Radevormwald: Polizeipräsenz: Mans schreibt an Minister

Radevormwald : Polizeipräsenz: Mans schreibt an Minister

In Radevormwald muss die Polizei stärker vertreten sein - dieses Anliegen hat Bürgermeister Johannes Mans in einem Brief NRW-Innenminister Herbert Reul mitgeteilt. Es gehe um das subjektive Sicherheitsgefühl der Einwohner.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Bürgermeister einen Brandbrief ans Innenministerium schreibt. Johannes Mans hat sich dazu entschlossen. Er nimmt dabei Sorgen der Radevormwalder Einwohner über die Sicherheit in der Stadt auf. In einem Schreiben an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), das Ende vergangener Woche abgesandt wurde, bittet er um Unterstützung wegen der "nach unserer Auffassung zu geringen Polizeipräsenz" in der Stadt.

Mans betont, dass er diesen Schritt mit Landrat Jochen Hagt abgesprochen hat. "Auch deshalb, weil der Kreis sich beim Projekt der Ordnungspartnerschaft engagiert." Der neue Ordnungsdienst sei freilich nur eine Ergänzung, kein Ersatz für eine Polizei, die vor Ort präsent ist. "Der eigentliche Anlass für das Schreiben an den Minister war der Raubüberfall, der jüngst auf den Rewe-Markt verübt wurde", erklärt der Bürgermeister. An einem Freitagabend Ende März hatten vier Täter mit Sturmhauben drei Mitarbeiterinnen des Marktes aufgelauert, sie mit Schusswaffen bedroht und in einem Büroraum gefesselt (die BM berichtete). Die Frauen erlitten Verletzungen, die Täter entkamen mit den Tageseinnahmen.

In dem Brief an Minister Reul nimmt Mans auf dieses Verbrechen Bezug, erwähnt auch andere kriminelle Vorfälle, welche die Bevölkerung verunsicherten: "Raubdelikte in den Nachmittagsstunden, diverse Einbrüche in Kindergartenstätten". Es gebe eine "subjektiv wahrgenommene deutliche Zunahme von Straftaten". Die Polizei hatte im Fall des Überfalls auf den Rewe-Markt mitgeteilt, die Täter hätten "mit Akzent" gesprochen. Solche Informationen erregen die Gemüter, weiß Johannes Mans. Leider, schreibt er in dem Brief an Herbert Reul, führe dies auch dazu, dass viele Bürger "in ihrem Denken nicht mehr vorurteilsfrei gegenüber ausländischen Mitbürgern" seien. "In dieser spannungsgeladenen Atmosphäre gilt es deutliche Signale zu setzen, damit der soziale Frieden und das fürsorgliche und gedeihliche Miteinander sich nicht ins Gegenteil verkehren." Man wisse, "dass auch mit einer erhöhten Polizeipräsenz letztlich derartige Straftaten nicht umfassend verhindert werden können", so Mans in dem Brief. Doch mehr Präsenz der Polizei sei eine Abschreckung für Täter.

Bürgermeister Johannes Mans. Foto: Lena Hogekamp

Radevormwald verfügt derzeit über zwei Bezirksbeamte, die auch liebevoll "Dorfsheriffs" genannt werden. "Sie gehen auf Streife und halten Kontakt zu den Bürgern", sagt Monika Treutler, Sprecherin der Kreispolizei. Rade gehört zum Wachbereich Wipperfürth. Über die Leitstelle in Gummersbach werden im Ernstfall Polizeikräfte zu den jeweiligen Einsatzorten geschickt.

Der Bürgermeister hat in seinem Brief das Wort "subjektiv" verwendet. Doch was sagen objektive Zahlen der Polizeistatistik? Nimmt die Zahl der Delikte wirklich zu? Die Antwort: Ja und Nein. "Die Zahl der Gewaltdelikte ist leicht gestiegen", sagt Monika Treutler, Sprecherin der Kreispolizei in Gummersbach. Ansonsten jedoch belegen die Zahlen keinen Anstieg der Kriminalität.

Für das subjektive Gefühl von Angst und Verunsicherung hat Treutler eine mögliche Erklärung: "Viele Menschen sind heute in den sozialen Netzwerken unterwegs. Und dort wird nahezu jedes Ereignis kommentiert und dramatisiert." Auf die Leute prasselten dann so viele schlimme Nachrichten ein, dass sie das Gefühl bekämen, alles gerate außer Kontrolle.

(s-g)
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