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Pandemie in Radevormwald: Zusammen singen in der Corona-Krise

Corona-Pandemie in Radevormwald : Mit Gesang in der Krise gegenseitig Mut gemacht

Täglich kamen Anwohner der Kreuzstraße zum Singen im Freien zusammen. Das Ehepaar Petra und Klaus-Peter Glintkamp hatte den Anstoß gegeben. Nun sangen die Nachbarn noch einmal zum Finale.

Petra und Klaus-Peter Glintkamp standen vor über zwei Monaten noch alleine vor ihrem Haus, um zu singen. Nachdem die Corona-Krise Deutschland ereilt und das gesellschaftliche Leben lahm gelegt hatte, fasste das Ehepaar den Entschluss, jeden Abend unter freiem Himmel zu singen. „Die Idee ist uns relativ spontan gekommen und nachdem wir zuerst alleine gesungen haben, sind schnell Nachbarn darauf aufmerksam geworden“, sagt Petra Glintkamp. Schon wenige Tage später hatte sich eine feste Gruppe von Menschen gebildet, die jeden Abend um 19 Uhr an der Kreuzstraße zusammenkam. Erreicht hat das gemeinschaftliche Singen aber nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch Menschen darüber hinaus. „Auch Spaziergänger haben Pause gemacht, um mitzusingen oder zuzuhören. Außerdem sind einige Sänger jeden Abend aus der Stadt zu uns gekommen“, sagt die Initiatorin.

Am Freitagabend, vor dem langen Pfingstwochenende kamen die Männer und Frauen zu ihrem großen Finale auf die Straße. „Das Leben geht langsam wieder weiter und es gibt wieder ein paar Veranstaltungen. Deswegen läuft die Aktion jetzt aus.“ Für Petra Glintkamp und ihren Mann, aber auch für alle anderen Teilnehmer war das offene Singen in den vergangenen Monaten ein guter Ersatz für das fehlende gesellschaftliche Leben, für ausgefallene Veranstaltungen und den Alltag, der durch die Corona-Krise durcheinander gekommen ist. Mit dem Ausblick auf das abendliche Singen haben die Tage und Wochen für die Radevormwalder eine Struktur bekommen und einen positiven Aspekt, auf den man sich schon am Morgen freuen kann.

Seit Beginn der Aktion hat Petra Glintkamp ein buntes Repertoire an fröhlichen, bewegenden und nachdenklichen Liedern zusammengestellt, das Hoffnung und Mut verbreitete. Am Freitagabend sangen die 15 Teilnehmer die Lieder, die sie während der Corona-Krise am liebsten gesungen haben. Begleitet wurden sie an diesem Abend von einem Gitarristen aus der Nachbarschaft. Das Finale startete mit „Geh aus mein Herz“ und „Der Mai ist gekommen“. In der gesamten Kreuzstraße war der Gesang zu hören. In einigen Häuser standen die Fenster offen und Menschen kamen auf ihre Balkone und Terrassen, um der Musik zu lauschen, die sich mit dem Gesang der Vögel vermischte.

„Die Gedanken sind frei“ und „Möge die Straße“ gehören auch zu den Liedern, die den Teilnehmern während der Corona-Krise Trost und Freude gespendet haben. Zum Abschluss haben sie das „Bergische Heimatlied“ gesungen. „Das Bergische Heimatlied ist wichtig für uns und so geht es vielen Menschen aus Radevormwald. Gerade jetzt wissen wir unsere Heimat und die Natur noch mehr zu schätzen“, sagt Petra Glintkamp. Sie bedankte sich am Freitagabend bei allen Teilnehmern, die ihre Idee unterstützt und zu einem Gemeinschaftsprojekt gemacht haben. Peter Glintkamp verteilte zum Dank gelbe Rosen an alle. Auch die Nachbarn aus der Kreuzstraße zeigten sich dankbar für die Ablenkung und den Zusammenhalt während der Corona-Krise.