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Motorradlärm treibt Radevormwalder zur Verzweiflung

Bürgermonitor Radevormwald : Bürger verzweifeln am Motorradlärm

Mit dem Frühling wird das Aufkommen der Biker auch in Radevormwald wieder massiv. Die Bergstadt steht zudem in der Statistik der Zweiradunfälle im Kreis ganz oben auf der Liste.

Mit vier Worten fasst Karl-Heinz Braselmann zusammen, was er und andere Anwohner der B 483 an den Wochenenden erleben: „Es ist die Hölle!“ Braselmann lebt in der Ortschaft Wellringrade, die unter anderem durch LKW-Verkehr gebeutelt ist. Das Schlimmste jedoch, sagt Braselmann, seien die Motorradfahrer, die mit dem Beginn der warmen Jahreszeit aus den Ballungsgebieten in Richtung Oberberg brettern. „Die Menschen hier sind verzweifelt“, fasst er die Lage zusammen. Nach seiner Erfahrung schieben sich die Kommunen und der Landesbetrieb Straßen.NRW gegenseitig die Verantwortung zu.

Jochen Knorz, der Leiter des Radevormwalder Ordnungsamtes, bestätigt, dass das Aufkommen der Biker an den vergangenen Wochenenden „ziemlich extrem“ gewesen sei. Dass die Einwohner vor Ort das Gefühl haben, bei ihnen sei es mit aggressiv fahrenden Bikern besonders schlimm, wird durch die Verkehrsstatistik der Polizei gestützt. Wie Polizeihauptkommissar Michael Tietze, Sprecher der oberbergischen Polizei, mitteilt, befindet Radevormwald gemeinsam mit Hückeswagen ganz oben auf der Liste der Motorradunglücke im Kreisgebiet. In beiden Städten verzeichneten die Beamten 2019 jeweils zwölf aktiv verunglückte Motorradfahrer, im Jahr 2018 waren es in beiden Städten jeweils elf Unfälle mit Bikern. Die Polizei hat auf diese Zahlen inzwischen reagiert und ein größeres Kontingent von Motorradstreifen der Wache in Wipperfürth zugeteilt, die für die Kommunen im Nordkreis zuständig ist. Laut Statistik handelt es sich bei den verunglückten Fahrern meist um Auswärtige. „77 Prozent der im Nordkreis verunfallten Motorradfahrenden“, so Michael Tietze, stammten nicht aus dem Oberbergischen.

Und auch jene Biker, die nicht in Unfälle verwickelt sind, sorgen für Unmut. „Hinsichtlich der Lärmbelastung gibt es auch aus Radevormwald immer wieder Klagen von Anwohnern“, berichtet der Polizeisprecher. Im Gegensatz zu Hückeswagen gebe es in Radevormwald aberkeine Bürgerinititaitve, so dass der Protest nicht so artikuliert sei. Freilich sei Hückeswagen wegen des Biker-Treffs an der Bever-Talsperre ein besonders beliebtes Ziel für die Zweiradfahrer.

Die Polizei hat im Kreisgebiet derzeit 43 beonders gefährliche Außerortstrecken identifiziert, auf denen regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden. Auf Radevormwalder Gebiet sind das die Bundesstraßen 229 und 483 im Bereich Grüne, die L 414 vom Radevormwalder Ortsausgang bis zur Einmündung in die L 81 sowie die Kreisstraße 11 vom Industriegebiet Radevormwald über Erlenbach bis zur Hückeswagener Ortschaft Herweg.

Die Mitarbeiter des Radevormwalder Ordnungsamtes haben zwar mit der Überwachung des fließenden Verkehrs nicht direkt zu tun, dafür aber in Zeiten des Coronavirus mit Ansammlungen von Motorradfahrern. „Darauf stoßen wir derzeit vor allem an den Tankstellen, dort kommt es zu größeren Treffen, weil gastronomische Betriebe wegen der Corona-Krise geschlossen haben“, berichtet Jochen Knorz, der Leiter des Radevormwalder Ordnungsamtes.

Zeigen sich die Biker einsichtig, wenn die Stadtmitarbeiter sie ansprechen? „Teils-teils“, sagt Knorz. Mit den meisten könne man vernünftig reden, manche zeigten sich allerdings unbelehrbar. „Wir mussten bereits in mehreren Fällen Bußgelder verhängen.“

Gegen den Lärm durch die schweren Maschinen kann die Stadt jedoch nicht vorgehen. „Da haben auf kommunaler Ebene keine Handlungsmöglichkeit“, stellt der Amtsleiter klar. So lange es auf europäischer Ebene keine Änderungen der Bestimmungen gebe, werde sich daran auch nichts ändern.

So bleibt den Kommunen und anderen Akteuren bislang nur, an den guten Willen der Biker, an die Politik und an die Hersteller der Maschinen zu appellieren. Die Stadt Radevormwald hat sich vor einem Jahr der Initiative „Gemeinsam gegen Motorradlärm“ angeschlossen. Eine weitere Initiative unter dem Namen „Silent Rider“ ist in der Eifel gestartet worden, die wie das Bergische Land bei Motorrad-Ausflüglern sehr beliebt ist. Ob dies hörbare Auswirkungen haben wird, muss sich zeigen. In Wellringrade haben laut Karl-Heinz Braselmann viele die Hoffnung bereits verloren: „Ich höre von manchen Anwohnern mittlerweile: ,Wir halten das nicht mehr aus, wir ziehen weg.“