Radevormwald: Martin Luther und der Feiertag

Radevormwald : Martin Luther und der Feiertag

Während sich heimische Theologen den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag vorstellen können, warnt der Arbeitgeberverband vor wirtschaftlichen Verlusten.

Hamburg hat es Ende Februar getan. Schleswig-Holstein bereits eine Woche zuvor. Und Bremen und Niedersachsen könnten folgen. Mehrheitlich haben sich die Politiker in den norddeutschen Ländern für den 31. Oktober als gesetzlichen Feiertag entschieden - und machen es damit vielen ostdeutschen Ländern gleich. Die evangelische Kirche hatte im vergangenen Jahr den 500. Jahrestag des Thesenanschlags gefeiert und der Reformationstag war zu dem besonderen Anlass bundesweit als Feiertag deklariert worden. Das solle künftig in jedem Jahr gelten, wünschten sich viele norddeutsche Politiker - auch weil es im Norden bisher deutlich weniger Feiertage als etwa im Süden des Landes gibt.

Und wie stehen heimische Gemeinden und Wirtschaftsvertreter zu dieser Idee? "Mit dem vergangene Jahr und der Jubiläumsfeier ist der Reformationstag bei vielen Menschen wieder viel stärker ins Bewusstsein gerückt", sagt Pfarrer Philipp Müller von der Evangelisch-lutherischen Gemeinde. Den Tag nun grundsätzlich zu einem staatlichen Feiertag zu machen, könne nicht schaden. "Dann darf allerdings nicht Luther im Mittelpunkt stehen", findet der Pfarrer, "sondern der Auftrag der Reformation." Und das bedeute: den Menschen aufs Maul schauen und immer wieder nach der Erneuerung der Kirche zu fragen. Das habe die katholische Kirche in den Konzilien auch getan. "Deswegen mache ich mir keine Sorgen um die Ökumene am Reformationstag", sagt Müller, "wir feiern nicht die Trennung, sondern unsere Gemeinschaft."

Auch Pfarrer Dieter Jeschke von der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde warnt davor, den Feiertag zu einem evangelischen Festtag zu machen. "Es darf nicht darum gehen, sich als Kirche auf die Schultern zu klopfen oder einen Luther-Jubeltag zu inszenieren", sagt er. Vielmehr müsse der Tag dann zur Diskussion über kulturelle, gesellschaftliche und politische Themen genutzt werden. Diese Themen dürften nicht den rechten Populisten überlassen werden. "Werte, die uns selbstverständlich geworden sind, könnten wir an diesem Tag wieder bedenken und uns auf sie besinnen", sagt er. So seien mit der Reformation ja auch die Wurzeln von Freiheit und Menschenrechten gelegt worden. Und das könnten Menschen aller Konfessionen und Religionen gemeinsam feiern.

Positiv fällt auch die Bewertung von Pastor Florian Reinecke von der Martini-Gemeinde für das Bemühen um einen staatlichen Feiertag am 31. Oktober aus. "Es gibt in NRW auch katholische Feiertage", sagt er, "warum sollte es nicht auch einen evangelischen geben." Die Begeisterung des vergangenen Jahres könne aufgegriffen werden, um die Haupterrungenschaft der Reformation in den Fokus zu rücken: "Wir müssen nichts aus uns selbst leisten. Es geht nicht um unsere Taten, sondern um Gottes Gnade", fasst der Pastor zusammen. Vermutliche würden nicht mehr Menschen am Reformationstag in die Kirche gehen. Aber man könne die Botschaft des Tages auch hervorheben, indem mediale Netzwerke genutzt würden. "Mir geht es nicht um einen zusätzlichen Feiertag", betont Reinecke, "für mich wäre es ja ohnehin kein freier Tag."

Eindeutig klingt die Warnung des Arbeitgeberverbandes Remscheid und Umgebung, der auch für Rade zuständig ist. "Ein weiterer gesetzlicher Feiertag würde nicht gerade zu unserer Wettbewerbsfähigkeit beitragen", erklärt Geschäftsführer Markus von Dreusche, "jeder gesetzliche Feiertag kostet die Unternehmen richtig viel Geld." Sie müssten dann Zuschläge für Feiertagsarbeit bezahlen. Und weil im Bergischen der Anteil der Lohnkosten relativ hoch sei, würden heimische Firmen von einem zusätzlichen Feiertag hart getroffen. "Wer den Laden schließt, muss mit einem Tag Produktionsausfall klarkommen", sagt von Dreusche, "das schwächt unsere Industrie." Es gebe in Deutschland schon deutlich mehr Feiertage als in den benachbarten Ländern, ergänzt er. Im Rheinland kämen noch die Karnevalstage hinzu. "Und der Reformationstag würde ja nicht einmal alle Bürger betreffen", sagt er, "sondern nur die Evangelischen." Die Aktion im vergangenen Jahr zum Reformations-Jubiläum sei in Ordnung gewesen, so von Dreusche. "Aber ein neuer gesetzlicher Feiertag muss nicht sein."

(resa)