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Nistwände in Radevormwald werden Thema in Bachelor-Arbeit

Naturschutz in Radevormwald : Nistwände werden zum Forschungsprojekt

Ein Biologe hat seine Bachelor-Arbeit über die Arten geschrieben, die in den „Insektenhotels“ in Radevormwald, Hückeswagen und Remscheid leben. Sein Fazit: Im urbanen Bereich ist die Artenvielfalt größer als auf dem Land.

Der Bergische Naturschutzverein (RBN) in Radevormwald hat gemeinsam mit dem örtlichen Hegering ein größeres Nisthilfe-Projekt für Insekten umgesetzt – genauer gesagt: für Hautflügler, zu denen vor allem Bienen und Wespen gehören. Diese Aktion, die über den Zeitraum der vergangenen zwei Jahre lief, wurde finanziert vom Oberbergischen Kreis und vom NUR (Verein zur Förderung von Natur- und Umweltschutz).

Die Nistwände oder „Insektenhotels“, die unter anderem an Standorten in Bergerhof, Keilbeck, auf dem Friedhof in Radevormwald und an der Wuppertalsperre stehen, sind nun sogar zu akademischen Ehren gekommen. Der junge Biologe Leon Alexander Muhss, der an den Unversitäten Bochum und Düsseldorf studierte, hat für seine Bachelor-Arbeit vor Ort an den Nistwänden geforscht und untersucht, welche Arten hier ein neues Domizil gefunden haben. Die Abschlussarbeit trägt den Titel „Neubesiedlung von Wildbienennisthilfen in Abhängigkeit des Habitatkontexts im Bergischen Land“.

Dietmar Fennel, Vorsitzender des RBN, fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen: „Die Nistwände werden von den Tieren gut genutzt. Es hat sich dabei gezeigt, dass die Standorte, die eher im Bereich der Stadt liegen, etwa die Nistwand auf dem Friedhof, einen größeren Artenreichtum aufweisen als jene im ländlichen Bereich.“ Das sei nicht verwunderlich, meint Fennel. Naturschützer beklagen schon seit längerem, dass die Landschaft so „ausgeräumt“ ist, dass für Artenvielfalt wenig Platz bleibt. Auf dem Friedhof dagegen bieten sich den Insekten viele verschiedene Blütenarten. Auch der Standort Bergerhof-Nord zieht viele verschiedene Arten an.

Der Naturschutzverein setzt das Projekt in Kooperation mit Radevormwalder Kindergärten fort, es werden zurzeit sieben weitere Nistwände aufgestellt. Wieder sind der Kreis und der Verein NUR als Geldgeber mit im Boot. Um zu zeigen, dass diese Aktivitäten auch im akademischen Bereich wahrgenommen werden, hat Dietmar Fennel die Bachelor-Arbeit nun auch an die Kreisverwaltung und die Stadt Radevormwald geschickt.

Um für verschiedene Insektenarten auch in freier Natur einen Lebensraum zu bieten, hat die Stadt Radevormwald im vergangenen Jahr zwei größere Flächen zur Verfügung gestellt – in der Ortschaft Grafweg und unterhalb des Gewerbegebietes Schüttendelle. Damit soll etwas gegen das „Insektensterben“ getan werden, das seit Jahren von Experten beklagt wird.