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Nachgefragt in Radevormwald: Welche Folgen hat der milde Winter?

Milder Winter : Welche Folgen hat der milde Winter?

Unsere Redaktion hörte sich bei der Verwaltung, beim Wupperverband und bei Naturschützern um.

Milde Temperaturen, kaum Schnee, wenig Frost – so ungefähr könnte man den aktuellen Winter in der Region beschreiben. „Die Temperaturen sind die eine Sache – der Niederschlag ist aber das Hauptthema, da nach den vergangenen, extrem trockenen Sommern der Winter hier Abhilfe schaffen muss“, sagt Susanne Fischer vom Wupperverband.

Über ausreichend Niederschlag, der hauptsächlich Regen war, kann man sich hier in der Region nicht beklagen. Zwar lag der Wert des Monats-Niederschlag an der Messstelle an der Bever-Talsperre bei etwa 114 Liter pro Quadratmeter und damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 137 Liter. Jedoch gab es nach Aussage des Wupperverbandes meist eine Regenpause, die nicht länger als drei Tage dauerte. „Trotzdem darf es gerne noch weiter und mehr regnen“, meint Susanne Fischer. Sie ergänzt, dass der Winter die Defizite der Wasserspeicher in den Waldböden, die Folge der extremen Trockenheit der vergangenen Sommer seien, ausgleichen und auffüllen müsse.

„Der Klimawandel ist im Wald angekommen und wird zu massiven, noch nicht absehbaren Veränderungen führen“, steht im Jahresbericht 2019 des Wupperverbandes geschrieben. Die Auswirkungen der milden Temperaturen im Moment seien, nach Angaben von Torsten Klingenhoff, Leiter des Forstbetriebs des Wupperverbandes, weniger ein gravierender Einflussfaktor für die Wälder. „Den Bäumen selber machen die Temperaturen nichts aus“, meint er. Milde Wetterlagen im Winter können gelegentlich mit Wind oder sogar Sturm einhergehen, wie beispielsweise am vorigen Wochenende das Sturmtief „Sabine“. Dies wiederum sei dann eher ein Problem für die umliegenden Forste, meint Klingenhoff.

Hauptsächlich bereitetem ihm aber die extreme Trockenheit der Sommermonate und der Schädlingsbefall Sorge, da diese den Wäldern erheblich zugesetzt hätten. Da beispielsweise der Borkenkäferbefall so massiv gewesen sei, werden viele Käfer den Winter überleben und dem Forst weiter zu schaffen machen, sagt er. Und dies trotz der milderen Temperaturen, die bei Borkenkäfern eher für einen Pilzbefall sorgen, was zur Folge hat, dass die Bestand reduziert wird.

Kathi Hentzschel, Naturschützerin aus Radevormwald, findet, dass das Gleichgewicht der Tier- und Pflanzenwelt sich sichtbar verschoben hätte. „Kraniche sind schon gesichtet worden und Blumen, wie die Märzenbecher, blühen jetzt schon in den Vorgärten – früher als üblich“, führt sie weiter aus. In Bezug auf die Temperaturen sagt die Naturschützerin, dass es unterschiedlich sei, wie die Natur damit umgehe. Es gebe zum einen Pflanzen und Tiere, die Frost benötigen oder sich allgemein auf eine „Winterpause“ eingestellt hätten, zum anderen aber auch die Arten, die „frost-unabhängig“ seien.

„Was in Zukunft passiert, ist noch nicht absehbar, aber ein Aussterben einiger Pflanzen- und Tierarten droht“, so die Befürchtung von Kathi Hentzschel.

Für die Stadt bringen die milden Temperaturen des Winters ganz andere Folgen mit sich. „Der Winterdienst musste bislang nur wenige Einsätze fahren und konnte sich viel Streusalz und eine Menge Überstunden sparen“, bilanziert Ulrich Dippel, Leiter des Technischen Bauamtes Radevormwald, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zudem sei es sehr wahrscheinlich, dass es im Frühjahr nur wenige Straßenschäden zu beklagen geben wird. Diese werden hauptsächlich durch einen Wechsel von Frost- und Tau-Temperaturen hervorgerufen werden, erklärt Dippel.