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Radevormwald: Landwirte sehnen Kälte und Frost herbei

Radevormwald : Landwirte sehnen Kälte und Frost herbei

Den Bauern in Radevormwald macht der milde Winter zu schaffen. Weil die Felder durchnässt sind, kann noch nicht gedüngt werden. Dagegen fürchten die Gärtnermeister keine schlimmen Folgen des warmen Winters.

Holger Gesenberg sind zu seinem Leidwesen die Hände gebunden. Dringend müsste der Landwirt aus Radevormwald damit beginnen, seine Felder auf das kommende Frühjahr vorzubereiten, doch die andauernd milden Temperaturen und das nass-feuchte Wetter der vergangenen Wochen machen ihm einen Strich durch die Rechnung. "Die Felder sind mit unseren schweren Traktoren derzeit kaum zu befahren", klagt er.

Deutsche Landwirte brauchen momentan vor allem eines, und das ist Geduld. Weil die Temperaturen in diesem Winter nur selten bis auf den Gefrierpunkt absinken, sind die meisten Felder zurzeit in einem desolaten Zustand und von der andauernden Nässe so stark durchgeweicht, dass das Arbeiten darauf unmöglich ist. "Normalerweise würden wir jetzt damit beginnen, die Felder mit Mist zu befahren, doch das ist bei diesen Bodenbedingungen unmöglich", sagt Gesenberg und bekräftigt: "Uns Landwirten fehlt der Frost." Können die Landwirte nicht bald mit dem Düngen beginnen, drohen im kommenden Spätsommer Ernteeinbußen. Gesenberg erklärt: "Das Stroh braucht genügend Zeit, um sich auf den Feldern zu zersetzen." Doch noch müssen die Landwirte warten.

Für die oberbergischen Bauern birgt der ausbleibende Frost aber noch zusätzliche Gefahren. Die Gefahr von Schädlingsplagen ist latent. Mäuse, die es bei Minusgraden normalerweise schwer haben, durch den Winter zu kommen, finden zurzeit ein üppiges Nahrungsangebot vor und vermehren sich nahezu ungebremst. Ähnlich ist es bei den Insekten, denen die Minusgrade im Winter normalerweise zu Leibe rücken. Nur nicht in diesem. Und das kann für die Bauern teuer werden.

"Mäuse und Insekten machen sich im Frühjahr an den jungen Pflanzen zu schaffen", sagt Gesenberg. Je mehr Tiere den Winter überleben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Frühjahr nachgesät werden muss, weil die Felder völlig zerfressen sind. Hätte Gesenberg also die Wahl, würde er sich zügig Frost wünschen. Nur Schnee wünscht er sich nicht. Der nämlich würde Mäusen und anderen Nagern zusätzlichen Schutz vor Fressfeinden liefern.

Während der ausbleibende Winter den Landwirten viele Sorgenfalten auf die Stirn treibt, blickt Gärtnermeister Leo Ortmans dem Frühjahr eher gelassen entgegen: "Das warme Wetter ist für uns Gärtner nahezu optimal. Wir können die meisten Pflegearbeiten viel früher erledigen, als es normalerweise der Fall ist." Auch vor Schädlingen fürchtet sich Ortmans kaum: "Darüber mache ich mir eigentlich wenig Gedanken", sagt der Gärtnermeister. "Natürlich ist für den Fall, dass die Temperaturen konstant warm bleiben, mit einem erhöhten Schädlingsaufkommen zu rechnen", sagt Ortmans, "aber damit können wir Gärtner umgehen."

Und auch ein möglicher Kälteeinbruch beunruhigt den Gärtnermeister nicht. Denn den meisten Pflanzen, die wegen des warmen Wetters zum Teil schon jetzt, und damit viel zu früh, aussprießen, würde das nur wenig ausmachen. "Die Sprieße würden bei plötzlicher Kälte erst einmal zurückfrieren. Sobald es dann wärmer würde, würden sie aber wieder nachwachsen", sagt Ortmans völlig unaufgeregt.

Für Holger Gesenberg und die oberbergischen Bauern bleibt es derweil spannender, als es ihnen lieb sein kann. Noch sieht es so aus, als bliebe es auch den restlichen Winter mild. "Für gesicherte Wetterprognosen ist es aber noch zu früh", gibt sich Gesenberg zuversichtlich. "Vor zwei Jahren gab es auch erst spät im Jahr Frost. Noch ist es also nicht zu spät."

(RP)