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Preisgekröntes Demenz-Theater bewegt

Pflegearbeitskreis Rade mit Resonanz zufrieden : Preisgekröntes Demenz-Theater bewegt

Das Theaterstück „Du bist meine Mutter“ begeisterte. Organisiert wurde der Abend vom Demenz-Netzwerk Rade.

Gisela Nohl tourt seit Jahren mit dem preisgekrönten Theaterstück „Du bist meine Mutter“ durch Deutschland. Die Produktion von „Das Theater Köln“ thematisiert elementare Ängste und alltägliche Beobachtungen um Demenz. Die Besonderheit ist, dass Gisela Nohl nicht nur die erkrankte Mutter, sondern auch ihre Tochter Hannah spielt. In die Welt von Hannah und ihrer Mutter tauchten am Mittwochabend etwa 40 Besucher ein, die auf die Veranstaltung des Demenz-Netzwerkes Radevormwald aufmerksam geworden sind.

Mit der Resonanz ist Uwe Kremers vom Pflegearbeitskreis Rade mehr als zufrieden. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen. Das ist erstaunlich und freut mich natürlich sehr. Interessant wird die Gesprächsrunde nach dem Theaterstück.“ Bewusst haben er und andere Kräfte des Demenz-Netzwerkes auf eine Information vor dem Stück verzichtet.

Am Mittwoch ging es nicht primär darum, um über die Volkskrankheit Demenz mit Broschüren und in Informationsgesprächen aufzuklären, sondern auf eine neue Art auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Kyra Springer, hauptamtliche Koordinatorin des Trägervereins „aktiv55plus“ und auch Mitglied im Demenz-Netzwerk, findet es wichtig, andere Wege zu gehen. „Das Thema Demenz ist schwierig zu vermarkten, weil es natürlich betroffen macht. Das Theaterstück finde ich deswegen genau richtig“, sagt sie.

In „Du bist meine Mutter“ stellt die Schauspielerin Gisela Nohl eine Geschichte aus zwei Perspektiven dar. Hannah besucht ihre Mutter jeden Sonntag im Pflegeheim, bringt ihr Blumen mit, versucht ihr bei Erinnerungslücken zu helfen und beantwortet die immer gleichen Fragen geduldig und so, als höre sie die Fragen zum ersten Mal. Auf dem Weg in das Pflegeheim erzählt sie von ihrer Kindheit und den Erinnerungen an ihre Mutter.

Es war nicht immer leicht, aber jetzt fühlt Hannah sich verantwortlich. Spielend leicht schlüpft die Schauspielerin von der  Rolle der Gesunden in die der alten und gebrechlichen Frau, die in einem Pflegeheim lebt und nicht wirklich weiß, was mit ihr und ihrem Umfeld geschehen ist. Jede Woche verliert die Mutter ein bisschen mehr den Menschen, der sie mal war. In die meist belanglose Unterhaltung von Mutter und Tochter, die in jeder Woche gleich abläuft, mischt sich immer wieder der Wunsch zu sterben.

Im Dialog der beiden Frauen zeichnet Gisela Nohl das Portrait von zwei Biografien, die beide unter der Krankheit Demenz leiden. Das sensible Theaterstück macht gefühlvoll und realitätsnah auf Demenz aufmerksam. Wie viele Menschen aus dem Publikum sich mit dem Stück identifizieren konnten, hörte man nach der Vorstellung. Nachdem sich Gisela Nohl umgezogen und beide Rollen hinter sich gelassen hatte, kam sie mit ihren Zuschauern über Demenz ins Gespräch.

Kyra Springer war begeistert von der Offenheit aller Beteiligten. „Einige haben von ihren eigenen Erfahrungen erzählt. Sie haben sich in dem Theaterstück wiedererkannt“, sagt sie. Renate Greif war begeistert von der schauspielerische Leistung und Dursun Arslan, der Chefarzt der Geriatrie des Sana Krankenhauses, konnte aus dem Theaterstück neue Facetten über Demenz erlernen, die er in seinen Krankenhaus-Alltag integrieren wird. Das Demenz-Netzwerk hat zusammen mit Schauspielerin Gisela Nohl einen Plattform für einen Austausch geschaffen und die Besucher mit neuen Eindrücken und Denkanstößen versorgt.