Rader Jäger sind mit Kindern auf die Pirsch gegangen.

Ferienspaß in Radevormwald : Auf der Pirsch am Rochollsberg

Zum Ferienspaß sind die Rader Jäger mit Kindern auf die Pirsch gegangen. Jos hat mit Bernd Osenberg einige Tiere entdeckt.

In der rollenden Waldschule können die Kinder bereits die Tiere entdecken, die ihnen in den nächsten Stunden in den Rader Wäldern begegnen oder vor das Fernglas laufen könnten. Die 40 Präparate aus der heimischen Tierwelt bilden die Vielfalt des Waldes ab und machen den Kindern noch mehr Lust, gleich auf einem Hochsitz inmitten in der Natur zu sitzen. Die Jäger aus Radevormwald, die der örtlichen Hegegemeinschaft angehören, geben Mädchen und Jungen seit acht Jahren immer zum Ferienspaß die Möglichkeit, mit ihnen auf die Pirsch zu gehen.

Jos ist 13 Jahre alt und zum dritten Mal bei der Aktion dabei. Er findet die Natur interessant und freut sich auch heute auf einen erlebnisreichen Donnerstagabend. Zusammen mit Jäger Bernd Osenberg macht er sich nach der Begrüßung am Hohenfuhrplatz auf den Weg in das Revier Rochollsberg. Auf dem Weg dahin erklärt Bernd Osenberg ihm den Aufbau des Reviers, um das er sich seit einigen Jahren kümmert. „Dieses Revier ist ein Feldrevier. Auf den Wiesen kann man viel Rehwild, Hasen oder Raubvögel sehen“, sagt der Jäger. Langsam und möglichst unauffällig fährt er mit seinem schweren Geländewagen an den Rand des Reviers und entscheidet sich heute für den Hochsitz auf der Höhe des Rochollsbergs, denn dafür steht der Wind genau richtig. „Auf der Pirsch muss man auf jedes Detail, wie den Wind achten. Ansonsten riecht das Wild uns sofort und wir kriegen kein Tier zu sehen.“

Nach einem kurzen Fußmarsch öffnet Bernd Osenberg den Hochsitz, von dem man über das gesamte Tal blicken kann. Lichtungen, ein Waldrand und eine abgezäunte Weihnachtsbaumkultur liegen vor ihm und Jos. Die drei Fenster des Hochsitzes sind aufgeklappt und die Ferngläser stehen bereit. Mittlerweile ist es halb acht. Während die Umgebung immer leiser wird, weil die Straßen sich beruhigen und die Menschen in ihren Häusern sind, wird die Natur lauter. Nach einer halben Stunden regt sich etwas rechts neben dem Hochsitz. Ein Reh ist alleine unterwegs und genießt die Abendsonne. Bernd Osenberg nutzt die Gelegenheit, um Jos seine Hilfsmittel, wie einen Abstandmesser und eine Wärmebildkamera zu zeigen. Auf der Kamera sieht man das Reh deutlich als hellen Punkt, der sich von der Natur abhebt. Jos beweist einige Minuten später einen guten Blick und entdeckt einen Hasen, der im Gras liegt. Bernd Osenberg wartet darauf, dass er das Rehkitz entdeckt, das er Anfang der Woche zwischen den Bäumen gesehen hat. „Die Ricke muss das Kitz in dem abgezäunten Stück bekommen haben. Jetzt sitzt das Kitz fest, weil es selber noch nicht über den Zaun springen kann“, sagt der Jäger, der das Kitz in den nächsten Tagen aus der Anlage zurück in die offene Natur treiben möchte. „Dabei müssen wir vorsichtig sein, damit es nicht in den Zaun rennt und sich verletzt.“ Nach geduldigem Abwarten zeigt sich das Rehkitz, das sich bereits alleine ernähren kann. „Ich sehe es ganz genau“, sagt Jos, als er durch sein Fernglas blickt.

Bernd Osenberg ist froh darüber, dass sich die Jägerschaft in Radevormwald verjüngt hat und rücksichtsvoll mit der Natur umgeht. Er nutzt den Abend, um Jos zu erklären, welche Tiere geschossen werden müssen und welche anderen Aufgaben ein Jäger hat. „Den Respekt vor der Natur und den Tieren darf man nie verlieren. Für mich ist die Pirsch eher wie eine Meditation“, sagt der Jäger.

In der Dämmerung jagt ein Rehbock eine Ricke über die Felder. Jos kann ein typisches Spektakel der Blattzeit, der ein Zeitabschnitt der Paarungszeit ist, beobachten. Der Schüler entdeckt weiteres Wild und noch einen Hasen. Kurz vor Sonnenuntergang packen er und Bernd Osenberg zusammen, um pünktlich zum Schüsseltreiben, dem gemütlichen Beisammensein nach der Jagd, zurück an der rollenden Waldschule zu sein. „Das war richtig toll“, sagt Jos voller Begeisterung auf dem Weg zurück zum Auto.

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