Radevormwald: Organist erläutert das Besondere der Orgel

Radevormwald: Organist erläutert das Besondere der Orgel

Ein Konzert mit Klängen aus Frankreich wurde am Sonntag in der Lutherischen Kirche an der Burgstraße geboten. Dr. Wieland Meinhold nahm an der Orgel Platz, nachdem er den Gästen zuvor das Kircheninstrument vorgestellt hatte.

Auf den Besuch "einer Königin" hatten sich am Sonntagnachmittag an die 20 Gäste eingelassen. Diese mussten dazu kein Schloss aufsuchen, sondern waren zur weißen Kirche an der Burgstraße gekommen. Dort wohnt sie, die musikalische Majestät. Dr. Wieland Meinhold jedenfalls erkennt in der Karl-Schuke-Orgel ein gekröntes Haupt, wird eine Orgel doch oft als Königin der Instrumente bezeichnet.

Das imposante Instrument gab sich klangvoll und damit majestätisch. Der thüringische Universitätsorganist aus Weimar stellte vor seinem Orgelkonzert den Zuhörern die Orgel und ihre vielfältigen Funktionen vor. Dazu bestieg er die kleine Empore an der Tastatur, die Gäste die südliche Empore des Kirchenschiffes. "Kommen sie ruhig näher heran. Nur keine Angst", empfahl er.

Kantor Martin Scheibner unterstrich die Empfehlung: "Oben sehen sie viel besser, obwohl der Klang viel kräftiger und dichter ist. Unten in der Kirche ist der Klang eher sanfter." Der Organist sprach in seinem "Orgel-Vortrag" von den zahlreichen Schulklassen, die das Instrument von ihm erklärt bekommen. Auf ähnlich unterhaltende sowie verständliche Weise stellte er das Instrument in seinen Teilbereichen vor. "Die Orgel hat eine Lunge", erklärte er den zum Teil verblüfften Gästen. Damit lenkte er auf das leise brummende Gebläse, das zum Transport der Luft in die Pfeifen nötig ist. Die Gäste konnten das "Register Nummer acht" erleben, besser, dessen Klänge. Diese waren hell und klar und entsprachen dem Prinzipal-Register. "Einst mussten alle Register gezogen werden, heute gibt es dafür kleine Kippschalter. Sie lösten das frühere Gestänge ab", berichtete der Organist.

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Er erklärte die Luftströme, die durch die Pfeifenhälse zu den Unterlippen hinaus über die Oberlippe gleichzeitig den Ton entstehen lassen. "Die Orgel ähnelt uns im Grunde", sagte er mit einem Lachen. Der Experte zeigte die eher versteckten "Geschwister" der sichtbaren Orgelpfeifen, die weiter hinten in Reihen stehen. Weitere Register zeigte der Meister anhand von musikalischen Ausschnitten seiner Kompositionen "orgel-FARBEN-Wege" und "Hommage a Sebastien - zwei Metamorphosen" und anderen Improvisationen. Die Musik bot den Zuhörern die Gelegenheit, das große Instrument zu verstehen. "Ich bin beeindruckt. Die Technik und auch die Klänge der Orgel interessieren mich sehr", sagte Hans Golombek. Albert Schmitz war aus Remscheid gekommen, um die Karl-Schuke-Orgel näher kennenzulernen. "Ich interessiere mich sehr für Orgeln und Orgelmusik. Spielen aber kann ich kein Instrument", erzählte er. Die Gäste konnten nach den zahlreichen Erklärungen noch einige Zeit bleiben. Wieland Meinhold bot im Anschluss seiner "Orgelführung" ein barockes Konzert. Hierzu hatte er Werke von Georg Philipp Telemann ausgesucht - wie die "Fantasie in d-Moll aus "Dreien Dutzend Clavier-Fantasien". Weiter waren Kompositionen von Jean Philipp Rameau sowie Dom Paul Benoit zu hören. "Klangsinn aus Frankreich" nannte Meinhold sein Programm, das den Zuhörern viel Raum zum Träumen bot.

Meinhold sagte, dass er keine Lieblingsstücke darunter habe. "Ich bin bei jedem Stück voll konzentriert und mag sie alle. Es würde die anderen Werke nur schmälern, würde ich eines nur hervorheben", sagte der Uni-Organist.

Die Besucher erlebten genussvolle Stunden, die gleichermaßen lehrreich wie entspannend waren. Der Besuch bei einer "Königin" dürfte sehr gefallen haben.

(sig)