Radevormwald: Mehr Zeit für den Einzelnen haben

Radevormwald : Mehr Zeit für den Einzelnen haben

Pfarrerin Antje Blesenkemper verstärkt seit Herbst vergangenen Jahres das evangelische Team der Klinikseelsorge am städtischen Klinikum in Solingen.

Aufgewachsen ist Antje Blesenkemper in einem Pfarrhaus in Wuppertal. "Mein Vater hat es so gehalten, dass es ein offenes Pfarrhaus war", erzählt die 41-Jährige. Die Gemeindeglieder wussten, dass sie immer klingeln konnten. "So ist mir schon als Kind klar geworden, wie dicht Freud und Leid beieinanderliegen und dass das Leben auch Brüche aufweist." So standen einmal weinende Gemeindeglieder vor der Haustür, die gerade einen geliebten Menschen verloren hatten. Ein andermal waren es strahlende Eltern, die einen Termin für die Taufe ihres Neugeborenen vereinbaren wollten.

Schon früh hat Antje Blesenkemper begonnen, sich ehrenamtlich einzubringen. Sie studierte Theologie und wählte sich als Vikarin zwei Schwerpunkte. "Zum einen wollte ich im Kindergarten den Kindern spannende biblische Geschichten erzählen", erinnert sie sich zurück - was sie mit Hilfe einer Handpuppe auch getan hat. "Zum anderen wollte ich das Arbeitsfeld Krankenhaus kennenlernen." So erhielt sie die Gelegenheit, als Vikarin den Pfarrer einmal in der Woche bei seiner Arbeit im Krankenhaus Radevormwald zu begleiten. "So habe ich gute Einblicke gewonnen."

Antje Blesenkemper hatte begonnen, selber Krankenbesuche zu machen und nach ihrem zweiten Examen vor allem einen Wunsch: "Ich würde gerne beides haben. Das vielfältige Gemeindeleben und die Seelsorge in der Klinik." Ihr Wunsch ging zunächst in Remscheid in Erfüllung, bevor Antje Blesenkemper Mutter wurde und in Elternzeit ging. Doch auch während der Elternzeit arbeitete sie zehn Stunden als Klinikseelsorgerin in Radevormwald weiter. Nach ihrer Elternzeit konnte die zweifache Mutter in Radevormwald wieder voll einsteigen - allerdings unter der Bedingung, dass sie sich für eine freie Stelle bewerben musste. "Und dann war da die Stelle in Solingen ausgeschrieben", erzählt die Pfarrerin. Es war die erste Bewerbung, die sie geschrieben hat, und es hat sofort geklappt. Seit dem vergangenen Herbst verstärkt Antje Blesenkemper nun das Team der evangelischen Klinikseelsorge am Städtischen Klinikum Solingen.

"Ich bin sehr froh, dass ich in meinem bevorzugten Bereich arbeiten kann", sagt die Klinikseelsorgerin, die ihre Arbeit mit sehr viel Engagement und Herzblut macht. "Seelsorge bedeutet für mich, Menschen wahrzunehmen und sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten", sagt sie. "Das ist besonders wichtig an den Grenzen des Lebens, denn ich glaube fest, dass auch Gott uns Menschen gerade an den Tiefpunkten unseres Lebens freundlich wahrnimmt." Wie für ihre Kolleginnen gilt auch für Antje Blesenkemper, dass sich die evangelische Klinikseelsorge nicht nur an evangelische Menschen richtet: "Wenn sich jemand an uns wendet, nehmen wir uns für ihn selbstverständlich Zeit - egal, ob er evangelisch ist oder nicht."

Im Krankenhaus sei es ein besonderes Merkmal der Seelsorge, sich Zeit für längere Gespräche mit Patienten zu nehmen: "Meine Zwillingsschwester ist Krankenschwester und bedauert sehr, dass ihr die Möglichkeit dazu oft fehlt." Antje Blesenkemper hat mit ihrer Tätigkeit in der Klinikseelsorge ihren Traumberuf gefunden: "Mit dieser Stelle möchte ich gerne alt werden".

Am 26. Januar wird die neue evangelische Klinikseelsorgerin Antje Blesenkemper zusammen mit ihrer katholischen Kollegin Monika Bender um 14 Uhr in einem Gottesdienst in der Kapelle des Klinikums, Gotenstraße 1, offiziell eingeführt.

(RP)