Pfarrer der Martini-Gemeinde in Radevormwald klagt über Anforderungen

Martini-Gemeinde Radevormwald : Pfarrer Reinecke kämpft um zweite Stelle

Wenn keine Entlastung möglich ist, erwägt der Seelsorger, die Gemeinde zu verlassen.

Florian Reinecke ist seit knapp zwei Jahren Pfarrer der Martini-Gemeinde in Radevormwald und warf während der Gemeindeversammlung am Sonntag einen Blick auf 2018. Ehrlich und offen kommunizierte er, wie er sich als Pfarrer der Gemeinde fühlt, die momentan 901 Glieder hat.

„Meine Familie und ich sind total glücklich hier und ich liebe meine Arbeit, allerdings schaffe ich es kaum die vielen Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Unsere Gemeinde ist groß, aktiv und anspruchsvoll und die Arbeit zehrt an meinen Kräften“, sagt der Pfarrer. „Ich kann meinen Dienst nicht schaffen, wie ich es will, weil mich unzählige wichtige Kleinigkeiten gefangen halten. Ich kann nicht alles gleichzeitig schaffen und ich muss auf meine Familie achten.“ Florian Reinecke und seine Frau haben sich den kommenden Jahreswechsel als Stichtag festgesetzt. Wenn bis dahin keine zweite Pfarrstelle in der Martini-Gemeinde geschaffen wurde, die den Pfarrer entlastet, wird Florian Reinecke seinen Wechsel in eine andere Gemeinde beantragen.

Über die offene Aussprache des Pfarrers schien am Sonntag niemand erstaunt zu sein. Die Glieder der Martini-Gemeinde wissen, wie hoch die Ansprüche an ihren Pfarrer sind und wie viel Arbeit er leisten muss. Nachvollziehen kann Florian Reineckes Situation wahrscheinlich jeder.

Der Pfarrer nutzte die Gemeindeversammlung auch, um über den Opferumgang zu sprechen, der in der Martini-Gemeinde seit dem letzten Pfingstfest ausgesetzt wurde. Davor war der Opferumgang an den wichtigen Feiertagen eine Tradition innerhalb der Gemeinde, bei der die Gottesdienstteilnehmer um den Altar gingen und eine Spende „opferten“. „Ich habe im letzten Jahr immer wieder nach dem Sinn dieses Umgangs gefragt und keine wegweisende Antwort erhalten. Ich finde die Tradition nicht falsch, aber wir sollten wissen, warum wir sie tun“, sagt Reinecke.

Nach mehreren Wortmeldungen aus der Gemeinde entschied die Abstimmung für die Abschaffung des Opferumgangs. Einige Gemeindeglieder wollen sich von der Tradition lösen, weil sie lieber im Verborgenen und nicht in der Mitte der Gemeinde Geld spenden wollen, andere werden die lang gepflegte Tradition vermissen.

Ähnlich ist das mit den Liedertafeln, die ab sofort, so entschied es die Gemeindeversammlung, nicht mehr durch die ehrenamtlichen Küster für jeden Gottesdienst aktualisiert werden. Lieder zu stecken ist für die Ehrenamtler ein zu großer Zeitaufwand. In Zukunft werden die Lieder eines Gottesdienstes auf dem jeweiligen Gottesdienstblatt veröffentlicht. Damit sinkt der Arbeitsaufwand und jeder kann die zu singenden Lieder gut lesen.

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