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Radevormwald: Musikalischer Grenzgang

Radevormwald : Musikalischer Grenzgang

Beim kirchenmusikalischen Projekt "Wortklangraum" werden Gregorianik und moderne Musik miteinander verknüpft. Am Pfingstsamstag wird das Werk von der Katholischen Pfarrkirche bis auf den Marktplatz hinaus "wandern".

Es ist eine gewisse Form der Grenzüberschreitung - auf musikalische Art. Am Samstag, 19. Mai, wird die Botschaft von Pfingsten auf ganz eindrucksvolle Art und Weise in Radevormwald zu den Menschen gebracht. Regionalkantor Bernhard Nick hat ein besonderes kirchenmusikalisches Projekt auf den Weg gebracht, das unter dem Titel "Wortklangraum" zur Welturaufführung gebracht wird und auch über die Stadtgrenzen hinaus strahlen soll. Um 19.30 Uhr beginnt die Aufführung in der Katholischen Pfarrkirche St. Marien.

"Der Titel 'Wortklangraum' ist dem Johannesevangelium und dem Schöpfungsbericht entlehnt", sagt Nick. In Ersterem gebe es ja den charakteristischen Satz: "Im Anfang war das Wort", während es in der Genesis heiße: "Gott sprach, es werde Licht". Der Regionalkantor erläutert das Konzept: "Davon ausgehend, dass das Wort Gottes der allererste Klang des Universums war und alle Räume erfüllt, wird die Musik zunächst in der Kirche beginnen und dann auf den Marktplatz gelangen - hinaus zu den Menschen und in die Welt."

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Für die Umsetzung dieser Idee hat Nick mit Dr. Odilo Klasen, Komponist und Regionalkantor aus Düsseldorf, und der Dozentin für Jazzgesang an der Musikhochschule Köln, Alexandra Naumann, zwei echte Profis gewinnen können. Außerdem wird das Projekt vom Schola-Chor der Pfarrkirche und verschiedenen Sprechern begleitet. "An Pfingsten haben sich die Jünger Jesu versammelt und wurden vom Heiligen Geist erfüllt, der das Wort Gottes in sie hineinlegte - genauso wollen wir mit dem Projekt das Wort Gottes in die Welt hinaustragen", sagt Nick. Klasen hat das Werk extra für den Anlass komponiert - wobei der Komponist es eher als eine Performance bezeichnen möchte: "Es ist nicht fest durchkomponiert, auch wenn es natürlich viele solcher festen Elemente gibt." Aber einige Teile des Werks würden erst vor Ort improvisatorisch entwickelt. "Das Werk lebt vom Dialog zwischen der Kirchenorgel und Alexandra Naumanns Gesang - beides wird noch durch elektronische Effekte verändert", sagt Klasen.

Damit die Idee, die Musik auf den Marktplatz zu tragen - "der Ort, an dem ja schon in der Antike Redner ihre Botschaften proklamiert haben", wie Nick sagt -, auch funktioniert, sei eine ausgeklügelte Tontechnik nötig: "Wir haben Christoph Sapp für den Ton engagiert, es ist eine Vernetzung in beide Richtungen - von der Kirche zum Marktplatz und zurück - nötig", sagt Klasen. So könnten sich die Zuhörer auch entscheiden, ob sie lieber im Freien oder in der Kirche teilnehmen möchten - überall wird alles zu hören sein: "Aber es werden sich auch draußen auf dem Marktplatz bestimmt Menschen finden, die von der Veranstaltung vorher gar nichts wussten", sagt Klasen - auch das mache für ihn den Reiz des Projekts aus. Für Naumann geht es um die Fühl- und Erlebbarkeit des direkten Wirkens der heiligen Worte: "Ich werde durch meine improvisatorischen Anteile, etwa über den Psalm 104 oder das musikalische Thema 'Komm, Heiliger Geist...', meinen ganz eigenen Bezug dazu darstellen können", sagt die Kölner Jazz-Sängerin. Die Kombination aus Gregorianik und moderner Musik reize sie zudem sehr: "Ich habe schon mehrere CDs mit Chorälen in Jazz-Bearbeitungen aufgenommen. Das alte Material ist bis heute wirksam und berührend, auch wenn man es so neu zu Gehör bringt."

Die gregorianischen Anteile werden vom Schola-Chor präsentiert, außerdem wird in der Kirche der griechische Originaltext vorgetragen, während es im Freien moderner wird. Auch dies könne man als ein Symbol für Aktualität von Pfingsten in der heutigen Zeit sehen.

(wow)