Radevormwald: Qualm hat sich verzogen, nicht aller Ärger

Radevormwald : Qualm hat sich verzogen, nicht aller Ärger

Die Regeln des Nichtraucherschutzes werden inzwischen akzeptiert, die Aufregung hat sich aber nicht gelegt.

Seit etwas mehr als einem Jahr herrscht absolutes Rauchverbot in Gaststätten und Restaurants. Auch in Radevormwald treibt das Nichtraucherschutzgesetz die Raucher zum Qualmen vor die Tür. Die Bilanz der Gastronomen und Kneipiers fällt unterschiedlich aus: Während sich die einen über ein einheitliches Gesetz freuen, wünschen sich besonders Schankbetriebe ihre Entscheidungsfreiheit zurück. Restaurants verzeichnen stabile bis steigende Umsätze, während reine Kneipen mit deutlichen Einbußen kämpfen.

Jeder solle doch selbst entscheiden dürfen, ob in seinem Lokal geraucht wird oder nicht, meint beispielsweise Angelika Herzig, Inhaberin des Hotels "Zum Löwen". Seit sieben Jahren führt sie das Kneipenbistro in der Rader Innenstadt: "Die Gemütlichkeit ist verloren gegangen." Denn wenn sich bei ihr Stammtische treffen, geht in regelmäßigen Abständen jemand aus der Runde vor die Tür. Die meisten ihrer Gäste sind Raucher. "Ich merke den finanziellen Rückgang, seit nicht mehr geraucht werden darf."

Besonders in der kalten Jahreszeit waren die Umsatzeinbußen deutlich spürbar: "Im Winter werden hier ja um sieben, acht Uhr abends schon die Bürgersteige hochgeklappt." Und wenn es dann noch regnet, so erzählt Angelika Herzig, dann kommen die Leute gar nicht mehr in die Kneipe. "Ich warte ja immer noch auf die vielen Nichtraucher, die nach dem Gesetz in die Kneipen kommen wollten."

Die Inhaber der Restaurantbetriebe "Zum Griechen", "Café Central" und "Am Matt" hingegen scheinen keine Probleme mit dem Nichtraucherschutzgesetz zu haben. Umsatzeinbußen verzeichnet keiner von ihnen. Klemens Papadopulos vom Café Central berichtet sogar von einem leichten Plus. Bei ihm haben sich zwei neue Skatclubs angesiedelt. "Die Leute haben sich einfach an die neue Situation angepasst. Ich finde es gut, dass endlich eine einheitliche Reglung herrscht." Auch Fouli Oikonomou, Inhaber des Restaurants "Zum Griechen", führt seit zweieinhalb Jahren ein stabiles Geschäft. "Wir hatten keine Probleme, die Umstellung haben wir eigentlich auch nicht richtig gemerkt." Bei ihm können die Raucher im Biergarten rauchen. "Das läuft eigentlich ganz gut."

Marija Klacik betreibt seit neun Jahren das Restaurant "Am Matt". "Als Nichtraucherin habe ich persönlich durch das Gesetz nur Vorteile, mir geht es besser, seit dem hier drin nicht mehr geraucht werden darf." Auch sie hat die Umstellung zum absoluten Rauchverbot finanziell nicht gemerkt. Die Gäste kommen immer noch gerne zum Essen in das zentral gelegene Restaurant. "Von mir aus kann es gern so bleiben, wie es ist."

Giorgio D'Amico hat erst kürzlich die Kneipe "Alte Post" übernommen, und auch er hat als Raucher eine klare Meinung: "Die Leute müssen sich dran gewöhnen und haben sich dran gewöhnt: Die meisten gehen nach zwei Bier vor die Tür." "Viele rauchen zu Hause ja auch nur noch auf dem Balkon, weil sie ihre Wohnung nicht verpesten wollen." Die Gäste hätten sich demnach mit der Situation abgefunden.

(sebu)
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