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Nährstoffkreislaufwirtschaft auf einem bergischen Milchviehbetrieb

Landwirtschaft im Bergischen Land : Blick hinter die Kulissen eines Milchviehbetriebs

Jeanette Overhoff beantwortet Fragen zur Rinderernährung. Besucher lernen Komponenten der Milchviehfütterung kennen. 15 Interessierte aus Naturschutz und Landwirtschaft waren dem Aufruf der Partner der „Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land“ gefolgt.

Was frisst eine Kuh? Warum müssen Silage-Wiesen gedüngt werden? Das aren nur zwei von ganz vielen Fragen, die im Mittelpunkt einer Schulung zum Thema Rinderernährung und Nährstoffkreislaufwirtschaft auf einem bergischen Milchviehbetrieb standen. 15 Interessierte aus Naturschutz und Landwirtschaft waren dem Aufruf der Partner der „Modellregion Landwirtschaft und Naturschutz – Bergisches Land“ gefolgt und trafen sich auf dem Hof der Firma Overhoff in Waldbröl. Jeanette Overhoff bot einen Einblick hinter die Kulissen ihres Milchviehbetriebes und beantwortete Fragen rund um das Thema Rinderernährung.

Die Besucher lernten die unterschiedlichen Komponenten bei der Milchviehfütterung kennen. So besteht beispielsweise eine Tagesration pro Kuh aus Grassilage, Maissilage, Biertreber, Rapsextrationsschrot, Weizen mit Mineralfutterzusatz und Stroh. Diese Grundfutterkomponenten werden in einem Mischwagen vermengt und verfüttert. Ein kleiner Helfer, der liebevoll als „Schwarz-Arbeiter“ betitelt wird, schiebt den Kühen regelmäßig die Mahlzeit wieder an den Futtertisch. Weiterhin wird jede Kuh noch individuell mit Kraftfutter versorgt. Die Menge wird auf die Laktationsphase der Kuh angepasst und über den Tag verteilt beim Melken durch den Melk-Roboter verfüttert.

„Es wurde deutlich, dass eine rentable Milchviehhaltung im Bergischen Land nur möglich ist, wenn die Kühe energiereiches, junges Gras als Grundfutter zur Verfügung haben“, heißt es in einer Pressemitteilung der Biologischen Station Oberberg. Dies bedinge frühes und zeitgerechtes Mähen der Grünlandflächen. Andernfalls müsste viel Eiweiß zugekauft werden. „Aus Klimagründen wäre das falsch“, teilt die Station mit.

Bei der Schulung wurde auch darüber diskutiert, dass Naturschützer sich einen späteren Schnittzeitpunkt wünschen. Da diese Ansicht mit der Milchproduktion kollidiere, hätten sich viele Landwirte aber bei Teilflächen für den Vertragsnaturschutz entschieden. Etwa 1800 Hektar werden im Oberbergischen naturfreundlich bewirtschaftet.

Seit 2017 betreibt die Familie Overhoff auch eine Milchtankstelle. Einen Liter frische Milch gibt es hier derzeit für einen Euro. Außerdem werden Eier, Kartoffeln, Wurst und Fleisch angeboten und seit kurzem auch Weizen- und Dinkelmehl sowie Backmischungen für Brot, Plätzchen und Kuchen.

Schulungen sind dabei ein fester Bestandteil des Austausches zwischen den Partnern. So soll das gegenseitige Verständnis gestärkt werden und gemeinsam an den Themen rund um den Erhalt der bergischen Kulturlandschaft gearbeitet werden.
https://biostationoberberg.de/modellregion.html

(rue)