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Radevormwald: 400 Jahre Kirchengeschichte in Dahlerau und Remlingrade

Dahlerau und Remlingrade : Kirchengeschichte – fromm und streitlustig

Hanns Neumaier schilderte in einem Vortrag die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden Dahlerau und Remlingrade. Dabei ging es nicht immer sanftmütig zu.

(wow) Einen Überblick über „400 Jahre Kirchen an der Wupper“ konnten sich gut 20 Interessierte am Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus Dahlerau durch einem interessanten Vortrag verschaffen. Es ging dabei um die evangelischen Kirchengemeinden in Dahlerau und Remlingrade. Die Kirchengemeinde Dahlerau wurde vor 125 Jahren gegründet, jene in Remlingrade vor 275 Jahren.

Referent Hanns Neumaier, ehemaliger Presbyter in Remlingrade, ging in seinem Vortrag auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Kirchengemeinden ein, die ja ab dem kommenden Jahr gemeinsam arbeiten würden, was auch den sinkenden Gemeindegliederzahlen geschuldet sei. Dabei sagte Neumaier gleich zu Beginn: „Viele Gemeinsamkeiten gibt es nicht, denn die Geschichten sind sehr unterschiedlich.“ So sei die Geschichte Remlingrades viel älter und gezeichnet vom Leben auf dem Land, das mitunter sehr schwierig und oft von Streit geprägt gewesen sei.

Dagegen sei die kürzere Geschichte Dahleraus geprägt von der Industrialisierung und der Zuwanderung vieler Menschen, die in den Tuchfabriken an der Wupper arbeiteten. „Exemplarisch für die Gemeinden an der Wupper war der starke Anstieg der Bevölkerung zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert. So waren im frühen 18. Jahrhundert in Dahlerau noch nur 24 Einwohner, während etwa 100 Jahre später dort schon über 1000 Menschen lebten“, sagte Neumaier.

Er berichtete etwa über die Entwicklung der Arbeitsbedingungen durch Streiks und Arbeitervereine, die auch von den Gemeindegliedern begleitet wurden. Die Dahlerauer Kirche sei dann von den Tuchbaronen gestiftet worden. „Ob das aus schlechtem Gewissen heraus geschah oder andere Gründe hatte, ist eine offene Frage, auf die wohl jeder seine eigene Antwort finden mag“, sagte Neumaier.

Die Kirche in Remlingrade wurde vor 275 Jahren am Ort einer Kapelle aus dem 12. Jahrhundert erbaut. Auffällig sei in der Remlingrader Geschichte die Streitlust gewesen, die sowohl vor als auch nach der Reformation offen zu Tage getreten sei. So habe es nicht nur Streitigkeiten darum gegeben, ob man nun katholisch oder evangelisch sein wolle, sondern auch die Frage, welcher evangelischen Strömung man nun folgen wolle, wurde immer wieder diskutiert. Humorvoll schilderte Neumaier diese Konflikte, die aus heutiger Sicht eher kurios wirken.

Interessant war dabei, dass die Gemeinden in Dahlerau und Remlingrade im 19. Jahrhundert bereits bis hin zur Erbauung und Einweihung der Kirche in Dahlerau vereint waren – und die Remlingrader nach der Verselbständigung der Dahlerauer Gemeinde den verlorenen Gemeindegliedern nachtrauerten.