Lesung der Volkshochschule Oberberg in Radevormwald Wenn der Mord vor der Haustür passiert

Radevormwald · Der bergische Krimiautor Wolfgang Voosen war jetzt in der Bergstadt zu Gast, um aus seinem jüngsten Werk „Tatort Schwebebahn" vorzulesen. Eine spannende Kriminalgeschichte über mehrere außergewöhnliche Morde, die sich vor der heimischen Haustür ereignen.

Der bergische Krimiautor Wolfgang Voosen las im Mehrzweckraum des Bürgerhauses aus seinem jüngsten Werk „Tatort Schwebebahn“ vor.

Der bergische Krimiautor Wolfgang Voosen las im Mehrzweckraum des Bürgerhauses aus seinem jüngsten Werk „Tatort Schwebebahn“ vor.

Foto: Cristina Segovia Buendia

Akribie und Perfektion zeichnen Wolfgang Voosen schon lange aus. Als studierter Jurist und Volkswirt, der über viele Jahre in der Rechtsabteilung eines großen Versicherers aus der Nachbarstadt tätig war, hat er sein detektivisches Gespür während seines langen Berufslebens verfeinert. Er kennt die Tricks der Betrüger, brachte viele von ihnen häufiger vor Gericht.

Er kennt aber auch das System, die Menschen dahinter und vor allem auch das Bergische Land. Und genau das nutzt der gebürtige Lüneburger und Wahl-Wuppertaler für seine neue Facette als Buchautor. Denn im ihm wohlbekannten Bergischen Land spielen seine sechs bislang erschienen Krimis. Sein jüngstes Werk „Tatort Schwebebahn“ erzählt von drei spannenden Mordfällen, die sich allesamt im Wuppertaler Stadtgebiet ereignen. Seine Protagonisten sind allerdings auch in der weiteren Region unterwegs, wie etwa eines seiner fiktiven Mordopfer, Sonja Kimmich. Eine Frau mittleren Alters, die mit ihrem Mann in einem großen Haus mit Pool in Wermelskirchen lebt, erfolgreiche Golferin im Golfclub Dreibäumen in Hückeswagen ist und sich ihre Hüftschmerzen in der Remscheider Gelenkklinik behandeln lässt.

Unter zunächst mysteriösen Umständen stirbt Kimmich bei einem Ausflug mit ihren Golfdamen in der Wuppertaler Schwebebahn. Ins Visier der Ermittler rückt bald ihr Ehemann. Denn, mit Kimmichs Tod, erbt er das große Vermögen seiner Frau. Ohne viel mehr über die anderen Mordfälle in seinem Buch zu verraten, erzählte Voosen, dass auch die Partner der übrigen Mordopfer Begünstigte der Vermögen ihrer Frauen werden. Ob die Männer hier aus Gier zu Mördern werden oder ob es sich um einen Serienkiller handelt, der wahllos wohlhabende Frauen in der Schwebebahn ermordet, lies Voosen bei seiner Lesung im Bürgerhaus offen. „Wer mehr wissen will, muss selber weiterlesen“, empfahl er seiner kleinen Fangemeinde, die sich im Mehrzweckraum auf Einladung der Volkshochschule Oberberg eingefunden hatte.

Voosen nahm sich im Anschluss an seine kurzweilige Lesung Zeit, um Fragen der Anwesenden zu beantworten. Vieles, was er selber erlebe, finde sich in irgendeiner Weise auch im Buch wider, verriet er heiter. So konnte er etwa die Hüftbehandlung seiner Protagonistin im Gelenkzentrum Remscheid nur so detailreich beschreiben, weil er selbst diese Behandlung an jenem Ort durchlief. Überhaupt, erzählte Voosen, lege er so großen Wert auf Genauigkeit in seinen Büchern, dass er jedes Mal, wenn er fertig geschrieben habe, die beschriebenen Orte und Straßen erneut abfahre. Manchmal müsse er dann was ändern.

Er selbst sei immer ein großer Krimifan gewesen, wobei er mittlerweile einen Qualitätsverlust erkenne. „Früher hatten Krimis mehr Gehalt“, urteilte Voosen. Die Fälle seien akkurater bearbeitet worden. Heute würden viele der beschriebenen Kriminalfälle in den gängigen Krimiserien und Spielfilmen voll von Fehlern sein. Außerdem, erkannte Voosen auch, „haben wir mittlerweile eine Überlastung von Krimiserien und Krimifilmen im Fernsehen.“ Deswegen, werde auch er sich künftig umorientieren.

Bis 2005 sei er bei einem großen Versicherer in Wuppertal angestellt gewesen. Mit der Pensionierung habe er sich der Bildhauerei gewidmet, sei lange in Italien gewesen, berichtet Voosen. Die Schreiberei habe ihn schon immer begleitet. Ganz früher habe er Gedichte geschrieben. Erst nach dem Renteneintrittsalter habe er angefangen, Romane zu schreiben. So sei zuletzt alle zwei Jahre ein neues Werk entstanden. Mit 78 Jahren habe er daher bereits sieben Bücher auf den Markt gebracht, darunter fünf Bergische Krimis. Sein jüngstes Werk „Tatort Schwebebahn“, ließ Voosen im Gespräch fallen, würde wohl sein letzter Krimi sein. Aktuell schreibe er an einem Buch namens „Betrug“, der viele Fälle aus seinem Berufsalltag behandele. Elf von 19 darin beschriebenen Fällen, verriet er, habe er selbst erlebt. Die übrigen seien von befreundeten Juristen.

Im Frühjahr nächsten Jahres werde er für eine weitere Lesung nach Radevormwald kommen, dann mit dem neuen Buch bereits im Gepäck.