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Michaela Engelmeier ist SPD-Bundestagskandidatin in Oberberg

Direktkandidatin zur Bundestagswahl im Wahlkreis Oberberg : Schwarzer Gürtel – rotes Herz

Michaela Engelmeier tritt zum fünften Mal für die SPD Oberberg als Bundestagskandidatin an. Kämpferisch ist sie nicht nur als Politikerin, sondern auch sportlich.

Wehrhaft sein, das müssen viele demokratische Politiker in diesen Zeiten. Anfeindungen, besonders aus dem rechtsradikalen Lager, haben stark zugenommen. Das hat auch Michaela Engelmeier, Bundestagskandidaten der SPD Oberberg im Wahlkreis 99, schon erlebt. Wehrhaft ist sie aber nicht nur in der politischen Debatte. Die 59-Jährige ist ehemaliges Mitglied der deutschen Judo-Nationalmannschaft der Frauen und besitzt natürlich den Schwarzen Gürtel. Auch den Kampfsport Teakwondo beherrscht sie. Sportpolitik war immer eine wichtige Facette ihres Engagements – unter anderem war sie sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Bei der Bundestagswahl 2017 unterlag sie gegen ihren CDU-Mitbewerber Carsten Brodesser. Vier Jahre später hat sie sich entschieden, abermals gegen ihn im Wahlkreis Oberberg anzutreten. „Die Partei hatte mich gefragt, ob ich erneut dazu bereit bin“, berichtet sie. Damals galten die Aussichten der SPD als schlecht. Doch das hat sich in den vergangenen Monaten gründlich geändert. Engelmeier strahlt, als sie sagt: „Ich bin begeistert darüber, dass die SPD wieder im Aufwind ist.“

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 Am Samstag hat die Kandidatin einen Wahlkampftermin auf dem Wochenmarkt in Radevormwald absolviert. In Gesprächen mit den Bürgern hört sie aktuell viel Positives über den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Dabei stellt sie fest, dass manche Wähler davon ausgehen, sie könnten Scholz direkt zum Kanzler wählen. Das sei natürlich ein Missverständnis – wer Scholz als Kanzler wolle, der müsse schon sein Kreuz bei der SPD machen.

Das allerdings, hat sie gemerkt, fällt manchen schwer, denn die Partei hat in der Ära Gerhard Schröder viel Vertrauen verloren. „Ich höre immer wieder, dass die Menschen verbittert über die Einführung von Hartz IV sind“, erzählt sie. Davon wolle die SPD aber nun weg. Es müsse Schluss sein mit der Stigmatisierung der Betroffenen. „Dieser Druck auf die Menschen, diese Sanktionen, das geht nicht mehr.“ Die Sozialdemokratie, verspricht sie, werde von dieser Form der Sozialpolitik abrücken. „Ich glaube, die Menschen sehen, dass wir als SPD in der Großen Koalition viel erreichen. Ohne uns hätte es beispielsweise kaum das Kurzarbeitergeld in der Coronakrise gegeben.“

In die Wiege gelegt wurde Michaela Engelmeier das SPD-Engagement nicht. „Im meinem Elternhaus in Hagen ging es konservativ zu“, sagt sie. Ihre ältere Schwester habe allerdings schon dagegen rebelliert. „Ich weiß noch, wie sie eines Tages mit dem Anstecker ,Willy wählen !‘ zum Frühstück erschien.“ Das habe eine ziemliche Szene gegeben.

Die junge Michaela Engelmeier studierte Wirtschaftswissenschaften und wurde staatlich geprüfte Erzieherin. In diesen Jahren war sie als Leistungssportlerin im Judo aktiv, an einer Förderschule in Gummersbach war sie unter anderem auch als Judolehrerin tätig. Im Jahr 2004 wurde sie für die SPD Mitglied des Oberbergischen Kreistages, ein Jahr später kandidierte sie zum ersten Mal für den Bundestag. Keine leichte Aufgabe im traditionell „schwarzen“ Wahlkreis. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 trat sie erneut an, beim dritten Anlauf gelang über die Landesliste der Sprung ins Berliner Parlament. In der folgenden Legislaturperiode war sie Mitglied im SPD-Bundesfraktionsvorstand und Mitglied Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Eine besondere Beziehung verbindet Michaela Engelmeier mit Israel. „Ich habe dort Verwandtschaft“, sagt sie. Oft hat sie das Heilige Land besucht. Sie ist Mitglied der deutsche-israelischen Parlamentsgruppe, im vergangenen Jahr wurde sie Generalsekretärin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Ihre Verbindung zum Sport zeigt sich auch auf diesem Gebiet: Seit drei Jahren leitet sie das Büro des jüdischen Turn- und Sportverbandes Makkabi.

Ihr Einsatz für die deutsch-israelischen Beziehungen ist einer der Gründe, warum die SPD-Politikerin zur Zielscheibe der rechten Szene wurde. Äußerungen über die AfD hatten ebenfalls Folgen. Sie hatte sich in einem Interview am Wahlabend 2017 bestürzt über den Einzug dieser Partei ins Parlament gezeigt. Sie wurde daraufhin mit Schmähungen überzogen, erhielt Morddrohungen, musste vorübergehend ihr Büro und ihre Facebookseite schließen.  Nach den Erfahrungen dieser Zeit hat sich Engelmeier entschlossen, an keiner Podiumsdiskussion teilzunehmen, zu der AfD-Vertreter eingeladen sind.

Was sind ihre Ziele für den Oberbergischen Kreis ? Mobilität im ländlichen Raum sei eine Herausforderung, der ÖPNV müsse weiter ausgebaut werden, sagt Engelmeier, die selber im beschaulichen Lindlar lebt.  „Die ärztliche Versorgung im Kreis ist ein wesentliches Thema. Wir gehen davon aus, das in ein paar Jahren rund 60 Prozent der Ärzteschaft in den Ruhestand gegangen ist.“

Es sei wichtig, junge Familien mit guter Bildungsinfrastruktur dazu zu bewegen, in die Region zu ziehen, betont die Mutter zweier erwachsener Kinder. „Und ältere Menschen brauchen in ihren Ortschaften Einkaufsmöglichkeiten, damit sie in ihrer vertrauten Umgebung weiter wohnen können.“ Ein weiterer Punkt, der für sie wichtig ist: „Wir brauchen eine Lösung für die Altschulen der Kommunen.“