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Radevormald: Streit um Einkaufswagen landet vor Gericht

Vorfall in Radevormwald : Streit um Einkaufswagen landet vor Gericht

Gehört eine gesteigerte Aggression zu den fatalen „Nebenwirkungen“ der Pandemie? – ein Fall landete jetzt vor dem Wipperfürther Amtsgericht. Dort musste sich ein 55-Jähriger verantworten.

Anfang April, die erste Corona-Welle sorgt für restriktive Vorschriften auch im Einzelhandel. In einem Radevormwalder Drogerie-Markt sehen sie so aus: Gleichzeitig dürfen nur 20 Kunden im Laden sein, jeder von ihnen muss einen Einkaufswagen vor sich her schieben, weil über die Zahl der Wagen auch die der Einkaufenden gut kontrolliert werden kann.

Ein Kunde hält sich nicht an die Regeln, er besteht darauf, gemeinsam mit seiner Freundin nur einen Wagen zu nutzen. Eine Auseinandersetzung darüber mit der Filialleiterin eskaliert: Der Mann rastet aus und beschimpft die Frau wüst. Der letztlich alberne Konflikt um den Wagen hatte nun ein Nachspiel vor dem Amtsgericht in Wipperfürth. Der 55-Jährige musste sich dort wegen Beleidigung verantworten. Deswegen hatte der Radevormwalder im Vorfeld einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft erhalten, dagegen aber Einspruch eingelegt. Folge war nun die Hauptverhandlung vor dem Einzelrichter.

Auch dort trat der 55-Jährige eher aggressiv und rechthaberisch auf. Dass ihm die Unverschämtheiten bei seinem Auftritt im Laden nachträglich leid taten, wurde jedenfalls nicht erkennbar. Er versuchte, die Sache so darzustellen, dass die Filialleiterin ausfallend geworden sei – weil er Ausländer ist, zwar schon als Kind mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen war, hier aber immer noch als Ausländer abwertend behandelt werde. „Wenn mir einer so kommt, drehe ich durch“, sagte er.

Im Grunde sei aber gar nichts passiert. Als die Filialleiterin ihm im Laden gedroht habe, die Polizei zu rufen, habe er lediglich gesagt: „Von mir aus können Sie auch die Kanzlerin anrufen!“ Ganz so harmlos war der Streit dann aber doch nicht abgelaufen, wie die Filialleiterin und eine weitere als Zeugin geladene Frau schilderten. Demnach hatte die Verkäuferin den Mann, der mit Freundin und nur einem Einkaufswagen durch den Laden ging, frühzeitig gesehen und mehrfach über Lautsprecher eine Durchsage gemacht, dass jeder Kunde zwingend einen Wagen mitnehmen müsse. Schriftliche Hinweise dazu hatten auch am Eingang zum Geschäft gestanden, wie Fotos belegten, auch wenn der Angeklagte das bestritt. Als die Frau den Kunden schließlich persönlich ansprach, war seine rüde Antwort auf ihre Vorhaltungen: „Spinnst Du, Du Miststück? Verpiss Dich!“ Erst nach der Warnung, dass sie jetzt die Polizei rufen werde, verließ der Mann den Markt.

Draußen wollten zufällig anwesende Mitarbeiter des Ordnungsamtes seine Personalien festhalten, doch die rückte er nicht raus: „Ich habe gar nicht eingesehen, warum ich denen meine Personalien geben muss. Ich hatte ja nichts gemacht.“ Der Hinweis des Richters, dass für die Einhaltung von Corona-Vorschriften nun einmal auch das Ordnungsamt zuständig sei und er sich da künftig besser kooperativ verhalten solle, nahm er kopfschüttelnd zur Kenntnis.

Am Ende kommt den Radevormwalder sein aggressiver Auftritt teuer zu stehen: Nach den Aussagen der Zeuginnen sah es der Richter als erwiesen an, dass der einschlägig vorbestrafte 55-Jährige die Beleidigungen ausgesprochen hatte. Dafür muss der arbeitslose Mann nun eine Geldstrafe von 600 Euro bezahlen (60 Tagessätze zu zehn Euro). Erfolg hatte sein Einspruch dennoch: Nach dem Strafbefehl wären 1800 Euro fällig gewesen, weil die Staatsanwaltschaft ein höheres Einkommen des Mannes und deshalb 60 Tagessätze zu 30 Euro zugrunde gelegt hatte.