankfurt zum ersten und bislang einzigen Mal Deutscher Fußballmeister wurde. Ein bewegtes Jahr, indem auch der General Charles de Gaulle französischer Staatspräsident wurde und die DDR ihren zehnten Geburtstag feierte.

Eine Zeit, in der in Herbeck viele junge Familien lebten, erzählt Christel Nölle. „Damals war Pastor Müller, der Vorgänger des jetzigen, in der Gemeinde tätig und ganz eifrig“, erzählt die Sprecherin des Chores. Mit dem Erfolg des Paul-Gerhardt-Chores wurde der eigentliche Kirchenchor der lutherischen Gemeinde immer kleiner, sodass 1981 der kleinere Chor im Paul-Gerhardt-Chor aufging.

Diese Zeiten kennt Nölle ehrlicherweise nur aus Erzählungen. Denn sie selbst trat dem Chor erst 2001 bei. Über einen Projektchor, ins Leben gerufen vom ehemaligen Kantor Martin Scheibner, stieß sie damals dazu. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich regelmäßiger dabei sein wollte“, sagt sie. Doch nicht nur der Chor ist mit der Zeit älter geworden, auch die Mitglieder selbst, heute 17 an der Zahl, sind es mit ihm. „Die Jüngsten sind bei uns 60 Jahre alt, die ältesten 90“, sagt Nölle.

Sie würde sich freuen, wenn wieder mehr Jüngere Gefallen an Chor und Kirchenmusik fänden. Ihr selbst nämlich habe das Hobby immer große Freude bereitet. „Das Mitwirken in einem Chor bestärkt einen. Man wird selbstbewusster“, hat Nölle festgestellt. Außerdem bereite es ihr immer wieder größte Freude, wenn sie anderen Kirchengängern mit ihrer Musik, sei es in Sonntagsgottesdiensten oder zu besonderen Anlässen wie Konfirmation, zu Ostern oder Weihnachten, mit einem besonderen Repertoire, erfreue. „Das wird zu einem völlig anderen Gottesdienst, wenn die Gemeinde einen eigenen Chor hat“, findet Nölle.

Gerne erinnert sie sich auch an Gemeinschaftsprojekte, etwa die Mitwirkung bei der Chornacht in Wermelskirchen, besondere Auftritte zu Themengottesdiensten im Paul-Gerhardt-Haus oder aber auch mit dem Gemeindechor aus Hückeswagen, mit dem der Paul-Gerhardt-Chor 2003 und 2006 das Weihnachtsoratorium einstudierte und aufführte.

Ein besonderes Ereignis sei auch die gemeinsame Fahrt in den Westerwald gewesen, wo sie den ehemaligen Radevormwalder Pfarrer Joachim Triebel-Kulpe besuchten. Regelmäßig besuche der Chor bis heute Altenheime und Krankenhäuser. „Früher häufiger als jetzt“, gesteht sie. Aber immerhin zählt der Chor acht bis zehn Auftritte pro Jahr, außerhalb der Kirchenmauern. Darunter auch vor wenigen Wochen das gemeinsame Konzert in der Erlöserkirche Wichlinghausen. Den Kontakt stellte Chorleiterin Angelika Kozinowski-Werle her, die sowohl den Radevormwalder PG-Chor leitet, als auch den Chor im benachbarten Wuppertal. Mit ihr bestreiten die Radevormwalder Sängerinnen und Sänger seit 2022 einen gemeinsamen Weg.

Wie die Zukunft des mittlerweile 65 Jahre alten Chores aussehen wird, das weiß Nölle nicht. Denn die Kirchengemeinde steht bekanntlich vor einer großen Fusion mit den beiden Schwestergemeinden aus Remlingrade-Dahleraus sowie der reformierten Gemeinde. „Wir selbst sind nicht müde und wollen gerne weiter machen“, betont Nölle. Doch tatsächlich müsse der Chor abwarten und schauen, was die Zeit bringt.

Denkbar wäre, dass der Chor durch die Fusion künftig sogar mehr Mitglieder dazu gewinnt. Oder ob der Traditionschor der Lutheraner möglicherweise in eine andere bestehende Formation aufgeht. Wünschenswert wäre nur, dass Musik und Gesang in den Kirchen nie verstummt.