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Kommunalwahl in Radevorwald: Schlimmstenfalls droht Patt-Situation

Kommunalwahl in Radevormwald : Schlimmstenfalls droht eine Patt-Situation

Vielleicht hätte Jürgen Fischer (CDU) eine Stichwahl erzwingen können, wäre ihm die RUA mit dem ehemaligen Christdemokraten Thomas Lorenz nicht in die Parade gefahren.

Im Jahr 2015 kam Johannes Mans aus der Eifel nach Radevormwald. Ein Bewerber aus einem anderen Bundesland, angeworben von der kleinen Wählergemeinschaft der Alternativen Liste – es sah nicht so aus, als würde Mans’ Gastspiel im Bergischen lange dauern.

So kann man sich täuschen: Am Sonntag hat eine deutliche Mehrheit der Bürger den 62-Jährigen zum zweiten Mal zum Bürgermeister der Bergstadt gewählt. Der seit Geburt in Radevormwald verwurzelte CDU-Bürgermeisterkandidat Jürgen Fischer konnte nicht einmal 30 Prozent der Wähler von sich überzeugen. Bodenständigkeit ist offenbar auch in ländlichen Regionen kein Faktor mehr, der automatisch Wahlerfolge sichert. Besonders hart dürfte es für Fischer sein, dass nicht einmal die Menschen in Önkfeld, wo er quasi Ortsvorsteher ist, ihm mehrheitlich den Bürgermeister-Job zutrauten. Für die CDU bleibt es bislang bei der Situation, dass sie zwar verlässlich die stärkste Kraft im Radevormwalder Rat stellt, aber nicht den Chef oder die Chefin im Rathaus.

Vielleicht hätte Jürgen Fischer eine Stichwahl erzwingen können, wäre ihm nicht der dritte Kandidat, Thomas Lorenz (RUA), in die Parade gefahren. Lorenz, ein ehemaliger CDU-Mann, hat zweifellos einige bürgerliche Wähler von den Christdemokraten abwerben können. Sollte er vorgehabt haben, seinen ehemaligen Parteifreunden eine Lektion zu erteilen, ist ihm zumindest das gelungen, auch wenn er insgesamt mit seinem persönlichen Ergebnis nicht zufrieden sein kann.

Im Rat jedoch kann die RUA, die anfangs eher als Notbehelf für zwei fraktionslose Ratsherren gegründet wurde, nun als stabile Kraft mit drei Mandaten einziehen, unter anderem mit dem ehemaligen UWG-Mann Burkhard Wigge. Die UWG selber konnte ihre Mandate behalten, hat aber in der Wählergunst mehrere Prozente verloren. Dass sie weder einen eigenen Kandidaten fürs Rathaus aufstellte noch sich durchringen konnte, einen anderen Bewerber zu unterstützen, trägt zum Eindruck von Richtungslosigkeit bei. Da half auch die hektische Aktivität kurz vor der Wahl nichts mehr.

In der Rader Politik spielt die UWG nicht mehr in der vorderen Reihe mit. Ihre Stelle nehmen nun die Grünen ein, die zwar im Wahlkampf blass wirkten, aber von der Schubkraft ihrer Partei in Bund und Land profitieren und nun drei weitere Mandate im Rat erhalten. Aus einer oppositionellen, mahnenden Rolle müssen sie nun stärker in diejenige der Gestalter wechseln. Die FDP und Alternative Liste haben bei der Wahl an Prozenten zwar etwas verloren, sind aber weiter im Rat vertreten – die AL weiterhin mit dem Ehepaar Ebbinghaus, die FDP mit einem zusätzlichen Mandat.

Dass der Rat gewachsen ist, hat zwar der CDU zusätzliche Mandate beschwert und die SPD unangetastet gelassen, doch Mehrheiten in dem Gremium zu erhalten, wird künftig noch schwerer werden. Die kleineren Fraktionen als Unterstützer seiner Arbeit zu gewinnen, wird eine Herausforderung für Bürgermeister Johannes Mans sein. Das Schlechteste, was nun passieren könnte, wäre eine Patt-Situation zwischen jenen Kräften, die Johannes Mans bei seiner Wiederwahl unterstützt haben – also SPD, Grüne und AL – und den konservativ-liberalen Kräften. Hier könnte die AfD dann je nach Lage der Dinge sogar das Zünglein an der Waage spielen. Das Abschneiden der rechtspopulistischen Partei war mit Spannung erwartet worden. Mit drei Sitzen ist die Partei in den Rat eingezogen. Angesichts der Tatsache, dass bei der Bundestagswahl 2017 und der Europawahl 2019 zweistellige Ergebnisse für die Rechtspopulisten zustande kamen, dürfte das weniger sein, als die AfDler erhofft hatten. Auch hier mag die Bundespolitik, in der sich die Partei zuletzt zerstritten zeigte, auf das Radevormwalder Ergebnis eingewirkt haben.

Fritz Ullmann vom Linken Forum wiederum kann das rote Fähnchen, mit dem er sich in den Ratssitzungen zu Wort zu melden pflegte, einrollen – er wird nicht im neuen Rat sitzen.

Stefan Gilsbach