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Kontrolleure entdecken in Radevormwald auch Schimmelsporen

Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Radevormwald aktiv : Kontrolleure entdecken Schimmelsporen

In Zusammenarbeit mit der Polizei führte das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises am Mittwoch Transportkontrollen durch. In einem Bäckerfahrzeug fanden sich Schimmelsporen.

Im Ortsteil Grüne, am Kreisverkehr, der die Bundesstraßen B229 und B483 verbindet, herrscht am frühen Mittwochmorgen Hochbetrieb: Es ist kurz nach 6 Uhr. Lkw und Transporter befinden sich auf ihrer morgendlichen Route zwischen Remscheid und Schwelm, um ihre Produkte auszuliefern. Der Berufsverkehr mit zahlreichen Pkw fädelt sich allmählich ein, die Straßen füllen sich. Mittendrin, zwischen den beiden Bushaltestellen Grüne, winken Polizeibeamte für sie auffällige Kühl- und Lebensmitteltransporter heraus.

„Guten Morgen. Polizeikontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte“, werden die überraschten Fahrer auf dem Standstreifen begrüßt. Während Polizeibeamten die Personalien aufnehmen und das Fahrzeug auf technische Mängel überprüfen, rücken auch Lebensmittelkontrolleur Peter Schürholz und Nina Junge vom Kreisveterinäramt samt schriftführender Kollegin nach und erbitten sich Zugang zum Laderaum.

Mit einem Thermometer bewaffnet, kontrolliert Schürholz zunächst die Temperatur an der geschlossenen Tür des Laderaums. Er murmelt. Die Kollegin notiert. Im Inneren des Laderaums zückt Schürholz routiniert die Taschenlampe aus seinem weißen Kittel, verschafft sich einen Überblick und misst erneut die Temperatur an der Ware. „Argentinisches Rumpsteak“ und „Feinkostsuppen“ – das verrät die Aufschrift auf den Verpackungen, befinden sich hier in der Auslieferung auf dem Weg zum Supermarkt. Fachmännisch hält Schürholz das digitale Messgerät an die Ware und nickt. Hinter den Paletten, weiß der Lebensmittelkontrolleur aus langjähriger Berufserfahrung, befindet sich die tiefgekühlte Ware. „Dürfte ich bitte da rein?“, fragt er den Fahrer freundlich, der wortkarg beginnt, die Paletten wegzuräumen, um die Türen zum Tiefkühlbereich zu öffnen. Auch hier zückt Schürholz erneut sein Thermometer, zielt auf zufällig ausgewählte Pakete und nickt erneut. „Einwandfrei“, urteilt der Fachmann. „Minus vier, minus fünf Grad im Kühlbereich, minus 23,8 bei der Tiefkühlware. Das ist in Ordnung“, sagt er, während die Kollegin alles fleißig mitnotiert.

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Doch ganz ohne Verwarnung kommt der Fahrer doch nicht davon. „Wo sind denn ihre Sicherungsstangen?“, will ein Polizeibeamter wissen. Der Fahrer greift mit einer Handbewegung zur Seite und holt sie hervor. In der Eile des Gefechts, möglicherweise unter Zeitdruck stehend, hatte er sie nicht angebracht, so dass die Paletten im halbleeren Laderaum, bei einer Vollbremsung durch den halben Lkw gerutscht wären. „Beim nächsten Mal einfach ein paar Minuten mehr Zeit nehmen, um die Ladung sachgemäß zu sichern“, mahnt der Polizeibeamte. Der Mann nickt, doch um ein Verwarngeld kommt er nicht umher. Als der Polizeibeamte dem Fahrer die Quittung aushändigt, sagt er noch: „Die ins Handschuhfach legen, damit Sie beim nächsten Mal an die Sicherung denken“, gibt der Polizist augenzwinkernd mit. Der Mann lacht. Diese Kontrolle wird er sicherlich nicht so schnell vergessen.

Auf der anderen Straßenseite in Richtung Schwelm, hat auch Irene Kriegel nach Aufforderung der Polizei ihr Fahrzeug angehalten. Überrascht und aufgeregt zugleich, schaut sie sich fragend um: „Was habe ich falsch gemacht?“ Polizei und Lebensmittelkontrolleure erklären ihr kurz die Situation, und prompt öffnet sie die Hintertür zu ihrem Verkaufswagen der Fleischerei. Mit prüfendem Blick schreiten die Kontrolleure hindurch, prüfen Temperatur der Kühltheke, Sauberkeit und wagen einen Blick in die Lüftung. „Alles in Ordnung“, gibt Schürholz nach einigen Minuten bekannt. Kriegel atmet tief durch. Ganz erschrocken sei sie gewesen, als sie so früh am Morgen die große Menge an Polizisten sah, aber unbekannt sind ihr die Kontrollen nicht. „2021 wurde ich schon mal kontrolliert“, erzählt sie. „Ich finde diese Kontrollen gut und wichtig. Wir achten sehr auf die Hygiene, weil wir nicht wollen, dass jemand krank wird.“ Doch in der Branche gebe es auch schwarze Schafe.

Ein besonderes Exemplar ging den Kontrolleuren am frühen Mittwochmorgen denn dann auch prompt ins Netz, berichtet Kreisveterinärin Nina Junge im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir haben einen Transporter angehalten, der in keinem guten Zustand war und Backwaren geladen hatte. Darin haben wir Schimmelsporen gefunden“, berichtet die Fachfrau. Zwar handelte es sich um Retour-Ware, doch es sei nicht auszuschließen, dass in dem Fahrzeug zuvor auch frische Ware transportiert wurde. „Wir haben alles dokumentiert und werden die Kreisverwaltung in der Nachbarstadt informieren.“

Insgesamt acht Kontrollen haben Junge und Schürholz allein in der ersten Stunde durchgeführt und hygienische Mängel an zwei Fahrzeugen festgestellt. Eine gute Ausbeute, meint Junge: „Durch die regelmäßigen Kontrollen hat es sich immer weiter verbessert, sodass wir im Großen und Ganzen immer weniger massive Mängel feststellen können.“ Auch die Polizei stellte in der ersten Stunde – außer bei einem Fahrzeug – keine erheblichen Mängel fest, berichtet Wolfgang Weiß, Leiter des Verkehrsdienstes. „Ausgerechnet den ersten Lkw, den wir angehalten haben, mussten wir stilllegen, weil der Sturz nicht richtig eingestellt war. Die Reifen waren nur seitlich abgefahren.“ Gefährlich sei das, weil der Lkw bei einem etwas wuchtigeren Bremsvorgang schnell auf die Seite kippen könnte. „Der Fahrer musste das Fahrzeug stehen lassen.“