Blickpunkt Wirtschaft Mehr als 50 Prozent Umsatzeinbußen

Oberberg · In der Corona-Krise stehen viele Unternehmen vor existenziellen Herausforderungen. Das zeigt eine Blitz-Umfrage der IHK Köln.

 Gut für die Gesundheit, schlecht für die heimische Wirtschaft: Die Turmuhr zeigt 16.20 Uhr – und der Rader Marktplatz ist leergefegt.

Gut für die Gesundheit, schlecht für die heimische Wirtschaft: Die Turmuhr zeigt 16.20 Uhr – und der Rader Marktplatz ist leergefegt.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Vier Wochen nach Beginn der massiven Einschränkungen des Geschäftslebens steht ein großer Teil der Unternehmen in der Kölner Region vor existenziellen Herausforderungen. Das zeigen die Ergebnisse der zweiten Blitz-Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Krise, die die IHK Köln vor Ostern durchgeführt hat. Von den 840 Unternehmen, die sich daran beteiligt haben, berichten fast zwei Fünftel von Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent. 22 Prozent der Unternehmen machen derzeit sogar überhaupt keine Umsätze. Insgesamt berichten mehr als 90 Prozent der Unternehmen von Umsatzrückgängen.

„Wir erleben eine Krise, wie sie unsere Region seit Gründung der Bundesrepublik nicht gesehen hat“, sagt Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln. „Innerhalb kürzester Zeit sind Unternehmen in fast allen Branchen negativ von den Auswirkungen erfasst worden“, ergänzt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Wie dramatisch die Situation sei, zeige auch, sagt Reichardt, dass neben der Industrie auch im bislang ausgesprochen konjunkturfesten Baugewerbe jeder zweite Betrieb Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent vermelde. „Der massive Einsatz von Soforthilfen ist leider bitter nötig, um das Überleben der Betriebe, die unverschuldet in diese Situation geraten sind, zu sichern“, sagt Grünewald.

Knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits Soforthilfen beantragt. 27 Prozent haben sich um Kurzarbeitergeld, 20 Prozent um Steuerstundungen oder eine Herabsenkung der Vorauszahlungen bemüht. Eine vergleichsweise geringe Rolle spielen Kredite. Jeder zehnte Betrieb hat sich um staatlich verbürgte Kredite bemüht, nur vier Prozent um einen nicht staatlich-verbürgten Kredit der jeweiligen Hausbank. „In der aktuellen Situation sind Soforthilfen das beste Mittel, um den Unternehmen schnell Liquidität zu verschaffen. Sieht man von anfänglichen technischen Schwierigkeiten und manchen Unklarheiten bei den Bedingungen ab, ist das kombinierte Programm von Bund und Land aus unserer Sicht gut angelaufen“, sagt Grünewald. Rund drei Viertel der Unternehmen, die Soforthilfen beantragt haben, hatten laut Umfrage keine Probleme bei der Antragsstellung. Einige bemängeln die Dauer der Verfahren (elf Prozent) sowie die Passgenauigkeit der Programme (sechs Prozent). Auch die Steuerstundungen bzw. die Herabsenkung der Vorauszahlungen sind für die meisten Unternehmen (70 Prozent) unproblematisch.

Bei der Beantragung des Kurzarbeitergelds kritisiert ein Drittel die Dauer des Verfahrens. Viele Betriebe machten derzeit mit kreativen Initiativen, neuen Angeboten und Diensten oder auch geschickter Infektionsprävention das Beste aus der schwierigen Lage. Angesichts der fortdauernden Einschränkungen und der damit verbundenen, beispiellosen Umsatzeinbußen in vielen Branchen müsse die Politik aber weiterhin genau die Lage beobachten und flexibel reagieren. „Auch mit Soforthilfen und den etablierten Unterstützungsmöglichkeiten werden viele Betriebe nicht monatelang in diesem Geschäftsumfeld durchhalten können“, sagt Grünewald. So bekundet knapp die Hälfe der befragten Unternehmen, die bisherigen Maßnahmen reichten angesichts ihrer Liquiditätsprobleme nicht aus. Sie wünschen sich neben weiteren Erleichterungen vor allem Klarheit über Schritte zur Lockerung der Einschränkungen.

Zunehmend schwierig gestaltet sich die Lage auch für viele größere mittelständische Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern, denen bislang keine Soforthilfen zur Verfügung gestellt werden, sagt Reichardt. Weil Umsatz- und Geschäftsplanung angesichts der unklaren Perspektiven derzeit kaum möglich seien, berichteten auch eigentlich grundsolide Unternehmen von Schwierigkeiten, im Hausbankverfahren an Liquiditätshilfen zu kommen.

„Wenn auf absehbare Zeit keine Lockerungen möglich sind, wird es auch hier weitere Maßnahmen brauchen, um den Fortbestand dieser Betriebe zu sichern“, sagt Reichardt.

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