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Reaktionen in Radevormwald: Nach Hanau – Karnevalszug eine Minute ohne Musik

Reaktionen in Radevormwald : Nach Hanau – Karnevalszug eine Minute ohne Musik

Sowohl die Karnevalsgesellschaft als auch einige Kirchengemeinden reagieren auf die Bluttat von Hanau.

Die schrecklichen Ereignisse im hessischen Hanau am späten Mittwochabend mit elf Toten wirken sich auch auf Radevormwald aus. Die Flaggen in der Stadt wehen auf Halbmast. Der Vorstand der Radevormwalder Karnevalsgesellschaft (RKG) hat am Freitagmittag beschlossen, den Zug am Samstag ab 14.11 Uhr für eine Minute ohne Musik starten zu lassen. „Nachdem wir uns am Festplatz aufgestellt haben, wollen wir versuchen, alle Musikanlagen auszuschalten“, sagt Zugleiter Wilfried Betz. Auch in der Innenstadt an den Festplätzen wie am Markt oder am Warsteiner Treff soll für eine Minute keine Musik zu hören sein – „als Gedenkminute für die Opfer von Hanau“, sagt Betz. Auch einige Kirchengemeinden kündigen an, auf die Gewalttat zu reagieren. Eigentlich wollte die reformierte Kirchengemeinde für Samstag ab 18 Uhr zu einem Friedensgebet mit Mahnwache in die Kirche am Markt einladen. Ordnungsamt und Polizei sprachen die dringende Bitte aus, die Veranstaltung nicht nach dem Karnevalszug anzubieten. Jetzt findet das Gebet samt Mahnwache am Samstag bereits von 12 bis 12.30 Uhr in der Kirche statt. Hier besteht auch die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden. „Ich habe mich spontan dazu entschlossen, damit Rader die Möglichkeit haben, ihre Betroffenheit, ihr Mitgefühl und ihr Entsetzen angesichts des rechtsextremistischen Terrors auszudrücken“, sagt Pfarrer Dieter Jeschke. Das Angebot richte sich ausdrücklich an alle. Ursprünglich wollte Pfarrerin Manuela Melzer von der lutherischen Kirchengemeinde am Samstag ab 11 Uhr zur Marktandacht in der reformierten Kirche über Freude jetzt gerade in der Karnevalszeit sprechen. Das sei nun nicht mehr angemessen, sagt sie. Zufällig fand sie Freitagmorgen den Monatsspruch für März, der lautet „Jesus Christus spricht: Wachet!“ „Das hat mich sofort angesprochen, denn wir erleben in diesen schweren Zeiten Trauer und Entsetzen und müssen weiter wachsam sein“, sagt die Pfarrerin. Auch in den Fürbittgebeten in den Gottesdiensten am Sonntag werde sich die Tat in Hanau widerspiegeln. „Ich möchte den Menschen einen Gedankenimpuls geben, denn wir können nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen“, sagt sie.

Auch ihr katholischer Amtskollege Dr. Marc D. Klein von St. Marien und Josef empfindet die Tat von Hanau als „Schock, den wir nun einsortieren und verkraften müssen“, sagt er. Dostojewski habe gesagt „wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt“. Für Klein ist es wichtig, zu schauen, wo die Werte heutzutage herkommen und wer sie vermitteln kann. „Wir müssen uns die Frage stellen, was unsere Maßstäbe sind“, sagt er und appelliert an die Menschen, wachsam zu bleiben und ihr Gewissen zu schulen. Eine direkte Auswirkung auf seine Predigt werden die Ereignisse von Hanau nicht haben, aber dennoch ist das närrische Wochenende für Klein eine Gratwanderung: Am Sonntag, 18 Uhr, hält er in der Jeckenmesse in der Pfarrkirche eine Reimpredigt. „Aber da machen wir keine Show oder eine witzige Veranstaltung“, sagt er.

Das Ordnungsamt plant keine Maßnahmen angesichts des Anschlags in Hanau. „Es gibt nach Rücksprache mit der Polizei keine Anhaltspunkte für eine besondere Gefährdung“, sagt Leiter Jochen Knorz. Polizeisprecher Michael Tietze erkennt nach der Tat keine Bezüge nach NRW. „Aber grundsätzlich reagiert man sensibler nach so einem Vorfall, gerade in Bezug auf mögliche Nachahmer oder Gegenaktionen“, sagt er. Extra Schutzmaßnahmen seien nicht geplant.