1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

„Rade Integrativ“ will zweite WG realisieren

Neues Zuhause gesucht : „Rade Integrativ“ will zweite WG realisieren

Die Eltern des Vereins „Rade Integrativ“ wollen eine neue Wohngruppe umsetzen. Die künftigen Bewohner sprechen über ihre Träume.

Von zu Hause ausziehen, auf eigenen Beinen stehen und mit Gleichaltrigen unter einem Dach leben – das ist der Traum von Mia, Fabian, Laura, Fiona und Marie-Sophie. Die jungen Erwachsenen planen zusammen mit ihren Eltern eine Wohngemeinschaften (WG), in der sie trotz ihrer Behinderung so autark wie möglich leben können. Obwohl sie immer von einer Person betreut werden müssen, ist es für die Frauen und den jungen Mann ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Was sie vorhaben, hat vor drei Jahren bereits für andere junge Erwachsene funktioniert. Damals eröffnete der Verein „Rade Integrativ“ die erste WG für Behinderte an der Elberfelder Straße, und das Konzept wurde ein großer Erfolg.

Anne Schuster, die Mutter der 20-jährigen Fiona, kümmert sich federführend um die Realisierung einer weiteren Wohngemeinschaft. Zusammen mit den anderen Eltern ist sie auf der Suche nach einem Investor, der das Bauvorhaben umsetzt. „Wir suchen jemanden, der Interesse daran hat, mit uns zusammenzuarbeiten. Das Gute ist, dass ihm die pünktliche Miete von uns garantiert ist. Somit ist das Risiko relativ klein“, versichert sie. Im besten Fall bekommen die insgesamt sechs Bewohner, die sich für die neue WG angemeldet haben, eine komplett barrierefreie Wohnung, in der jeder ein eigenes Zimmer hat, es eine Wohnküche und ein gemeinsames Wohnzimmer gibt. Schön wäre auch ein kleiner Garten, denn alle künftigen Bewohner sind im Grünen aufgewachsen und verbringen ihre Freizeit gerne an der frischen Luft. „Wir sind alle Landeier und lieben die Natur, deswegen ist es ein wichtiges Kriterium“, sagt Yvonne Rolle, deren Tochter Marie-Sophie ebenfalls in die WG einziehen will.

Die Eltern arbeiten seit zwei Jahren an dem Projekt und waren schon mit mehreren Investoren und der Stadtverwaltung im Gespräch, aber bisher haben sich alle möglichen Grundstücke und Immobilien als unpassend herausgestellt. Die Suche nach einem Investor geht also weiter. Denn alle Beteiligten wären froh, wenn die WG so schnell wie möglich umgesetzt werden könnte. „Unsere Kinder sind soweit und können ausziehen. Wir haben schon viel über diesen Schritt gesprochen und unsere Kinder darauf vorbereitet. Die Vorfreude ist größer als die Angst“, betont Anke Keil. Für ihren Sohn Fabian wird der Auszug, genau wie für die anderen Bewohner, eine große Herausforderung. „Das Umfeld zu wechseln und nicht mehr in der Nähe der Eltern zu sein, ist schwierig. Der eine wird länger, der andere kürzer brauchen, um mit der neuen Situation zurechtzukommen“, sagt Anke Keil.

Alle künftigen Bewohner gehen in einer Behindertenwerkstatt einem geregelten Arbeitsalltag nach und haben zudem einige Hobbys, die sie verbinden. Laura und Fiona machen beide erfolgreich Judo und brauchen in ihrem neuen Zuhause Platz für Medaillen und Urkunden. „Ich habe total viele Medaillen, die ich aufhängen möchte. Außerdem kommen meine Trommeln mit“, erzählt die 19-Jährige Laura. Mia freut sich jetzt schon auf ihr neues Zimmer. „Hoffentlich wird es schön“, sagt sie.

In der jetzigen Planungsphase treffen sich die Bewohner und ihre Eltern mehrmals im Monat, um das weitere Vorgehen zu besprechen, damit der Traum einer Wohngemeinschaft bald Realität wird.