Radevormwald: Mehr verkaufsoffene Sonntage möglich

Radevormwald : Mehr verkaufsoffene Sonntage möglich

Die Reform des Ladenöffnungsgesetzes, die der Landtag im März beschlossen hat, stößt beim Einzelhandel, bei der Wirtschaftsförderung und der Tourismusbeauftragten auf Zustimmung. In Rade bleibt es aber zunächst bei drei Tagen.

Der Landtag hat den Weg frei gemacht, damit Kommunen die Zahl ihrer verkaufsoffenen Sonntage künftig ohne größere Probleme erhöhen können. Bislang waren maximal vier Sonntage erlaubt, jetzt sind es acht. Und auch die Beantragung und Genehmigung solcher Sonntage soll künftig vereinfacht werden. Das neue Gesetz stützt Öffnungsgenehmigungen auf Sachgründe, bei denen ein öffentliches Interesse vorliegt - und nicht wie bislang, dass verkaufsoffene Sonntage nur aus Anlass von Messen, Märkten oder ähnlichen Veranstaltungen durchgeführt werden durften.

Die neue Praxis stößt bei den Verantwortlichen in Rade auf Zustimmung. Trotzdem wollen Werbegemeinschaft, Tourismusbeauftragte und Wirtschaftsförderung zunächst nichts ändern: Es bleibt 2018 bei drei verkaufsoffenen Sonntagen. "Die Menge an verkaufsoffenen Sonntagen macht es nicht attraktiver, es sollte schon ein Event dahinter stehen", sagt Marcus Strunk, Vorsitzender der Werbegemeinschaft "Rade lebt".

Noch habe er kein detailliertes Stimmungsbild aus den Reihen der Händler, "aber wir wollen auf jeden Fall untereinander diskutieren, denn für mich ist die Qualität entscheidend", sagt Strunk. Für ihn ist die Solidargemeinschaft wichtig, ganz unabhängig von Gesetzen. "Ich glaube auch nicht daran, dass wir in Radevormwald acht verkaufsoffene Sonntage haben werden. Schließlich gibt es hier größtenteils Kleinstbetriebe", sagt er.

Wer sich an einem verkaufsoffenen Sonntag beteilige, müsse Umsatz machen, brauche dafür aber auch Mitarbeiter. "Es darf nicht passieren, dass wir zu jedem Jubiläum den Laden öffnen", sagt Strunk. Ein verkaufsoffener Sonntag müsse Sinn machen. In Rade habe es schon verkaufsoffene Sonntage mit drei teilnehmenden Geschäften gegeben. Das werfe ein schlechtes Bild auf die Stadt.

Strunk lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, vor allem die Absprachen über Termine klappten hervorragend. Es gebe durchaus Ideen für eine Ausweitung der Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage, aber dafür müsse man zunächst alle Händler unter einen Hut bringen und vor allem niemanden vor vollendete Tatsachen setzen.

Die Tourismusbeauftragte Heike Ueberall hatte schon vor der Entscheidung des Landtags den Vorschlag gemacht, vielleicht auch mal zur Pflaumenkirmes die Geschäfte zu öffnen. "Denn da wird die gesamte Innenstadt bespielt - vom Markt bis zum Schlossmacherplatz und rüber zur Sparkasse", sagt sie. In diesem Zusammenhang schwebe ihr auch ein "Bergischer Markt" vor, bei dem nicht Ein-Euro-Händler die Hauptrolle spielen, sondern ein hochwertiges Sortiment.

Für die Belebung der Innenstadt hält sie die Reform des Ladenöffnungsgesetzes für sehr positiv und für ein wichtiges Zeichen. "Aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist es immer schön, wenn wir was anbieten können, um den Leuten von außerhalb zu zeigen, wie schön es in Rade ist", sagt Heike Ueberall. Aber nur weil verkaufsoffen sei, komme niemand aus den umliegenden Städten. Deshalb müsse man sich auch über alternative Ideen wie zum Beispiel einen Ostermarkt Gedanken machen.

"Wir müssen den Spagat hinkriegen, alle ins Boot zu holen", sagt sie. Acht Sonntage seien nicht für jeden Händler zu stemmen. Ihre Devise: lieber weniger Tage, dafür aber alle Händler mit dabei, statt viele Tage und nur wenige Teilnehmer. "Das Angebot komplett auszureizen, halte ich für falsch", sagt Ueberall.

Das sieht Frank Nipken, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, ähnlich. Der Sonntag bleibe auch in Zukunft ein Feiertag, an dem nur in Ausnahmen Geschäfte öffnen sollten. "Die weitere Liberalisierung halte ich dennoch für gut, weil sich auch das Freizeitverhalten der Menschen geändert hat", sagt er. Allerdings halte er es auch für entscheidend, dass die Geschäfte geschlossen mitmachen. Dann werde ein verkaufsoffener Sonntag attraktiv. Nipken sieht "Luft nach oben", dennoch sollte Rade zunächst die drei beschlossenen Sonntage gut nutzen.

Die breite Teilnahme des Einzelhandels sei Voraussetzung für das Gelingen. "Denn wir müssen bedenken, dass die Inhaber in ihren Geschäften sechs Tage die Woche präsent sind", sagt Nipken.

(RP)