Radevormwald: Musik zwischen Kirche und Markt

Radevormwald : Musik zwischen Kirche und Markt

Das Projekt "Wortklangraum" des Düsseldorfer Komponisten Odilo Klasen wollten am Pfingstsamstag etwa 50 Zuhörer miterleben. Mit dabei waren auch die Schola St. Marien und die Jazz-Sängerin Alexandra Naumann.

Bei schönem, wenngleich frischem, Frühlingswetter waren am Pfingstsamstag etwa 50 Zuhörer in die katholische Pfarrkirche St. Marien gekommen, um der klanglichen Vision Odilo Klasens vom Anbeginn der Zeit und aller Dinge zu lauschen. Der Düsseldorfer Regionalkantor hatte im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projekts "Lichte Stille - Neue geistliche Musik im Bergischen Land" eine Auftragskomposition mit dem Titel "Wortklangraum" erschaffen, die eine Brücke zwischen der biblischen Genesis und der großen, geistigen Welt erschaffen will. Das Besondere an dem Konzert, an dem neben dem Komponisten an der Orgel auch die Kölner Jazz-Sängerin Alexandra Naumann und die Schola St. Marien unter der Leitung von Kantor Bernhard Nick, beteiligt waren, war der zweigeteilte Auftrittsort.

Wenngleich der Beginn des Konzerts, der sich aus leisem Hauchen, Lautieren und Singen Naumanns sowie dem leicht chaotischen Spiel der Orgel zusammensetzte und wohl das Chaos der Urzeit symbolisieren sollte, sich noch im Inneren der Kirche abspielte, begaben sich Wort und Klang dann später sprichwörtlich in die Welt hinaus. Naumann improvisierte zuvor mit ihrer warmen Alt-Stimme über die Urworte des Schöpfers, die durch das Spiel der Orgel symbolisiert wurden. Dazu sang die Schola gregorianische Choräle, die einen ganz eigenen Kontrapunkt zum modernen Orgelspiel und dem Improvisationsgesang Naumanns bildeten.

Das war nicht immer einfach anzuhören, hatte aber eine besondere und ganz eigene Note, die einen nicht unberührt ließ. Genau wie es auch die elektronischen Spielereien Naumanns schafften, bei denen sie etwa mit einem Loop-Effekt plätscherndes Wasser aufnahm und so die Entstehung des Lebens aus dem Wasser heraus nachstellte. Durch diese Technik war es ihr auch möglich, sich selbst aufzunehmen und zu begleiten, was in mehrstimmigem Gesang mündete, über den Naumann zuletzt Texte über die und aus der Genesis sprach. Eigentümlich sicherlich - und so in Radevormwald bestimmt auch noch nicht gehört.

Nach etwa einer halben Stunde ging es dann nach draußen, etwa die Hälfte der Zuhörer folgten Naumann aus der Kirche hinaus. Auf dem Marktplatz war in einer Feuerschale bereits ein Feuer entzündet worden. Ein weiterer Text wurde verlesen, Naumann artikulierte zunächst lautlos mit, dann wurde ihre Stimme immer deutlicher hörbar, oft zeitlich leicht versetzt zum anderen Leser, als ob sie sich im Zwiegespräch mit ihm befinde: "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott...", hieß es da.

Nach und nach war auch die Orgel wieder über die Lautsprecher zu vernehmen, was dem Geschehen einen leicht surrealen Anstrich gab, vor allem als Naumann nicht mehr sprach, sondern singend zu improvisieren begann. Fraglos musste man sich auf dieses musikalisch fordernde Experiment einlassen. Dass die Besucher dies aber konnten, zeigte sich daran, dass nahezu alle das etwa einstündige Konzert bis zum Schluss verfolgten.

Es war nicht zuletzt der hervorragenden Tontechnik von Christoph Sapp zu verdanken, dass das Experiment glückte und das Orgelspiel auch im Freien zu hören war - und umgekehrt der Gesang und die Lesung vom Marktplatz im Inneren der Pfarrkirche. Schön war auch, dass Petrus gut gelaunt war und die Abendsonne den Marktplatz in warmes Licht tauchen ließ.

(wow)
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